Europas Amphibien in Gefahr

20 Amphibienarten gibt es in der Schweiz, 14 davon stehen auf der Roten Liste. Nun gibt es eine neue Bedrohung: Eingeschleppte Viren löschten in Spanien ganze Populationen aus, in Holland gingen Salamander an einem eingeschleppten Pilz ein. Schuld ist vermutlich der Handel mit exotischen Amphibien.

Feuersalamander

Bildlegende: Gefährdeter Feuersalamander: Der eingeschleppte Pilz Batrachochytrium salamadrivorans verursacht bei diesem Tier Wunden in der Haut. Frank Pasmans

Als die Europäer vor gut 500 Jahren Amerika entdeckten, hatten sie nicht nur Waffen und Eroberungspläne im Gepäck: Sie brachten auch Masern, Grippe und Pocken mit, Krankheiten, die unter den Ureinwohnern des Kontinents mehr Opfer forderten als alle Kriege und Eroberungszüge zusammen. Ähnlich, sagt Benedikt Schmidt von der Universität Zürich, ergeht es zurzeit den Amphibien Europas.

Neu eingeschleppte Krankheiten könnten den heimischen Amphibienarten tatsächlich gefährlich werden. Neue Belege dafür liefern jetzt zwei Studien, die kürzlich in den Fachmagazinen «Current Biology» und «Science» erschienen sind.

Tödliche Viren und Pilze


Amphibien in Gefahr

7:04 min, aus Wissenschaftsmagazin vom 08.11.2014

Studie eins zeigt, dass im Nationalpark «Picos de Europa» in Nordspanien Frösche, Kröten, Molche und Salamander durch zwei neue Virenarten drastisch dezimiert wurden. Studie zwei weist nach, dass eine Pilzkrankheit in den Niederlanden und Belgien in den letzten Jahren dafür gesorgt hat, dass dort die Feuersalamander fast völlig verschwanden. Der Pilz hat inzwischen den Namen Salamanderfresser.

«Immer wenn eine neue Krankheit in eine Population reinkommt, die diese Krankheit noch nicht kennt, dann wirkt sie verheerend», sagt Schmidt. Erst mit der Zeit würden die Tiere Resistenzen gegen die fremden Krankheitserreger entwickeln. Doch die Gefahr ist gross, dass es dazu gar nicht erst kommt, weil die Krankheit die Populationen gleich ganz auslöscht oder so sehr schrumpfen lässt, dass sie nicht mehr überlebensfähig sind.

Beispiele dafür lieferte schon vor Jahren der sogenannte Chytridpilz, der in Lateinamerika und Australien Hunderte von Frosch- und Krötenarten zum Aussterben brachte, und der inzwischen auch in Europa verbreitet ist, wenn auch meist nicht mit ganz so drastischen Folgen.

Hilflose Versuche

Was also tun? Es gibt bisher kein Konzept. Frank Pasmans von der Universität Gent in Belgien, der mit Benedikt Schmidt an der Pilz-Studie gearbeitet hat, fordert deshalb zunächst so etwas wie Notfallpläne. Die Forscher rechnen damit, dass sich Pilz und Viren unaufhaltsam ausbreiten werden. «Das Stichwort ist ‹Zeit kaufen›», sagt Benedikt Schmidt.

Ein Chinestischer Zwergmolch

Bildlegende: Millionen Chinesischer Zwergmolche werden in die USA und Europa importiert. Frank Pasmans

Die einzige Methode, die man bisher einsetzen könne, sei eher ein hilfloser Versuch als ein echtes Konzept: Rechtzeitig vor einer heranrollenden Krankheitswelle könnten Tiere eingesammelt und erst einmal in Gefangenschaft gehalten werden. Das bringe immerhin Zeit, in der man Methoden weiterentwickeln kann, um die Tiere zu schützen. Möglich wären zum Beispiel Impfungen, indem abgetötete Viren ins Wasser gegeben werden. Gegen Pilzkrankheiten könnte ein Bakteriencocktail Schutz bieten, mit dem Helfer jedes Tier von Hand einreiben müssten. Allerdings hat das bisher noch keiner im Freiland ausprobiert, betont Schmidt.

Bessere Regeln für den Handel

Bei beiden Krankheiten sind sich die Forscher so gut wie sicher, dass sie aus Asien stammen. Und bei beiden ist wahrscheinlich der Handel mit exotischen Arten dafür verantwortlich, dass es die Erreger bis nach Europa geschafft haben. Die Wissenschaftler fordern deshalb strengere Regeln für die Einfuhr exotischer Arten. Krankheiten, die einmal hier sind, werde man kaum je wieder los. Doch dafür zu sorgen, dass nicht noch weitere dazu kommen, das müsste möglich sein.