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Natur & Umwelt Das Nullpferd

Es war die Stunde Null der Pferdeartigen: Ihr vermutlich ältester Vorfahre ist 56 Millionen Jahre alt. Sifrhippus war so gross wie eine Hauskatze und statt Hufe besass es Zehen.

Zeichnung von Urpferden
Legende: Esel, Pferde, Zebras: Ein Urpferd ist ihr gemeinsamer Vorfahr. Vor 56 Millionen Jahren durchstreifte es den Urwald. (Stilisierte Zeichnung). Imago

Beginnen wir diese Geschichte bei null: Zuerst musste Platz geschaffen werden für die neuen Tiere, denn bisher hatten sie ein Schattendasein geführt. Sie waren eh schon klein und noch dazu lebten sie in der ständigen Gefahr, von den ganz Grossen zertrampelt oder gefressen zu werden: von den Sauriern. Als diese vor rund 65 Millionen Jahren ausstarben, war der Weg frei: Die Zeit der Säugetiere konnte beginnen.

Und so begann ein neues Kapitel in der Erdgeschichte, das Känozoikum, die sogenannte Erdneuzeit. Es wurde wärmer und immer wärmer und schliesslich entstand die vermutlich heisseste Zeit, seit sich das Leben auf der Erde entwickelt hatte. Die Pole waren eisfrei und der Meeresspiegel lag rund 70 Meter höher als heute. Die Erde war bedeckt von warmen und feuchten Urwäldern, in denen sich die vielen neuen Tiere bestens ausbreiten konnten. So auch die Vorfahren der Pferdeartigen.

Urpferd in Katzengrösse

Wie fast alle Säugetiere damals waren sie noch viel kleiner als heute. Das älteste bekannte Urpferd war kleiner als ein Schaukelpferd – es hatte gerade einmal die Grösse einer Hauskatze. Es streifte durch die Wälder und ernährte sich von den reichlich vorhandenen Blättern. Gefressen wurde aber nur, was in Bodennähe wuchs. Höheres war aufgrund der geringen Körpergrösse unerreichbar – und klettern konnten sie vermutlich nicht, die Urpferde beziehungsweise Uresel.

Sifrhippus heisst diese Urform aller Pferdeartigen. Ein anschaulicher Name: Übersetzt bedeutet Sifrhippus das «Null-Pferd». Sifr ist das arabische Wort für Null und Hippos ist griechisch für Pferd. Es sah Eseln und Pferden eigentlich schon sehr ähnlich, nur eben im Mini-Format. Ein grosser Unterschied zeigte sich allerdings an den Füssen: Sifrhippus hatte noch keine Hufe, mit denen es über die Steppe galoppieren konnte. Angepasst an den weichen Waldboden besass es Zehen, wie die anderen Säugetiere seiner Zeit auch.

Die Evolution fängt an zu optimieren

Und dann tat die Evolution das, was sie am besten kann: Sie optimierte. Für Sifrhippus bedeutete das offenbar, dass aus den Zehen Hufe werden mussten. Und die Katzengrösse mit rund fünf Kilogramm wurde aufgewertet zu einem Gaul von mehreren hundert Kilogramm.

Aus unserem Nullpferd haben sich zahlreiche pferdeartige Tiere entwickelt. Die meisten von ihnen sind inzwischen wieder ausgestorben. Das Mesohippus, beispielsweise, das «Halbpferd», welches doch immerhin schon 60 Zentimeter Schulterhöhe aufwies. Oder das Pliohippus, welches schon fast Hufe besass.

Heute sind aus der Linie der Urpferde nur noch drei übrig: Pferde, Zebras – und die Esel.

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