Vor 120 Jahren – wie Henri Becquerel die Radioaktivität entdeckte

Oft ist es der Zufall, der neue Erkenntnisse ermöglicht. Auch die Entdeckung von Henri Becquerel basiert auf einem. Im Jahr 1896 fand der Physiker dank schlechtem Wetter heraus, dass Uransalze eine bis dahin unbekannte Eigenschaft besitzen: Radioaktivität.

Darstellung eines Warnschildes vor Radioaktivität.

Bildlegende: Radioaktivität: Das Phänomen ist seit 120 Jahren bekannt. Colourbox

Zu Beginn des Jahres 1896 verfolgte der französische Naturwissenschaftler Henri Becquerel nur ein Ziel: Er wollte die Ursache der eben erst entdeckten Röntgenstrahlung beweisen. Die lag, so glaubte man, im Phänomen der Fluoreszens.

Der Physiker verwendetet für sein Experiment Fotoplatten, die zum Schutz vor Licht mit speziellem Papier eingepackt waren. Darauf legte er fluoreszierende Steine, genauer Uransalze, und stellte das Ganze in die Sonne. Die Hoffnung Becquerels: Die Salze werden von der Sonne beschienen, dadurch fluoreszieren sie und es entstehen Röntgenstrahlen. Die wiederum dringen durch das lichtdichte Papier und schwärzen die Fotoplatte. Damit wäre die Ursache für Röntgenstrahlung belegt. Doch es kam anders.

1896: Entdeckung dank trübem Wetter

Auch an einem Sonntag im Februar 1896 legte Becquerel seine Platten nach draussen. Dumm nur, dass an diesem Tag die Sonne nicht schien. Doch zu seinem Erstaunen waren die Platten trotz des fehlenden Sonnenlichts und der lichtdichten Verpackung stark belichtet und dadurch geschwärzt.

«Aus der überraschend starken Schwärzung schloss Henri Becquerel korrekt, dass die Anregung der Salze durch Sonnenlicht nicht nötig war, sondern die Strahlung eine dauerhafte Eigenschaft der Salze war», erklärt der Physikhistoriker Horst Kant. Becquerel hatte eine neues Phänomen entdeckt: die Radioaktivität.

1903: der geteilte Nobelpreis

Porträt vom französischen Physiker Henri Becquerel.

Bildlegende: Henri Becquerel: Der französische Physik-Nobelpreisträger dokumentierte als einer der ersten radioaktive Strahlung. Paul Nadar, Wikimedia

Die Forschergemeinde beschäftigte sich zu dieser Zeit mit vielen neuen Arten von Strahlen wie den Röntgenstrahlen und den Kanalstrahlen. Unter diesen zahlreichen anderen ging die Bequerel-Strahlung unter. Lange blieb es relativ still um die Entdeckung.

Erst als das französische Forscherpaar Marie und Pierre Curie und der deutsche Chemiker Carl Schmidt mit Thorium, Polonium und Radium weitere strahlende Elemente entdeckten, rückte die Bequerel-Strahlung in den Fokus der Wissenschaft. Es war auch Marie Curie, die den Begriff radioaktiv als erste verwendete. 1903 erhielten das Ehepaar Curie und Henri Becquerel für ihre Erkenntnisse zur Radioaktivität gemeinsam den Physik-Nobelpreis.

1858: Entdecker war eigentlich ein anderer

Tatsächlich war der Franzose nicht der erste, der die Strahlung radioaktiver Substanzen beobachtete, wie Physikhistoriker Kant erklärt: «Sein Landsmann Claude Félix Abel Niépce de Saint-Victor hatte bereits 38 Jahre zuvor bemerkt, dass Uransalze fotografische Platten schwärzen. Die Bedeutung wurde damals jedoch nicht erkannt und die Arbeit wieder vergessen.»

Erst Henri Becquerels Beobachtungen haben dann der Physik das neue Forschungsgebiet der Radioaktivität eröffnet und zugleich das erste Kapitel der Kernphysik aufgeschlagen.

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