HIV-Baby scheint geheilt

Ärzte in den Vereinigten Staaten sagen, sie hätten ein HIV-positives Baby geheilt. Der Fall bestätigt die Vorteile möglichst früher und aggressiver Medikamententherapien. Sie werden bei Erwachsenen bereits erfolgreich angewendet.

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Kleinkind von Aids geheilt

0:51 min, aus Tagesschau am Mittag vom 4.3.2013


Etappensieg bei der Behandlung von Aids?

4:46 min, aus SRF 4 News aktuell vom 05.03.2013

Das Kind, das wegen der Überwindung seiner HIV-Infektion in den Schlagzeilen ist, wurde vor zwei Jahren geboren. Erst bei der Geburt stellte sich heraus, dass die Mutter HIV-positiv ist. Das Baby wurde bereits nach wenigen Stunden mit anti-retroviralen Medikamenten behandelt. Statt der für Kinder typischen Ein- oder Zweimedikamenten-Therapie wählten die behandelnden Ärzte des medizinischen Zentrums der Universität von Mississippi eine aggressivere Methode mit drei Wirkstoffen.

Mit eindrücklichen Folgen: Die Anzahl der Viren im Blut des Babys ging sofort massiv zurück. Nach einem Monat konnten keine Viren mehr nachgewiesen werden. Als das Kind eineinhalb Jahre alt war, brachte die Mutter es nicht mehr in die Klinik und führte die Therapie nicht weiter. Erst fünf Monate später tauchten Mutter und Kind wieder auf. Die Ärzte erwarteten einen Anstieg der Viren-Werte. Doch auch nach mehreren Tests liessen sich keine Viren mehr im Blut des Kindes finden.

Ähnliche Fälle bei Erwachsenen bekannt

Bisher gab es bereits vereinzelt Berichte über Babys, die teilweise sogar ohne Behandlung HI-Virus frei wurden. Doch der aktuelle Fall ist weit besser dokumentiert. Er stützt Erfahrungen, die Forscher wie der Infektiologe Pietro Vernazza vom Kantonsspital St. Gallen gemacht haben.

Für Vernazza, Präsident der nationalen Kommission für sexuelle Gesundheit, ist das aktuelle Beispiel denn auch keine Sensation. Über ähnliche Fälle sei bei erwachsenen Patienten ebenfalls schon berichtet worden. Eine ganz frühe und jahrelange Therapie mit anti-retroviralen Medikamenten könne das Virus aus dem Körper verdrängen.

Studie mit ausgewählten Patienten geplant

Bei diesen Menschen, so der Experte, habe sich das Virus zwar vor der Therapie vermutlich schon in Zellen, die sich in einem ruhenden Zustand befinden, einnisten können. Doch je früher die HIV-Therapie einsetze, desto weniger solcher schlafender Zellen häufe der Körper an. Zudem sei die Chance deutlich grösser, dass auch diese wenigen infizierten Zellen verschwinden, sagt Vernazza.

Diesem Phänomen will Vernazza mit einer Studie nachgehen, die schon länger in Vorbereitung ist. Bei ausgewählten Patienten der weltweit einzigartigen Schweizer HIV-Kohortenstudie, sollen die Medikamente versuchsweise abgesetzt werden. In der Hoffnung, dass sich diese Patienten, die eine frühe und jahrelange Medikamententherapie erhalten haben, als geheilt erweisen.