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Mensch Gekaufte Publikationen

Forschungsskandale haben die westliche Wissenschaft in den vergangenen Jahren oft in Verlegenheit gebracht. Doch nun zeigt sich: Auch in China wird geschummelt – auf vielerlei Arten.

Frontansicht der Dalian University in der grossen Hafenstadt Dalian im Osten von China.
Legende: Wissens-Schmieden: Chinas Forschung ist ehrgeizig – und Institute wie die Dalian University rühmen sich mit der Zahl ihrer Publikationen. Yoshi Canopus / Wikipedia

Wer als Jungforscher Professor werden will, muss sich über Jahre im Labor vergraben. Nur so kommt man zu Messdaten und Erkentnissen. Damit die Welt von diesem neuen Wissen erfährt – und von den Fähigkeiten des karrierewilligen Wissenschaftlers, werden die Erkenntnisse veröffentlicht. Das ist die Währung auf dem Markt um Professuren: möglichst viele, gute Veröffentlichungen.

Doch das Ringen um akademische Weihen und Posten ist so hart, dass manche Wissenschaftler eine Abkürzung wählen: Statt mühsam Jahre mit Experimenten zu verbringen, fälschen oder erfinden sie die Daten. Davon zeugen etliche Forschungsskandale in den letzten Jahren.

Ein Schwarzmarkt für Forschung

Nun ist in China eine weitere Karriere-Abkürzung ruchbar geworden: Dort kaufen sich manche Forscher einen Platz auf einer fremden Veröffentlichung. Über 10'000 Franken kostet das zuweilen. Das Wissenschaftsmagazin "Science" hat dies aufgedeckt und berichtet in der neuesten Ausgabe von einem lebhaften Schwarzmarkt für wissenschaftliche Publikationen in China.

Auf diesem Markt werden nicht nur Autorenschaften verschachert: So bieten manche Firmen auf ihren Webseiten oder per E-Mail an Wissenschaftler an, ihnen eine Publikation ohne irgendwelche Daten zu schreiben. Alternativ können Forscher ihre Messdaten abgeben und bekommen eine Veröffentlichung geliefert – wissenschaftliches Ghostwriting heisst das, und ist auch nicht comme il faut.

Immer mehr Artikel aus China

Befördert wird dieser Schwarzmarkt wohl dadurch, dass China gerade Anschluss an die globale Wissenschaft sucht. Es werden viele neue Institutionen aufgebaut, Posten besetzt, und die chinesischen Forscher sollen nun auch in global bekannten Zeitschriften publizieren – und nicht mehr nur in chinesischen, die global niemand wahrnimmt.

Nur wenn Nachwuchsforscher Veröffentlichungen in solchen internationalen Publikationen vorweisen können, haben sie eine Chance auf eine gute Stelle. Diese Expansionspolitik scheint Früchte zu tragen: In den letzten zehn Jahren hat sich die Zahl der Publikationen aus China in internationalen Publikationen verfünffacht.

Glaubwürdigkeit in Gefahr

Dieser Handel mit erfundenen oder frisierten Publikationen wirft globale Schatten. Er unterminiert die wichtigste Währung der Wissenschaft: die Glaubwürdigkeit. Je mehr faule Veröffentlichungen, desto gravierender wird das Problem: Welche Publikation ist verlässlich – welche ein Lügengebäude?

Selbst im Falle der gekauften Autorenschaften – wenn die Daten an sich stimmen – gibt es für Forscher und Institutionen auch in der Schweiz ein Problem: Die Kooperationen über die Grenzen hinweg nehmen zu, gerade mit dem aufstrebenden China. Nun müssen sich Schweizer Forscher immer mehr fragen: Ist dieser mögliche Forschungspartner wirklich so gut, wie seine Publikationen zu zeigen scheinen – oder hat er alles nur gekauft? Dadurch leiden auch die ehrlichen chinesischen Forscher.

Zweifelhafte Praktiken auch anderswo

China ist nicht das einzige Land, das den Anschluss an die internationale Wissenschaft sucht: Einige andere Schwellenländer sind gerade beim selben Sprung nach vorne. Es gibt schon ähnliche Beispiele von Fehlverhalten ausserhalb Chinas. Kürzlich wurde ein Fall aus Rumänien bekannt, wo ein Professor sein Gehalt damit aufbesserte, dass er eine Publikation unterhielt, die gegen Bezahlung alles ungeprüft veröffentlichte.

Wenn die ehrlichen Forscher in aller Welt dieses Problem nicht angehen, entstehen immer mehr Zweifel an ihren Erkenntnissen – eine gefährliche Sache für die ganze Wissenschaft.

1 Kommentar

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  • Kommentar von Walter Leimgruber, Villars-sur-Glâne
    Das angesprochene Problem lässt sich wohl darauf zurückführen, dass die Quantität der Publikationen systematisch über ihre Qualität gestellt wird. Es handelt sich wohl um ein Phänomen unserer Zeit, die immer immer mehr in immer kürzeren Zeitabständen verlangt. Es braucht wohl ein grundsätzliches Umdenken in der Gesellschaft, um wieder zu einer Ethik der Publikationen und einem gemässigten Rhythmus zurückzukehren.
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