Rattenpfote aus dem Reagenzglas

Forscher haben eine künstliche Rattenpfote in einem Nährmedium wachsen lassen. Ihr Gefäss- und Muskelgewebe funktioniert. Die Methode funktioniert prinzipiell auch bei Primaten. Doch künstliche Arme für den Menschen sind damit noch nicht in Sicht.

Die Rattenpfote mit Muskelgewebe im Reagenzglas

Bildlegende: Rattenpfote als Herausforderung: Nieren, Lebern, Herzen und Lungen von Tieren durch Neubesiedlung mit Zellen zu züchten, war zuvor schon gelungen. Bernhard Jank, M.D., Ott Laboratory, Massachusetts General Hospital Center for Regenerative Medicine

US-Forscher hatten mit einem Lösungsmittel alle lebenden Zellen von der amputierten Pfote einer Ratte gelöst, berichten sie im Magazin «Biomaterials». Nur die Grundstrukturen blieb erhalten. Dann hätten sie die Pfote mit lebenden Zellen eines anderen Tieres besetzt.

In den folgenden Tagen seien die Gewebe wie Muskeln und Adern wieder herangewachsen. Das Zellwachstum der Muskeln sei durch elektrische Stimulation angeregt worden. Laut den Forschern reagierten die Muskeln auf elektrische Anregung mit Kontraktionen. Ihre Kraft liege bei etwa 80 Prozent von Muskeln einer neugeborenen Ratte.

Komplexe Gliedmasse beim Mensch

In einem weiteren Versuch seien beim Unterarm eines Pavians alle Zellen entfernt und mit der Neubesiedlung begonnen worden. Die ersten Resultate gäben Hoffnung, irgendwann auch beim Menschen Gliedmassen ersetzen zu können. Der Aufbau der Nerven bleibe aber eine grosse Herausforderung.

Video «Zellwachstum an der Rattenpfote» abspielen

Zellwachstum an der Rattenpfote

0:19 min, vom 9.6.2015

Lichtblick für Transplantation

Die Methodik eignet sich prinzipiell auch für Primaten. Der grosse Vorteil: Weil das transplantierte Organ mit den Zellen des Empfängers wiederbesiedelt werden kann, fällt die Abstossungsreaktion durch das Immunsystem nach einer Transplantation weit schwächer aus.