Python-Plage: Kaninchen überführen Würgeschlange

In den Everglades von Florida wurden asiatische Würgeschlangen freigelassen oder entkamen privaten Haltern. Die Tigerpythons sollen seither die Säugetiere in der Region bedrohen – und Forscher haben nun den Nachweis erbracht.

Der Kopf eines Tigerpythons

Bildlegende: Gewiefter Jäger: Tigerpythons fressen, je nach Grösse, viele Arten von Beute: von kleinen Säugern bis zu ausgewachsenen Leoparden. Imago

Seit Jahren wird vermutet, dass Tigerpythons im Everglades-Nationalpark Säugetiere stark dezimieren. Nach einer intensiven Tierzählung im Nationalpark, deren Ergebnis 2012 veröffentlicht wurde, publizierten Wissenschaftler konkrete Zahlen: Im Vergleich zu Mitte der 1990er-Jahre, so hiess es damals, seien 99 Prozent der Waschbären und Opossums sowie 88 Prozent der heimischen Rotluchse verschwunden.

Schon damals waren die Dunklen Tigerpythons (Python molurus bivittatus), die durch das versehentliche oder absichtliche Freilassen privat gehaltener Tiere in die Everglades gelangten, als Hauptverursacher unter Verdacht. Doch die Belege seien nur indirekt gewesen, schreiben McCleery und Kollegen.

Ein Marschkaninchen schaut hinter einem Baumstamm hervor.

Bildlegende: Ein Marschkaninchen im Everglades-Nationalpark. Imago

Kaninchen mit Sensoren als Beute

Deshalb machten die Forscher ein Experiment: Sie fingen Marschkaninchen (Sylvilagus palustris) in Gebieten ohne Pythons und versahen sie mit einem Sensor, der per Funk ihren Tod anzeigte. Dann setzten sie sie im Everglades-Nationalpark aus. Anhand von Hasenkötteln stellten McCleery und Kollegen fest, dass die Kaninchen den Lebensraum zunächst annahmen und sich vermehrten. Doch nach nicht einmal einem Jahr waren 22 von 26 ausgesetzten Kaninchen tot.

Beim gemeldeten Tod eines Kaninchens orteten die Wissenschaftler es per GPS und sahen sich die Überreste an: Daraus konnten sie ablesen, ob Raubtiere oder Vögel das Kaninchen getötet hatten. Reptilien hingegen verschlingen Kaninchen mit Haut und Haaren. Durch weitere Todesumstände unterschieden die Forscher, ob der Fressfeind ein Alligator, eine Klapperschlange oder ein Tigerpython gewesen war.

Viele Tigerpythons liegen eng beieinander.

Bildlegende: Genug Nahrung – viel Nachwuchs: Das Foto zeigt Jungtiere von Tigerpythons im Tierpark Aschersleben in Deutschland. Imago

Fresslust nachgewiesen

Das Resultat der Studie: Während im Everglades-Nationalpark 17 der 22 getöteten Kaninchen Opfer eines Tigerpythons wurden, war es in einem Kontrollgebiet in der Nähe der Everglades kein einziges. Stattdessen waren die Jäger dort zu 71 Prozent andere Säugetiere.

McCleery und Kollegen halten es für unwahrscheinlich, dass Säugetiere sich wieder wie früher in den Everglades vermehren werden, solange die asiatische Würgeschlange dort jagt: Pythons sind fähig, in einer Umgebung zu bestehen, indem sie sich auf andere Beutetiere umstellen und lange Zeit ohne Nahrung auskommen können.

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