Forschungsschub für die Energiewende

Erneuerbare Energien fördern, Atomstrom herunterfahren und weniger Energie verbrauchen: Das sind die Ziele der schweizerischen Energiestrategie 2050, die dieses Jahr nochmals ins Parlament kommt. Zwei neue Nationale Forschungsprogramme sollen dabei helfen. Doch wie?

Über hundert Studien für insgesamt 45 Millionen Franken sind in den nächsten vier Jahren geplant, aufgeteilt auf zwei Forschungsprogramme: eines zur Energiewende (NFP70) und eines zur Steuerung des Energieverbrauchs (NFP71). Konkret soll das NFP70 innovative neue Technologien fördern; NFP71 soll Lösungen für einen deutlich tieferen Energieverbrauch aufzeigen.

Schweizer Energielandschaft mit Eigenheiten

Solche Ziele verfolgen zwar viele Studien weltweit. Doch es mache Sinn,eigene Forschungsprogramme für die Schweiz aufzugleisen, findet Hans-Rudolf Schalcher von der ETH Zürich.

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Forschen für die Energiewende

6:27 min, aus Einstein vom 15.1.2015

«Zum einen haben wir eine hohe Fachkompetenz im Energiebereich», sagt der Leiter des NFP70, «zum anderen hat die Schweizer Energielandschaft ihre Besonderheiten: Wir haben beispielsweise einen hohen Anteil an Wasserkraft und – mit Blick auf künftige Technologien interessant – wir haben auch unzählige Tunnels und Kavernen, die zurzeit leer stehen. Und die man für die zukünftige Energiespeicherung nutzen könnte.»

Druckluft, Baustoffe, Geothermie…

Mit ihren leerstehenden Felsentunnels eignet sich die Schweiz besonders gut für die Stromspeicherung mit Druckluft: ein neuartiges Verfahren, das dereinst gleich viel Strom speichern könnte wie die heute gängigen Pumpspeicherkraftwerke der Stauseen. So könnten Stromflauten des wetterabhängigen Sonnen- und Windstroms künftig besser ausgeglichen werden.

NFP70-Forscherin Sophia Haussener von der ETH Lausanne erklärt, wie das Verfahren funktioniert: «Überschüssige Elektrizität wird benutzt, um die Luft zu verdichten. Diese Luft wird zwischengespeichert, zum Beispiel in einem ungenutzten Felsenstollen; und wenn diese Elektrizität wieder benötigt wird, wird die Luft über eine Turbine wieder abgelassen und so Strom erzeugt.»

Erkundet werden in den neuen Forschungsprogrammen aber auch Baustoffe, für deren Herstellung weniger CO2 verbraucht wird, und Verfahren, die das Erdbebenrisiko bei der Geothermie senken sollen. Oder: Solarzellen, die so effizient und günstig sind, dass der Anteil des Sonnenstroms in ein paar Jahrzehnten von heute mageren 1 Prozent auf gegen 20 Prozent ansteigen soll.

Was kann Forschung wirklich erreichen?

Klingt gut, doch sind diese Ziele wirklich realistisch? Programmleiter Schalcher gibt sich zuversichtlich. Denn die neue Energieforschung sei praxisnah und habe einen weiten Horizont: «Es war von Anfang an allen Beteiligten klar, dass wir die Energiewende allein mit neuen Technologien nicht schaffen werden», sagt er, «daher soll das NFP71 die Veränderungen im sozioökonomischen und im politischen Bereich erarbeiten, damit auch die Gesellschaft diesen Schritt mitmacht.»

Wie also bringt man die Leute dazu, weniger Energie zu verbrauchen? Mit welchen Anreizen könnte man das Umsteigen auf erneuerbare Energien voranbringen? Diese Fragen erhalten in der neuen Energieforschung ebenfalls viel Raum. Denn, davon sind die Verantwortlichen überzeugt: Die Energiewende muss ganz wesentlich von der ganzen Gesellschaft getragen werden.

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