Verzwickt, verrückt, verblüffend

Optische Täuschungen entfalten ihre Magie vor allem durch die Arbeit unseres Gehirns. Es versucht, unsere reduzierten Möglichkeiten des Sehens zu kompensieren – und liegt manchmal daneben.

Optische Täuschungen

Warum eigentlich gehen wir simplen Tricks mit Linien und Farben auf den Leim? Schon im 17. Jahrhundert schrieb der irische Schriftsteller Jonathan Swift folgenden Satz: «Vision ist die Kunst, Unsichtbares zu sehen.» Das Phänomen der optischen Täuschung funktioniert wörtlich nach diesem Prinzip

Optische Täuschungen gaukeln unserem Gehirn etwas vor, das gar nicht da ist. Linie, Grösse, Lage, Form, Helligkeit – fast jeder optischer Reiz ist dazu geeignet, unseren Verstand zu täuschen. Das Resultat dieser Täuschung ist verblüffend, wie die Bildergalerie oben zeigt.

Gewagter Blick in die Zukunft

Eine Erklärung von optischen Täuschungen geht auf den amerikanischen Forscher Mark Changizi zurück: Laut ihm versucht das Gehirn, für einen Sekundenbruchteil in die Zukunft zu schauen, um so Eindrücke zu komplettieren.

Das Problem sei eine Zeitlücke: Zwischen dem Lichtreiz auf der Netzhaut und der Interpretation im Gehirn (siehe Textbox) liegt etwa eine Zehntelsekunde - und genau diese Zeitlücke versucht das Gehirn zu überbrücken, indem es das Bild der Zukunft entwirft. «Illusionen entstehen also, wenn unser Gehirn versucht, die Zukunft zu erkennen, das Ergebnis aber nicht mit der Realität übereinstimmt», erklärt Changizi.

Motive – doppelt gemoppelt

Kennen Sie Bilder, in denen noch mehr Bilder versteckt sind? Sie werden Vexierbilder genannt, und auch sie spielen mit der Vision, die unser Gehirn beim erstmaligen Sehen entwirft. Der lateinische Name der Vexierbilder ist Programm: «Vexare» bedeutet «plagen» – ein passender Begriff, wie ein Blick in die Bildergalerie unten bestätigt.

«Sehfehler» des Gehirns haben auch den niederländischen Künstler und Grafiker M.C. Escher zu verwirrenden Konstrukten inspiriert. Eins seiner bekanntesten Werke, die «unmögliche Treppe» – auch Penrose-Treppe genannt – findet sich als Motiv auch in diesem amüsanten Animationsfilm von Goo-Shun Wang wieder:

Wie wir sehen

Lichtreize treffen auf die Netzhaut des Auges und werden dort in elektrische Signale umgewandelt. Wir sehen nur in einem kleinen Bereich scharf – vieles nehmen wir diffus wahr. So genannte Ganglienzellen leiten diese «Botschaften» über den Sehnerv ins Gehirn weiter. Erst dort, im «Rechenzentrum», wird das Gesehene interpretiert.

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