Winterschlaf: Die grosse Müdigkeit

Der Siebenschläfer macht seinem Namen alle Ehre: Der kleine Nager mit den grossen Augen verpennt buchstäblich sein halbes Leben. In der kühlen Jahreszeit schläft er jeweils rund sieben Monate lang. Warum halten er und andere Tiere einen ausgedehnten Winterschlaf? Und andere nicht?

Drei Siebenschläfer schlafen auf Blättern.

Bildlegende: Der Name ist Programm: Siebenschläfer beginnen ihren Winterschlaf oft schon im September. Imago

Der Siebenschläfer, das Murmeltier und der Bär sind die bekanntesten Tiere, die den Winter verschlafen. Auch Fledermäuse, Igel und die kleine Haselmaus verkriechen sich, wenn es kühler wird, in Höhlen oder unter die Erde. Dort schlafen sie – manchmal mit kurzen Unterbrüchen – Monate lang, zehren von ihren Fettpolstern und fahren alle Körperfunktionen herunter.

Der Schwarzbär schnarcht dann nur noch rund einmal pro Minute; das Herz des Igels schlägt noch 10 Mal mal statt 200 Mal pro Minute. Auch die Körpertemperaturen sinken – bei Fröschen und Insekten so stark, dass sie starr werden vor Kälte. Sie müssen Glucose und Glycerin als Frostschutz einlagern, um nicht zu erfrieren. Noch radikaler ist die Strategie des arktischen Erdhörnchens. In seiner Kältestarre stellt es zeitweilig sogar sein Gehirn ab.

Energie sparen in der Mangelzeit

Man ahnt es schon: Ein gemütlicher Kuschelzustand ist der Winterschlaf eher nicht. Er ist wohl auch keine direkte Folge der Kälte. Vielmehr senkt der Winterschlaf den Energiebedarf der Tiere. Er hilft ihnen so, durch die nahrungsarme Jahreszeit zu kommen, denn im Winter gibt es nicht für alle genug zu futtern. Das ist der Hauptgrund, weshalb viele Tiere dann schlafen.


Winterschlaf

2:58 min, aus 100 Sekunden Wissen vom 23.11.2015

Doch andere bleiben wegen des Futterangebots aktiv. Eisbären zum Beispiel finden auch in der klirrend kalten Polarnacht noch fette Robben. Rehe und Hirsche können im Schnee zur Not Baumrinden und Zweige fressen. Füchse sind in der Lage, ein ausgewachsenes Reh zu töten; sie fressen auch überfahrene Tiere oder im Siedlungsgebiet auch mal Katzenfutter.

Kleine Tiere verlieren mehr Wärme

Ganz allein bestimmt das winterliche Nahrungsangebot allerdings nicht darüber, ob ein Tier zum Dauerschläfer wird oder nicht. Auch die Körpergrösse zählt, das Verhältnis von Körpervolumen und - oberfläche. Kleine Tiere verlieren deswegen im Wachzustand viel Wärme und tendieren eher zum Winterschlaf als grosse.

Und doch: Die kleinen Blaumeisen und Rotkehlchen bleiben auch im Winter munter, weil sie ihren Speiseplan umstellen. Statt Insekten picken sie nun die letzten Samen aus den Pflanzen – und gerne auch aus Vogelhäuschen.

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