«Ich will Wissenschaftler zu Helden machen»

Der russische Milliardär Juri Milner hat selber lange als Physiker gearbeitet und seine Liebe zur Wissenschaft in der höchstdotierten wissenschaftlichen Auszeichnung zum Ausdruck gebracht. Warum ihm dieser Preis so wichtig ist, erklärt er im Interview.

Juri Milner

Bildlegende: Physik-Fan Juri Milner: Der russische Unternehmer machte als Internetinvestor ein Vermögen. Nun würdigt er damit die Wissenschaft. EBU

Herr Milner, warum spenden Sie diesen Preis?

Juri Milner: Ich will Wissenschaftler zu Helden machen. Für meine Begriffe bekommen Wissenschaftler und die Wissenschaft in unserer Welt nicht genügend Anerkennung. Da werden unglaubliche Entdeckungen gemacht, die in der Gesellschaft nicht gewürdigt werden. Grundlagenforschung beispielsweise hat einfach keine direkten Auswirkungen auf unseren Alltag. Meine Message ist ziemlich klar: Wir sollten alle würdigen, was die Wissenschaftler tun.

Warum geht der erste Preis an Physiker und nicht an beispielsweise Biologen?

Es gibt mittlerweile einen zweiten Preis, der sogar für Biologen ist: der Life Science Prize. Aber mir schien es einfach natürlich, erst einmal einen Preis für Physik auszurufen. Ich habe selber in den 1980er-Jahren zehn Jahre lang in der theoretischen Physik gearbeitet.

Sie sagen, die Wissenschaft braucht Helden. Warum braucht sie das – wo die meisten Physiker noch nicht einmal Helden sein wollen?

Vielleicht wollen sie keine Helden sein. Aber einige von ihnen sollten es, weil sonst der Graben zwischen Grundlagenforschung und Gesellschaft immer weiter wächst. Ich denke, dass wir diese Helden brauchen, damit die Menschen verstehen, was die Forscher tun und das schätzen können. Ich stelle dafür die Plattform zur Verfügung.

Einige Physiker finden den Preis merkwürdig, weil Sie auch Geld für Ideen verleihen, die rein theoretisch sind und durch keinerlei Experimente bewiesen wurden – die String-Theorie wird immer wieder genannt …

In diesem Jahr geht einer der Spezialpreise ja an CERN-Teams, die durch und durch experimentelle Entdeckungen gemacht haben – ausgewählt wurden sie unter anderem von String-Theoretikern, die in der Jury für den Preis sitzen. Diese Jury wird über die Jahre noch wachsen, weil sie neue Preisgewinner mit einschliesst. Dadurch wird der Auswahlprozess immer sehr objektiv bleiben.

Warum haben Sie sich für einen Preis entschieden und unterstützen nicht ein Institut, was manche als nachhaltiger betrachten?

Weil das schon so viele Menschen vor mir getan haben und ich nicht glaube, dass wir noch ein weiteres Institut brauchen. Was die Welt braucht, ist die Würdigung der besten Köpfe, die wir haben.

Besteht nicht die Gefahr, dass dieses Geld die öffentlichen Finanzierungen torpediert?

Öffentliche Forschungsgelder gehen an Forschungsprojekte, aber mein Preis geht an Individuen. Das Geld ist für sie und sie entscheiden, was sie damit machen.

Der Fundamental Physics Prize

Juri Milner rief den Preis 2012 ins Leben. Mit insgesamt 27 Millionen US-Dollar ehrte er 9 Physiker, die von nun an die Jury für den Preis bilden und von den nächsten Preisträgern ergänzt werden. Alexander Polyakov erhielt den diesjährigen Preis, dazu gab es zwei Spezialpreise, einer ging ans Cern.