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Weniger Foodwaste Schutzhülle aus Bioabfällen hält Bananen und Gurken länger frisch

Die eidgenössische Forschungsanstalt Empa hat eine hauchdünne Schutzschicht für Obst und Gemüse entwickelt. Sie besteht aus den Abfällen, die bei der Entsaftung entstehen. Doch das ist nicht das Einzige, was an der neuen Beschichtung nachhaltig ist.

Plastikverpackungen im Obst- und Gemüseregal sorgen immer wieder für erhitzte Diskussionen: Muss jede Gurke einzeln verpackt sein? Müssen die Himbeeren im Plastikschälchen angeboten werden?

Für manche der Vitamin-Bomben ist die Verpackung wichtig, weil sie die Ware länger frisch hält: Gurken werden weniger schnell schlapp, Brokkoli wird nicht gleich gelb, die Himbeeren halten länger. So wird Foodwaste reduziert. Das Ärgernis mit dem Plastik bleibt. 

Die Empa hat nun eine neue Schutzhülle auf Basis von Zellulose entwickelt, die Obst und Gemüse länger frisch hält und gleichzeitig helfen kann, den Verpackungsmüll zu verringern. Getestet wurde der Schutzfilm an Bananen. Sie waren laut Forschungsanstalt eine Woche länger haltbar als ohne die Hülle.

Zwei Bananen in unterschiedlichen Bräunungsgraden.
Legende: Beide Bananen sind zehn Tage alt. Die untere ist von einer Zellulose-Schutzschicht umhüllt. Empa, Lidl Schweiz

Man könnte die Schutzhülle sogar essen  

Hergestellt wird die Hülle aus Trester, den festen Rückständen, die nach dem Auspressen von Obst- und Gemüsesäften übrig bleiben. Die Rückstände werden zu einer Zelluloselösung verarbeitet, die als hauchdünner Film auf Banane, Gurke & Co. aufgebracht wird. Dieses «Coating» landet bei den Kunden nicht im Müll, sondern kann einfach abgewaschen oder sogar mitgegessen werden.    

Zellulose

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Das Polysaccharid ist der Hauptbestandteil von Pflanzen und somit auch von unseren Früchten und Gemüsesorten. Zellulose bildet das Gerüst der Pflanzen und gibt ihnen ihre Stabilität. In unserer Nahrung fördert sie als unverdauliche Ballaststoffe unsere Verdauung.

Tanja Zimmermann, die Initiatorin des Projekts bei der Empa: «Wir wollten im Sinne der Kreislaufwirtschaft denken: Wir benutzen Obst- und Gemüseabfälle, um weniger Obst- und Gemüseabfälle zu produzieren.» Entwickelt haben die Forscherinnen und Forscher das neue Material im Auftrag des Detailhändlers Lidl.

«Alle Retailer haben riesigen Druck, ihre Plastikverpackungen zu reduzieren», sagt Catharina Bening, die an der ETH Zürich zu Kreislaufwirtschaft und Kunststoffen forscht, «dabei ist es für die Ökobilanz vor allem bei frischen Lebensmitteln viel wichtiger, Foodwaste zu reduzieren.»

Jetzt muss sich die Beschichtung beweisen

In den nächsten zwei Jahren will die Empa die neue Zellulose-Schutzhülle an besonders schnell verderblichen Gemüsesorten testen, primär an Salat, Pilzen und Gurken.

Karotten-Schalen nach dem Entsaften.
Legende: Für die Beschichtung nutzten die Forscher den Trester von Karotten. Er wurde gewaschen, gebleicht und schliesslich zu einer feinen Zellulose-Lösung gemahlen. Empa

Dafür soll der Zellulosefilm noch weiter verbessert und auch der Herstellungsprozess so optimiert werden, dass das neue Material heutige Verpackungssysteme ersetzen kann. Wenn sich die Trester-Hülle bewährt, könnte sie schon in zwei Jahren in den ersten Gemüseregalen zu finden sein. 

Die Vorteile, welche die neue Schutzhülle für die Umwelt bringe, müsse man dennoch differenziert betrachten, sagt Catharina Bening: «Die Gurke braucht den Plastikschlauch ja vor allem wegen der langen Transportwege aus Spanien oder gar Marokko.»

Audio
Plastikmüll – übel oder überschätzt? (1/2)
35:46 min
abspielen. Laufzeit 35 Minuten 46 Sekunden.

Eine Gurke aus dem Freilandanbau im Thurgau, die kurze Transportwege hat und direkt zum Konsumenten kommt, hat diese Plastikverpackung gar nicht erst nötig.

Wissenschaftsmagazin, 08.01.2021, 12:40 Uhr

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Sandra Lüthi  (Sandlu)
    Schön, dass Forscher in der Schweiz eine Möglichkeit entwickeln um Plastikverpackungen beim Gemüse nachhaltig zu ersetzen. Die Politik macht diesbezüglich ja nicht vorwärts. Ganz im Gegensatz zu Frankreich: laut SRF-Beitrag ist seit Anfang Jahr die Plastikverpackung bei Früchten und Gemüsen verboten. Und FR hat noch mehr sehr strenge neue Regeln Klima betreffend. Wieso kann das die Schweiz nicht? Da ist unsere sonst tolle Demokratie soooooooo langsam
  • Kommentar von Michael Stalder  (mstalder)
    Entgegen der ideologischen Meinung in einigen Kommentaren ist individuelle Verpackung ökologisch durchaus sinnvoll. Ein solcher Plastikfilm wiegt weniger als 1 Gramm und verbraucht somit 1000 mal weniger Erdöl als eine Fahrt zum Hofladen (ausser mit dem Velo ;-). Eine solche Folie wird auch ab und zu verhindern, dass Lebensmittel vorzeitig in den Grünabfällen landen und das spart unter dem Strich auch viele Ressourcen!
  • Kommentar von Denise Casagrande  (begulide)
    Deshalb verantwortungsbewusstes Konsumieren von sicher "nachhaltig öko-logisch produziertem: Obst und Gemüse, Getreide, Nüsse, Samen, Milch-Milch-Produkte, etc, etc... in entsprechend zuverlässigen Läden, Hofläden (Reformhäuser, Chornlädeli, Rägeboge.....)