Auf der Jagd noch Meteoriten-Trümmern

Vier Tage nach der gewaltigen Explosion über der russischen Stadt Tscheljabinsk läuft die Suche nach Trümmern des Himmelskörpers noch immer auf Hochtouren. Solche Überbleibsel zu finden, ist allerdings schwierig, denn Meteoriten-Bruchstücke sehen oft aus wie ganz normale Steine.

Ein Mitarbeiter der Ural Federal University in Jekatarinenburg untersucht einen Splitter aus seine Herkunft.

Bildlegende: Vom Meteoriten oder nicht? Ein Mitarbeiter der Ural Federal University in Jekatarinenburg untersucht einen Splitter auf seine Herkunft. Reuters

Die Videos vom Feuerball im Südural sind spektakulär: grelles Licht, ein langer wolkiger Schweif und dann ein ohrenbetäubender Knall. Was da vom Himmel kam, war gross und schwer. Die US-Weltraumbehörde Nasa geht mittlerweile von einem Felsbrocken mit einem Durchmesser von 17 Metern aus, mit einer Masse von rund 10’000 Tonnen.

Unscheinbare Steinchen

Von all dem Material scheint allerdings nicht viel übrig zu sein. Die Fotos von möglichen Überresten des Meteoriten zeigen bisher nur kleine Splitter und Gesteinsbrocken. Forscher von der Universität Jekaterinburg wollen 53 kleine Steine als Bruchstücke des Meteoriten identifiziert haben. Das haben sie am Montag mitgeteilt.

Das Dach dieser Fabrik in Chelyabinsk wurde durch den Meteoriten beschädigt.

Bildlegende: Schäden durch die Druckwelle: Das Dach dieser Fabrik in Chelyabinsk wurde durch den Meteoriten beschädigt. Keystone

Viele Wissenschaftler in Europa sind allerdings skeptisch. Meteoritenstücke sehen oft aus wie ganz normale Steine; nichts deutet auf ihre himmlische Herkunft hin. Erst genaue geologische und chemische Analysen bringen die Wahrheit ans Licht. Und diese Daten liegen eben noch nicht öffentlich vor. Die wissenschaftliche Diskussion beginnt gerade erst.

Zu den Skeptikern gehört auch Thomas Grau, ein Meteoritenspezialist aus Deutschland, der auf eigene Faust nach Meteoriten sucht. «Aus der Distanz ist es sehr schwer zu beurteilen, ob die kleinen Steinchen, die man bis jetzt schon gefunden hat, tatsächlich vom Meteor stammen», sagt er. Aufgrund der Fotos könne es sich auch um ganz normale Kohlestückchen oder Schlacke handeln.

Tausend Franken für ein Körnchen

Kritisch ist Grau auch, was den Handel mit den Steinen betrifft: Auf dem Internet werden «Bruchstücke» des Meteoriten von Tscheljabinsk bereits für mehrere tausend Franken angeboten. Das sei sicher sehr fragwürdig, findet Grau. Die Anbieter lockt wohl das schnelle Geld. Teilweise sind Meteoriten Hunderttausende von Franken wert. Für die Brocken aus dem All interessieren sich nicht nur Forscher und Museen, sondern auch Privatsammler.

Von diesem Geschäft leben die spezialisierten Meteoritensucher wie Grau und der Amerikaner Michael Farmer. Wird irgendwo ein Einschlag beobachtet, reisen sie zur vermuteten Absturzstelle und suchen nach dem Himmelskörper, befragen Zeugen, werten Fotos und Videos aus.

Nationale Vorschriften für Sammler

Immer wieder gelingen diesen Jägern spektakuläre Funde, die dann auch der Forschung dienen. Sie müssen sich beim Sammeln allerdings an die Gesetze des Landes halten, sonst drohen Bussen und Gefängnis. Michael Farmer hat das selbst schon erlebt, wie er gegenüber dem Magazin «National Geographic» erzählt.

Verschiedene Länder kennen strenge Ausfuhrgesetze für Meteoriten, darunter auch Russland. Für Farmer ist das ein Grund, nun nicht nach Russland zu fahren. Viele andere Enthusiasten aber tummeln sich bereits in der Gegend und hoffen auf ihr Finderglück.