Kosmischer Kuss – und dann die heftige Trennung?

Zwei gewaltige Sterne, die ineinander übergehen: Ein Doppelsystem im Tarantelnebel ist in einer Phase, die sich selten beobachten lässt. Astrophysiker staunen – und fragen sich, wie VFTS 351 wohl enden wird: als ein einziger gigantischer Stern, der irgendwann explodiert, oder zwei schwarze Löcher?

Künstlerische Darstellung von zwei Sternen, die miteinander verbunden sind.

Bildlegende: Gewaltiges Schauspiel: Rund 160'000 Lichtjahre entfernt, hängen zwei Sterne stark aneinander, wie diese künstlerische Darstellung illustriert. ESO/L. Calcada

Mit Hilfe des «Very Large Telescope» haben Astronomen den heissesten und massereichsten Doppelstern gefunden, der bislang bekannt ist. Laut den Wissenschaftlern stehen die Sterne mit der Bezeichnung VFTS 352 einander so nah, dass sich sich berühren.

Solche Doppelsysteme spielen eine Schlüsselrolle, wenn Galaxien entstehen, und zeigen oft bizarres Verhalten – etwa, wenn ein grosser und ein kleinerer Stern beieinander sind: Der grössere saugt dann als «Vampirstern» Materie des anderen auf.

Doch bei VFTS 352 sind beide Sterne etwa gleich gross; deshalb rechnen die Forscher mit anderen Szenarien: Entweder sie verschmelzen zu einer Riesensonne, die in einer extrem energiereichen Explosionen enden könnte. Oder sie entgehen der Verschmelzung und explodieren einzeln. Daraus könnte ein aussergewöhnlich enges Doppelsystem von Schwarzen Löchern entstehen.

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Das System liegt rund 160‘000 Lichtjahre entfernt im Tarantelnebel, einer der produktivsten Sternenfabriken unserer «Nachbarschaft». Laut der Studie im «Astrophysical Journey» sind beide Sterne sind an der Oberfläche rund 40‘000 Grad Celsius heiss und haben zusammen 57 Mal so viel Masse wie unsere Sonne. Sie teilen sich etwa 30 Prozent ihrer Masse.