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Natur & Umwelt Plastikmüll belastet unsere Flüsse

Millionen kleinster Plastikteilchen rauschen jeden Tag durch Kläranlagen hindurch und lagern sich in Flüssen und Seen ab. Dort können sie nicht nur das Trinkwasser verschmutzen, sondern sind auch potenzielle Gefahren für Tiere.

Mikroplastik auf sandigem Flussgrund.
Legende: Kleiner als 5 Millimeter: Mikroplastik verunreinigt nicht nur unsere Meere, sie bedrohen auch das Ökosystem von Flüssen und Seen. Credit: Timothy Hoellein

Forscher untersuchten Flüsse in den USA, Link öffnet in einem neuen Fenster direkt unterhalb von Kläranlagen. Im Blick hatten sie sogenanntes Mikroplastik, kleine Teilchen von bis zu einem halben Millimeter. Das Resultat: Bis zu 4,5 Millionen solcher Plastikteilchen fanden sie im Schnitt jeden Tag bei jeder Kläranlage. Das Mikroplastik gelangte also durch die Anlagen hindurch direkt in die Flüsse. In der Schweiz dürfte es nicht besser aussehen, denn unsere Kläranlagen seien vergleichbar mit jenen aus der Studie, sagen Fachleute.

Giftstoffe reichern sich an

Mikroplastik findet man in praktisch allen Schweizer Flüssen und Seen. Auch wenn die Folgen bisher nicht so dramatisch sind wie in den Meeren – dort schwimmen viel grössere Plastikpartikel, die von Vögeln und Fischen mit Futter verwechselt werden, sodass sie verhungern oder sich verletzen. Doch auch die winzigen Plastikteilchen in den Flüssen können schädliche Bakterien oder Verunreinugungen tragen und beispielsweise Entzündungen bei Muscheln verursachen.

Legende: Video Müllkippe Meer abspielen. Laufzeit 05:59 Minuten.
Aus Einstein vom 27.09.2012.

Und das Problem wird drängender: Da ständig neue Plastikkörner in die Binnengewässer gelangen, reichern sie sich unaufhörlich an – und mit ihnen auch die Giftstoffe. Plastik kann Weichmacher, Styrolverbindungen und Phtalate enthalten, die krebserregend oder hormonaktiv sind.

Verursacher: Kosmetikartikel und Sportbekleidung

Oft gelangt das Mikroplastik aus Kosmetikartikeln wie Peeling-Cremes oder Peeling-Zahnpastas ins Abwasser. Doch es gibt auch ganz andere Quellen, die nicht so bekannt sind. Beispielsweise gebe Sportbekleidung aus Kunstfasern permanent Plartikfasern an die Umwelt ab, sagt Spezialist Bernhard Wehrli vom Wasserforschungsinstitut EAWAG.

Es ist unwahrscheinlich, dass Sportler zukünftig wieder in Baumwoll-T-Sirts joggen gehen. Bernhard Wehrli sieht denn auch eher die Waschmaschinenhersteller in der Pflicht. Es brauche Maschinen, die das Mikroplastik gar nicht erst ins Abwasser gelangen lassen.

Haus-Isolationen werden zum Problem

Auch die Bauindustrie ist gefragt, da immer mehr Gebäude aus energetischen Gründen immer stärker gedämmt werden, sagt Wehrli: «Die Styropor-Isolationen an Häusern werden zum Problem, wenn die Häuser einst wieder rückgebaut werden. Die Styropor-Teilchen gelangen in die Luft, werden auf die Felder verfrachtet und mit dem Regen in die Flüsse gespült.»

Wie diese Materialien umweltgerecht entsorgt werden können, ist bis heute nicht klar. Doch eine Lösung sollte bald angegangen werden, damit in Zukunft nicht ein neues Problem entsteht.

7 Kommentare

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  • Kommentar von Angela Keller, Sirnach
    Die Überbleibsel unserer Wegwerfgesellschaft kosten jedes Jahr bis zu 100.000 Meeressäuger und eine Million Meeresvögel das Leben. Die Tiere verhungern mit vollen Mägen, da Plastik den Verdauungsapparat verstopft, Wale und Delfine, aber auch Schildkröten, verfangen sich in alten Fischernetzen, ertrinken oder erleiden schwere Verletzungen bei Befreiungsversuchen. Ein besonderes Phänomen sind die sogenannten Müllstrudel. Hydrographische Wirbel sammeln hier gigantische Müllteppiche an.
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  • Kommentar von Angela Keller, Sirnach
    Kaum eine Bedrohung der Meere ist heute so sichtbar wie die Belastung durch Plastikabfälle. Mehr als 10 Millionen Tonnen Abfälle gelangen jährlich in die Ozeane. Sie kosten Zehntausende Meerestiere das Leben. Seevögel verwechseln Plastik mit natürlicher Nahrung, Delfine verfangen sich in alten Fischernetzen. Die kleinen Plastikpartikel ziehen dabei im Meerwasser gelöste Umweltgifte wie das Insektizid DDT oder PCBs an wie ein Magnet.
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  • Kommentar von angela keller, sirnach
    An der spanischen Südküste ist ein zehn Meter langer Pottwal angeschwemmt worden. Die Todesursache ist Umweltverschmutzung - das Tier hatte sich an 17 Kilogramm Plastikmüll Plastikmüll überfressen. Das Tier ist auf grausame Art verendet. Der Darm des Wals war von dem Abfall völlig verstopft und ist förmlich explodiert. Die kleinen und grossen Plastikbrocken werden auch von Fischen verschluckt, die später auf unseren Tellern landen. Kein Einzelfall.
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