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Mensch Masseneinwanderungs-Initiative: «Gift» für Schweizer Forschung

Das Abstimmungsresultat vom 9. Februar hat noch immer negative Folgen für Hochschulen und Forschung in der Schweiz. Zwar ist die Teilnahme am Forschungsprogramm Horizon 2020 der EU wieder möglich – aber nur temporär und teilweise. Schweizer Forscher spüren Konsequenzen und der Nachwuchs sorgt sich.

Am 10. März zeigten Studenten der ETH Lausanne ihre Sorgen wegen des Ausschlusses aus Horizon 2020 und Erasmus+.
Legende: Unmut über Folgen der Abstimmung: Am 10. März zeigten Studenten der ETH Lausanne ihre Sorgen wegen des Ausschlusses aus Horizon 2020 und Erasmus+. Keystone

Ursache der negativen Konsequenzen ist die grosse Unsicherheit, die mit der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative entstanden ist – das sagt Wissenschaftlerin Erika Gyoervary, die als Koordinatorin beim Schweizer Zentrum für Elektronik und Mikrotechnologie in Neuenburg arbeitet. Niemand wisse genau, wohin diese Initiative letztlich führe und wie sie umgesetzt werde.

Diese Unsicherheit wirke in der Forschungswelt «wie Gift», sagt Gyoervary. Schweizer Forschern werde der Zugang zu internationalen Forschungsteams verwehrt; sie würden nicht mehr als verlässliche Partner wahrgenommen. Und dies sei sehr ärgerlich, so die Forscherin Gyoervary, denn es sei nicht die Leistung, die da bewertet werde, sondern eben nur die Herkunft. Bis zur Annahme der Masseneinwanderungsinitiative waren Schweizer Forscher in internationalen Teams sehr begehrt.

Leitungsaufgaben verwehrt

Auch laut Pierangelo Gröning, Nanowissenschaftler und Abteilungsleiter an der Eidgenössischen Materialprüfungs-und Forschungsanstalt (Empa), bleibt Schweizern der Zugang zu internationalen Teams häufiger verwehrt. Finde er statt, dann immer seltener in leitender Position.

Bundesrat Schneider-Ammann (r.) und Gregor Haefliger bei einer Pressekonferenz zur Teilnahme der Schweiz «Horizon 2020».
Legende: Was nun? Bundesrat Schneider-Ammann (r.) und Gregor Haefliger bei einer Pressekonferenz zur Teilnahme der Schweiz «Horizon 2020». Keystone

Es komme auch vor, so Gröning, dass Schweizer einen Extra-Effort leisten müssten, quasi einen Plan B bereitstellen müssten, damit – je nach weiterer Auslegung der Masseneinwanderungsinitiative – die Forschungsarbeit nicht gefährdet ist. Je länger, desto häufiger seien Schweizer Forscher noch das fünfte Rad am Wagen.

«Dies schmerzt sehr», sagt Gröning. Dabei gehe es nicht um verletzte Eitelkeit, sondern darum, dass exzellente Forschungsplatz Einbussen erleide. Denn die Teilnahme an grossen internationalen Projekten der EU sei unerlässlich. Bei diesen millionenteuren Projekten könne auf einem Niveau geforscht werden, dass kleinere und weniger teure Schweizer Projekte nicht bieten könnten.

Junge Forscher in Sorge

Die aktuelle Situation macht auch jungen Schweizer Forschern zu schaffen. Sie haben Angst, dass sie künftig ins Ausland gehen müssen, um dort auf Topniveau arbeiten zu können. Einer von ihnen ist der 26-jährige David Müller; er forscht als Nanowissenschaftler in einem internationalen Team für das Schweizer Zentrum für Elektronik und Mikrotechnologie.

Für exzellente Leistung brauche es internationale Teams, so Müller – Teams, in denen die Besten der Besten zusammenarbeiten. Diese Erkenntnis sei im Schweizer Bewusstsein leider zu wenig vorhanden. Und das könne dazu führen, dass die besten Schweizer Forscher dem Land den Rücken kehren.

Mehr zum Thema: Welche Folgen das Ja zur Masseneinwanderungs-Initiative für innovative Unternehmen haben kann, erfahren Sie in diesem Artikel.

8 Kommentare

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  • Kommentar von Werner Krauss, Bubikon
    Es ist eine Unverschämtheit der EU, dass arme Schweizer Forscher nicht von den reichen Griechen, Portugiesen und Spaniern subventioniert werden.
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  • Kommentar von Martha Bosshard, Grabs
    Herr Buchmann, Sie verdrehen die Situation wieder mal nach Noten. Jeder ausländische Forscher bekommt eine Stelle in der Schweiz, wenn er qualifiziert ist. Und Geld ist sowieso kein Problem. Wie Sie wissen, kann der Bund für alles Mögliche bezahlen, wieso nicht etwas mehr für die Forschung.
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    1. Antwort von Felix Buchmann, Bättwil
      Soso, Frau Bosshard, ich "verdrehe wieder mal" :-) Falls das wirklich zutreffen würde, wären ja auch ein Abteilungsleiter der Empa oder eine Koordinatorin beim Schweizer Zentrum für Elektronik und Mikrotechnologie üble "Verdreher" und ich somit in bester Gesellschaft :-) Übrigens geht es nicht nur um den Zugang ausländischer Forscher zur Schweiz, sondern um Schweizer Spitzenkräfte, die keinen Zugang mehr zu EU-Forschungsprogrammen finden. Auch Milliarden aus Bern können das nicht aufwiegen!
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  • Kommentar von andreas furrer, prilly
    man muss kein fan des abstimmungsresultats sein um dem rolex learning center (wo die foti offenbar gemacht wurde) eine kleine böe zu gönnen. unsicherheit und forschung widersprechen sich ja eigentlich nicht, und es muss auch nicht alles immer so daherkommen wie in einer champions-league-lounge; oder um im jargon zu bleiben: etwas weniger messi dafür wieder mehr fussball ("die besten der besten" können sich ja trotzdem erküren).
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