Gen-Forscher wecken Hoffnung auf bessere Zuckerrüben

Ein Forscherteam hat in sechsjähriger Arbeit das komplette Genom der Zuckerrübe entschlüsselt. Das macht Hoffnung auf ertragsreichere Ernten, weil es einfacher wird, positive Eigenschaften einzuzüchten.

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Bildlegende: Zuckerrüben: Dank der Entschlüsselung des Genoms sollen bald ertragsreichere Sorten gezüchtet werden. Keystone

Zuckerrüben liefern über 30 Prozent des weltweiten Zuckerbedarfs. Sie gehören zu den wichtigsten Kulturpflanzen, gerade in der Schweiz. Hier wurden 2012 etwa 230'000 Tonnen Zucker aus 1,5 Millionen Tonnen Zuckerrüben produziert. In normalen Jahren deckt die eigene Produktion rund 80 Prozent des inländischen Bedarfs ab. Dieses Jahr werden es weniger sein: Der schlechte Frühling verkürzte die Vegetationsphase und liess die Rüben nicht so gross werden wie sonst. Da lässt die Meldung über die Entschlüsselung des Erbgutes der Zuckerrübe aufhorchen.

Weniger Krankheiten durch verbessertes Erbgut

Einem spanisch-deutschen Forscherteam ist es gelungen, das Genom der Zuckerrübe vollständig zu entschlüsseln. «Züchter können jetzt sehr viel schneller und einfacher neue Sorten etablieren», sagt Heinz Himmelbauer vom Berliner Max-Planck-Institut für molekulare Genetik. Positive Eigenschaften wie Krankheitsresistenzen können leichter eingezüchtet werden.

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Weniger Zuckerrüben in der Schweiz

2:32 min, aus Tagesschau vom 2.10.2013

Seit der Kultivierung der Zuckerrübe vor 200 Jahren wurde der Zuckeranteil der Pflanzen durch Kreuzungen von acht auf 18 Prozent hochgezüchtet. Bei Schweizer Rüben liegt er bei gut 16 Prozent. Wenn jetzt solche ertragsreichen Sorten auch noch vor Krankheiten bewahrt werden können, steigt damit natürlich die Zuckerproduktion.

Lebensmittelindustrie will Schweizer Zucker

Das würde in der Schweiz nicht nur Landwirte, sondern auch Lebensmittelproduzenten freuen. Weil in schlechten Jahren zum einheimischen Zucker zusätzlich Saccharose aus dem Ausland importiert werden muss, ist das Prädikat «Swiss Made» bei vielen Produkten in Gefahr. Die Swissness-Vorlage, die 2015 in Kraft tritt, schreibt vor, dass Lebensmittel nur dann als schweizerisch gelten, wenn mindestens 80 Prozent der Rohstoffe aus der Schweiz stammen.

Die Zuckerfabriken in Aarberg und Frauenfeld können natürlich nicht warten, bis gentechnisch bessere Rüben nachgewachsen sind. Vorerst bemühen sie sich, Landwirte zum vermehrten Anbau von Zuckerrüben zu bewegen. Im Vergleich zu den 20'000 Hektaren, auf denen in diesem Jahr Zuckerrüben gepflanzt wurden, sollen es im kommenden Sommer etwa 1000 Hektaren mehr sein.