Schlechtes Ergebnis für Schweizer Wasserqualität

In einer vom WWF in Auftrag gegebenen Studie an der Universität für Bodenkultur in Wien schneiden die Schweizer Flüsse schlecht ab – zu viele von ihnen werden zur Energiegewinnung genutzt oder umgeleitet. WWF Schweiz fordert ein besseres Schutzprogramm.

Die Schleuse des Kraftwerks in Rheinfelden von oben

Bildlegende: Effizientes Kraftwerk: Das Werk in Rheinfelden wurde 2010 nach der Sanierung wieder eröffnet und liefert heute doppelt so viel Strom wie davor. Energiedienst Rheinfelden

Alles andere als unberührte Natur: Kein Alpenland nutzt seine Gewässer so intensiv wie die Schweiz. Rund 1500 Kraftwerke gewinnen aus dem Wasser Energie, ein Grossteil der Flüsse wird gestaut oder umgeleitet. Das hat grosse Folgen für die Pflanzen und Tiere, die in den Gewässern leben – Kraftwerke sind für Fische unpassierbar, künstliche Hochwasser und Wasserentnahmen verändern die Lebensbedingungen. Und nicht nur Flora und Fauna sind von dem starken Eingriff in die Flusslandschaft betroffen. Auch die Rolle der Flüsse als Trinkwasserreservoir ist gefährdet.

Zu diesem Schluss kommt die Studie «Save the Alpine Rivers», die von der Universität für Bodenkultur in Wien im Auftrag des WWF durchgeführt wurde. Sie analysiert erstmals Daten im ganzen Alpenraum und macht Aussagen über den Zustand der alpinen Flüsse in Frankreich, Italien, Österreich, Deutschland und der Schweiz. Im ganzen Alpenraum sind 89 Prozent der Flüsse auf die eine oder andere Art beeinträchtigt. In der Schweiz sind es sogar mehr, laut einer anderen Studie etwa 90 bis 95 Prozent.

Kleine Kraftwerke, grosser Einfluss

Problematisch sind laut WWF in der Schweiz vor allem die Kleinwasserkraftprojekte. Diese werden weiterhin mit Fördergeldern unterstützt und auch die letzten unberührten Gebirgsflüsse könnten bald zur Stromgewinnung genutzt werden, warnt WWF Schweiz. So beispielsweise die Sense, einer der wildesten und natürlichsten Gebiete im nördlichen Alpenbogen, für deren Nutzung dem Kanton ein Projektplan vorgelegt wurde.

Um nicht die noch ungenutzten Gebiete zu zerstören, rät der WWF, bereits bestehende Werke zu sanieren. So könnte deren Leistungskraft stark vergrössert werden. Ein Beispiel dafür sei das Werk in Rheinfelden. Nach der Sanierung liefert es heute mehr als doppelt so viel Strom.

«Die letzten Gewässerperlen müssen geschützt werden»

Die Studie ruft aber alle Länder zu sofortigen Massnahmen auf, um die einzigartigen Ökosysteme, die die Flüsse der Alpen darstellen, zu retten. «Intakte Flüsse, Bäche, Feuchtgebiete und Auen versorgen uns mit sauberem Wasser und leisten unverzichtbaren Hochwasserschutz», sagt Christopher Bonzi, der Leiter des Wasserprogramms beim WWF Schweiz. «Wir dürfen sie deshalb nicht nur als Energielieferanten betrachten. Die letzten Gewässerperlen müssen dauerhaft geschützt werden.»