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Foodprint Selbstversuch
Aus Wissen allgemein vom 22.02.2022.
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SRF-Community Debatte: Wie kann ich mich nachhaltig ernähren?

Wie das geht, den CO₂-Abdruck mit Lebensmitteln reduzieren? Unser Schwerpunktthema bewegt die SRF Community. Tipps und Antworten auf häufige Fragen.

Unsere Lebensmittel verursachen mehr Treibhausgase als der Verkehr. Um die Klimaziele zu erreichen, da sind sich Klimaforschende einig, müssen wir also unsere Ernährung umstellen: hin zu mehr Hülsenfrüchten und weniger Fleisch oder Milchprodukten.

Wie wir uns nachhaltig ernähren können, das hat auch die SRF-Community angeregt diskutiert.

Tipps aus der Community für nachhaltiges Essen

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  • So lokal wie möglich: Direkt beim Bauern einkaufen.
  • Selbst ernten oder einmachen, z. B. Bärlauch pflücken für Pesto. Im Herbst die Äpfel trocknen.
  • Planung ist alles: Einen Essensplan erstellen.
  • Reste verwerten: Lebensmittelabfall verhindern, denn was nicht aufgegessen wird, verbraucht unnötig Treibhausgase.
  • Es geht um mehr als CO₂: Auf Label achten, z. B. mit dem Ratgeber vom WWF.

«Du bist, was Du isst!», zitiert SRF-Userin Angela Doppelhofer den Philosophen Ludwig Feuerbach. Sie versucht, wie einige Userinnen und User, Lebensmittel möglichst saisonal einzukaufen und auf eine nachhaltige Ernährung zu achten. «Für mich hat sich das in den letzten Jahren bewährt.»

Klimasünde Avocado?

Was Fragen aufgeworfen hat, ist die Auswahl der Lebensmittel für den Selbstversuch von SRF Wissen «Essen fürs Klima», für den sich unsere Autorin sieben Tage lang klimafreundlich ernährt hat.

Ich verstehe nicht, wieso man Avocado und Kumquats, die mit dem Flugzeug kommen, essen soll. Wir haben doch bei uns saisonales und regionales Gemüse.
Autor: Yvonne Arnold SRF-Userin

Es stimmt: Lokales, saisonales Gemüse hat die beste Klimabilanz. Für unsere 7-Tage-Challenge haben wir das Menü danach ausgewählt, was die Durchschnittschweizerin etwa isst und da kommt eben auch einmal Avocado oder Fisch auf den Teller. Damit konnten wir sehen, was diese Produkte bei der Klimabilanz ausmachen.

Was überrascht: Die Bio-Avocado aus Italien ist kein so grosser Klimakiller wie befürchtet. Eaternity-Geschäftsführer Manuel Klarmann sagt: «Die Avocado braucht nicht viel Wasser in Italien und liefert viele Proteine. Ich weiss nicht, woher der Mythos kommt!»

Pflanzliche Proteine aus Hülsenfrüchten oder eben auch mal Avocados sind ein guter Ersatz für Fleischprodukte, die einen weitaus höheren CO₂-Fussabdruck haben.

Anbau als grosser Klimatreiber

Was auch häufig überschätzt wird, ist der Einfluss des Transports. «Dieser wird in den Köpfen häufig zu hoch eingeschätzt,» sagt Klarmann. Lachgas, das beim Düngen entsteht, ist 300 Mal klimatreibender als CO₂.

Somit fällt der Grossteil der Treibhausgase bereits im Anbau von Lebensmitteln an und nicht erst beim Transport. Die Avocado aus Italien kommt per LKW in die Schweiz – in puncto Treibhausgase schenken vor allem Lufttransporte ein.

Daran erkennt man Flugware

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Für importierte Lebensmittel ist das Schiff der klimafreundlichste Weg, noch vor dem LKW. An letzter Stelle steht das Flugzeug: Es ist doppelt so klimaschädlich wie der LKW. Woran man im Laden erkennt, was per Flugzeug in die Schweiz kommt, erklärt Manuel Klarmann:

  • Kurze Haltbarkeit: «Was sehr schnell kaputtgehen würde, wird eingeflogen. Mango zum Beispiel hält eine Woche. Ein Schiff ist aber zwei, drei Wochen unterwegs.»
  • Sonnengereiftes: «Wenn etwas «sonnengereift» ist und von weit herkommt. Z. B. Avocado oder Beeren aus Peru. Aus Spanien kommen sie mit dem LKW.»
  • Das Preis-Indiz: «Der Preis zeigts: Es ist wesentlich teurer, Lebensmittel mit dem Flugzeug zu transportieren, das sieht man zum Beispiel an den Spargel-Preisen, bevor bei uns die Saison beginnt.»

Auch Kumquats sind besser als ihr Ruf. Zwar wären saisonale einheimische Früchte die beste Wahl fürs Klima. Weil Kumquats aber viel leichter sind als beispielsweise Orangen und trotzdem viele Vitamine enthalten, schneiden die kleinen Zitrusfrüchte in der Klimabilanz besser ab:

Kumquats verursachen etwa halb so viele Treibhausgase wie Orangen und kommen aus Spanien ebenfalls per LKW und nicht mit dem Flugzeug.

Klimaschutz als grössere Aufgabe

Einige Userinnen und User geben an, zwar Fleisch zu reduzieren und auf die Herkunft der Lebensmittel zu achten, wollen sich aber nicht komplett umstellen.

Auch weil sie vor allem Politik und Wirtschaft in der Pflicht sehen, mehr für den Klimaschutz zu tun:

Als Einzelkonsument ist das zu anstrengend. Es braucht Veränderungen von den Lebensmittelgeschäften oder der WHO. Vielleicht Infos im Supermarkt.
Autor: Désirée Meyer SRF-Userin

SRF-User Roland Barth macht aufmerksam auf das Angebot der Supermärkte, die bereits im Februar Erdbeeren anbieten, führt aber auch aus: «Aber es gibt viele Konsumenten, die wollen das! Dann wird das auch angeboten.»

So bleibt es schlussendlich eine Aufgabe von allen – ob politische Vorgaben oder persönlicher Entscheid, was auf den Teller kommt.

Essen fürs Klima: Was ist gut, was eher nicht?

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Nachhaltig sind:

  • Hülsenfrüchte wie Linsen oder Bohnen
  • Fleischalternativen: verursachen deutlich weniger CO₂e als Fleisch
  • Saisonales Obst oder Gemüse

Was die Klimabilanz verschlechtert:

  • Verarbeitete Milchprodukte
  • Spirituosen und Wein
  • Fisch und Fleisch: Die WHO empfiehlt pro Woche 1 x rotes Fleisch, 1 x weisses Fleisch und 1 x Fisch

SRF1 Onlinetalk, 22.02.2022, 15:15 Uhr

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30 Kommentare

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  • Kommentar von jean-claude albert heusser  (jeani)
    Nachhaltig wäre auf "saisonale Lebensmittel zu setzen" wie es früher der Fall war!
    Der Konsument hätte es in der Hand, wenn er das "konsequent" handhaben würde!
    Aber der verwöhnte "Wohlstands Bürger" zeigt da wenig bis kein Wille!
    Also sollten die Preise so erhöht werden, dass sie abschreckend wirken!
  • Kommentar von Urs Heim  (Ursus)
    Nachhaltig ernährt sich wer lokale und saisonale Ware kauft. Der vegane und vegetarische Trend ist, wenn mir recht ist vielfach auf Importierte Lebensmittel abgestellt. Im Prinzip kann man sagen wer wie vor hundert Jahren isst, ist sehr nahe an der geforderten Nachhaltigkeit.
    1. Antwort von Lilian Albis  (L.A.)
      Bei vegan bin ich mir auch nicht so sicher. Aber vegetarisch kann man sich sehr gut auch ohne ständiges Quiona, Avocado, Gojibeeren usw ernähren.
    2. Antwort von Thrum Amstalden  (Thrumugnyr)
      Erstens geht auch vegan ziemlich einfach saisonal und lokal, zweitens ist es einfach Fakt, dass die Umweltbelastung des Transports im Vergleich zur Herstellung MINIMAL ist. Es steht oben im Artikel, die Wissenschaft ist da ziemlich klar und mich nervt es ehrlich gesagt, dass diese Falschinformationen weiterhin rumgeistern. Pflanzliche Produkte, importiert oder nicht, sind eigentlich immer viel umweltfreundlicher, als tierische Produkte. Im Schweizer Fleisch ist übrigens SEHR viel Import drinn.
    3. Antwort von Nicola Winter  (niwi)
      Wie kommen Sie darauf, dass Veganer und Vegetarier sich vor allem von importiertem ernähren? Personen, die ihre Ernährung bewusst umstellt machen sich Gedanken, was sie essen und woher es kommt.
      Gerne können Sie versuchen, sich zu ernähren, wie die Menschen vor 100 Jahren gegessen haben. 1922 konnten sich die wenigsten Fleisch oder andere tierische Produkte leisten. Sie würden also mehr oder weniger vegan essen.
  • Kommentar von Reto Weber  (SPQR)
    Kannibalismus wäre die nachhaltigste Form der Ernährung. Da mein erster Post offensichtlich an der Netiquette Hürde gescheiter ist, verzichte ich diesmal auf einen Menuvorschlag.
    1. Antwort von Lilian Albis  (L.A.)
      :-D!!!