Tödliches Coronavirus gibt Rätsel auf

Das neue Coronavirus verbreitet sich weiter. Fast täglich meldet die Weltgesundheitsorganisation WHO neue Infektionen und Opfer. Erinnerungen an die SARS-Pandemie 2003 werden wach. Das neue Coronavirus und SARS haben einige Parallelen – aber auch Unterschiede.

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Gefährliches Coronavirus

5:34 min, aus Einstein vom 30.5.2013

49 Infizierte, 27 Tote – so lautet die weltweite Bilanz des neuen Coronavirus‘. Die letzten Opfer stammen, wie die meisten anderen, aus Saudiarabien. Die Virusquelle ist bislang nicht bekannt.

Die Todesrate liegt bei 50 Prozent. «Wir sehen zurzeit vor allem die schweren Fälle. Wir wissen nicht, wie viele Erkrankungen es gibt und wie viele davon mild verlaufen. Insofern ist die Todesrate möglicherweise überschätzt», wendet Virologe Volker Thiel vom Kantonsspital St. Gallen ein. Die WHO fordert die betroffenen Länder auf, die Verbreitung des Virus‘ in der Bevölkerung zu erheben. Erst dann könne seine Gefährlichkeit abgeschätzt werden.

SARS war vermutlich infektiöser

Erinnerungen an die SARS-Pandemie vor zehn Jahren werden wach. Damals versetzte ein verwandtes Coronavirus ganze Grossstädte in Asien in Panik. 800 Tote forderte das Virus. Es scheint, dass die Mensch-zu-Mensch-Übertragung bei SARS einfacher war, als beim neuen Coronavirus. Genau weiss dies heute aber niemand.

«Die Phase in der wir uns jetzt mit dem neuen Coronavirus befinden, könnte man mit der frühen Phase der SARS-Pandemie vergleichen», erläutert Thiel.  Mit dem Unterschied, dass damals das SARS-Virus lange unerkannt blieb und sich so in der Bevölkerung verbreiten konnte. Heute ist die Welt besser vorbereitet als 2003. Überwachungssysteme wurden verbessert, die Kommunikation zwischen Forschern und Gesundheitsbehörden ist etabliert und die  diagnostischen Verfahren wurden vorangetrieben. «Ein Virus kann heute in Tagen sequenziert werden. Das dauerte früher Wochen oder Monate», sagt Volker Thiel.

Bei SARS konnten erst drakonische seuchenhygienische Massnahmen wie Reisebeschränkungen und die Schliessung von Schulen die Verbreitung stoppen. Laut dem Virologen war aber noch ein anderer Punkt für die Eindämmung der Seuche entscheidend: «Bei SARS traten die Krankheitssymptome auf, bevor die Patienten infektiös waren. Man konnte sie isolieren, ohne dass sich das Virus weiter verbreitete.» Ob das bei dem neuen Coronavirus auch der Fall ist, sei noch unklar. «Es wäre eine grosse Hilfe, wenn es auch so wäre», sagt Thiel.

Zwei Männer mit Atemschutzmaske vor einem Krankenhaus in Damman, Saudiarabien.

Bildlegende: Die meisten Opfer stammen aus Saudiarabien: Mit Atemschutzmasken schützen sich zwei Männer vor dem gefährlichen Erreger. Reuters

Angst vor Masseninfektion bei Pilgerfahrt

Grosse Sorgen bereitet den Seuchenexperten die im kommenden Oktober stattfindende Pilgerfahrt nach Mekka. Millionen Menschen werden sich dort auf engstem Raum treffen. Die Gefahr einer Masseninfektion ist gross. «Für diese Risikoabschätzung müssen wir wissen, woher das Virus kommt und wie leicht es sich von Mensch zu Mensch übertragen lässt», meint Thiel. Solange dies nicht bekannt ist, bleiben einfache hygienische Massnahmen wie Händewaschen, um eine Masseninfektion abzudämpfen.

Das Virus

Sowohl das neue Coronavirus als auch das SARS-Virus sind mit Coronaviren verwandt, die bei Fledermäusen gefunden wurden. Als Infektionsquelle kommen sie jedoch sehr wahrscheinlich nicht in Frage. Vermutet werden Tiere, die dem Menschen näher stehen – wie Pferde oder Kamele.

Virologe Volker Thiel forscht an antiviralen Medikamenten, welche auch gegen das Coronavirus wirken könnten.

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