Neues Institut an der ETH: Theorie statt Praxis

Die ETH Zürich hat ein neues Institut geschenkt bekommen: das Institut für Theoretische Studien. Zwei ehemalige Studenten der ETH spendeten dafür 50 Millionen Franken. Am neuen Institut sollen Forscherinnen und Forscher von Weltrang an ihren Theorien feilen – auf Einladung für jeweils ein Jahr.

Eine Wandtafel mit einer mathematischen Formel: Am neuen Institut der ETH Zürich dreht sich alles um Mathematik und ihre Anwendungen.

Bildlegende: Wichtige Formeln: Am neuen Institut der ETH Zürich dreht sich alles um Mathematik und ihre Anwendungen. Keystone

Die Grundlagenforschung hat keinen leichten Stand. Es ist schwer, ihren Nutzen in Zahlen und Produkten zu messen; sie lässt sich schwer verkaufen. Deshalb hatte es Ralph Eichler, der Präsident der ETH Zürich, nicht leicht, sein neues Institut zu finanzieren. Schon länger schwebte ihm ein Ort vor ähnlich wie das «Institute for Advanced Study» in Princeton, USA. Seit über 80 Jahren treffen sich dort die klügsten Köpfe der theoretischen Wissenschaften, um ihren Ideen frei nachzugehen. Die Forscher sind jeweils nur für eine gewisse Zeit am Institut tätig, und kehren dann mit frischen Ideen wieder in ihre Heim-Institutionen zurück.

Denkurlaub für Forscher

Nun hatte Ralph Eichler bei der Geldsuche Glück, und auch Zürich bekommt ein solches Institut. Finanziert wird es vorerst mit 50 Millionen Franken, gespendet zu gleichen Teilen von Max Rössler und der Walter Haefner Stiftung. Auch am neuen Institut für Theoretische Studien der ETH Zürich sollen renommierte Wissenschaftler die Möglichkeit bekommen, während eines Jahres völlig frei zu forschen – ähnlich wie in Princeton.

Der ETH-Präsident Ralph Eichler im Porträt.

Bildlegende: Ein erfüllter Traum: Die Idee für das neue Institut stammt von ETH-Präsident Ralph Eichler. Keystone

Die ETH erhoffe sich von den jeweils vier bis sechs Gästen eine Bereicherung der Forschungslandschaft, sagt Ralph Eichler, und natürlich auch einen Imagegewinn. Solche Theorie-Institute gibt es schon an vielen anderen Hochschulen; nun zieht die ETH mit. Die ersten Gäste auf «Denkurlaub» sollen schon Anfang 2014 eintreffen. Namen sind allerdings noch keine bekannt. Klar ist schon jetzt, dass der ETH-Mathematikprofessor Giovanni Felder der erste Direktor sein wird.

Mathematik als gemeinsamer Nenner

Mit dem neuen Institut wolle die ETH das wissenschaftliche Fundament fördern, heisst es in der Pressemitteilung. Das ist auch im Sinn der Spender Max Rössler und Martin Haefner, dem Sohn des AMAG-Gründers Walter Haefner. Beide haben an der ETH studiert, und beide sind Mathematiker. Und in allen Theorie-Bereichen, die am neuen Institut gefördert werden, spielt Mathematik eine zentrale Rolle: in der Informatik, der Physik, der Biologie und den anderen Naturwissenschaften.

Für die ETH sind die beiden Spender ein Glücksfall: Die meisten Gönner wollen anwendungsbezogene Forschung fördern, die einem klaren Nutzen dient. Rössler und Haefner aber geben ihr Geld ganz explizit für die Grundlagenforschung. Damit sind sie in der Schweiz Pioniere, auch weil es hierzulande noch nicht so üblich ist, für seine Alma Mater zu spenden – anders als zum Beispiel in den USA. Die ETH gibt sich allerdings sehr Mühe, über ihre eigene Stiftung mehr Geld von den ehemaligen Studenten einzusammeln.