Hilfe für Forscher auf der Flucht

Wenn Akademiker aus ihrem Heimatland fliehen müssen, droht damit auch viel Wissen verloren zu gehen. Wie kann man helfen, diese Menschen in Europas Wissenschaft zu integrieren? Bereits laufen erste Projekte für Forscherinnen und Forscher auf der Flucht – in Deutschland und auch von Seiten der EU.

Klappbetten für Flüchtlinge in einer Sporthalle der Universität Leipzig.

Bildlegende: Erste Hilfe an der Uni: Klappbetten für Flüchtlinge, fotografiert Mitte August 2015 in einer Sporthalle der Universität Leipzig. Imago

Seit wenigen Tagen ist das Portal «science4refugees» aktiv. Dort können Forscher auf der Flucht ihren Lebenslauf und andere Informationen bereitstellen – und Hochschulen können offene Stellen ausschreiben. Unterstützt wird das Projekt auch von der League of European Research Universities, zu der die Universitäten Zürich und Genf gehören.

Während man in Zürich noch klärt, wie das Portal genutzt werden soll, sind andere Projekte einen Schritt weiter. Carmen Bachmann, Professorin an der Uni Leipzig, hat vor drei Wochen eine Online-Plattform live geschaltet, die Kontakte mit geflüchteten Wissenschaftlern erleichtert.

Laut Bachmann ist das Projekt «ziemlich gut angelaufen». Die ersten Zahlen seien ermutigend: Neben rund 150 Anmeldungen von deutschen Forscherinnen und Forschern haben sich bereits einige Akademiker angemeldet, die auf der Flucht sind.

Hilfe gegen die berufliche Isolation

Dass Bedarf besteht, weiss Bachmann aus eigener Erfahrung – zum Beispiel durch einen Besuch in einem Flüchtlingslager in Leipzig. «Da sitzen wirklich Akademiker», erzählt sie, «für diese Menschen ist es in ihrer Situation schon eine Hilfe, in den Austausch mit anderen Forschern zu treten.»

Nun will die Wirtschaftswissenschaftlerin mit ihrem Team auch berufstätigen Akademikern und Studenten erleichtern, in Europa Anschluss zu finden – mit zwei neuen Foren für diese Zielgruppen, die sie vor wenigen Tagen eröffnet hat.

Online-Studium für Flüchtlinge

Die Kiron University soll Flüchtlingen in aller Welt eine Ausbildung bieten – ohne die üblichen bürokratischen Hürden an Hochschulen. Das Non-Profit-Projekt plant 5 populäre Studienfächer und kooperiert unter anderem mit der RWTH Aachen. Die Kosten sollen durch Crowdfunding gedeckt werden. Bis zum 12.10. mittags waren 144 Studienplätze finanziert.