Geldsegen für Schweizer Forscher?

Viel Geld für die Forschung: Das «Human Brain Project» soll in den nächsten zehn Jahren eine Milliarde Euro erhalten. Das berichten das Fachblatt «Nature» und weitere Quellen.

MRI eines Gehirns

Bildlegende: Mit dem «Human Brain Project» soll das Gehirn auf eine ganz neue Weise erforscht werden. Keystone

Alle europäischen Forscher blicken nach Brüssel: Dort wird zwei Forschungsprojekten je eine Milliarde Euro in Aussicht gestellt – verteilt über zehn Jahre. Dazu gehört offenbar ein Projekt unter der Führung von Schweizer Forschern der ETH Lausanne. Das berichten das Fachmagazin «Nature» und weitere Quellen. 

Das Gehirn simulieren

Das Ziel des «Human Brain Project» vom Wissenschaftler Henry Markram: Herausfinden, wie das menschliche Gehirn funktioniert. Mittels Simulationen mit leistungsstarken Computern soll gezeigt werden, wie es arbeitet. Ein virtuelles Abbild des menschlichen Gehirns soll entstehen.

Kritiker: «Illusionäres Vorhaben»

Das Projekt ist nicht unumstritten. Einige Gegner, zu denen auch gestandene Hirnforscher gehören, kritisieren das Forschungsvorhaben als illusionär. Das Forschungsversprechen, Hirnkrankheiten besser heilen zu können, sei überzogen.

In der Tat hat Henry Markram in Fachzeitschriften erst sehr spärlich zeigen können, was sein Ansatz taugt. Doch das Ziel der Europäischen Kommission ist, viel Geld an wenige riskante Projekte ausschütten. Die sollen mit den Mitteln an den Erfolg anderer Grossprojekte wie das CERN anschliessen können. Doch auch diese Konzentration von Forschungsmitteln wird kritisiert. Diese könnten an anderer Stelle fehlen.

Das zweite laut «Nature» gewählte Projekt steht unter schwedischer Leitung. Es heisst «Graphene» und will Computer auf Basis dieses neuen Werkstoffs entwickeln.

Weder die Europäische Kommission noch die Forscher selbst wollten die Meldung der Fachzeitschrift offiziell bestätigen. Sie verweisen auf die Pressekonferenz nächsten Montag.

Finanzierung noch unklar

Die FET-Flagship-Initiative ist ein neuartiges europäisches Förderinstrument im Bereich der Informationstechnologie. Unklar ist, wie genau die Finanzierung der beiden Siegerprojekte gesichert werden soll. In den kommenden zweieinhalb Jahren erhalten sie vorerst je 54 Millionen Euro. Danach sollen beide Projekte bis zu 100 Millionen Euro pro Jahr bekommen. Nur etwa die Hälfte davon stammt aus den Töpfen der EU; den Rest müssen die Institutionen der beteiligten Länder selbst aufwenden.