Aufgeräumte Städte – keine Heimat für Spatzen

Einen Wildhüter ausschliesslich für Vögel – das gibt es in der Stadt Zürich. Hier braucht es nämlich jemanden, der sich darum kümmert, dass Vögel wie die Spatzen nicht ganz verschwinden, während sich andere explosionsartig vermehren.

Drei Spatzen im Landeandflug auf eine Hand mit einem Stück Brot, wo bereits ein Spatz frisst. Im Hintergrund ist eine Hausfassade zu sehen.

Bildlegende: Die Städter greifen in die Vogelbestände ein: Sie füttern oder vergiften die Vögel – beides ist nicht im Sinne der Natur. Colourbox

Bäume, die direkt aus dem Asphalt wachsen statt Blumen und Unkraut; Parks mit Kiesboden anstelle von Wiesen mit Gräsern – all dies führt dazu, dass das Nahrungsangebot für Spatzen in Zürich minimal geworden ist. Ihr Bestand ist innert 20 Jahren um 40 Prozent zurückgegangen. In anderen europäischen Grossstädten ist der kleine Braune bereits ganz ausgestorben.

Verantwortlich dafür ist ein überbordender Reinlichkeitsfimmel, der Insekten, Spinnen und Würmern den Garaus macht. Hausfassaden werden heute genormt mit Pestiziden behandelt. Wo früher Ritzen und Spalten Lebensraum für kleines Getier bot, herrschen heute antiseptische Verhältnisse – der Tod, nicht nur des Spatzen, weil ihm die Nahrung ausgeht.

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Die Spatzen sterben aus

4:27 min, aus Schweiz aktuell vom 22.7.2014

Um diese Missstände kümmern sich Wildhüter This Schenkel. Er und seine Kollegen wollen die Bewohner von Zürich auf die unwirtliche Raumgestaltung aufmerksam machen. Auch im öffentlichen Raum werden Anstrengungen unternommen; unter anderem sind Nistplätze im Hauptbahnhof geplant. In den Gärten und Pärken sollen Pflanzen Unterschlupf bieten.

«Der Spatz braucht dichte Hecken mit einheimischem Gehölz», sagt Wildhüter Schenkel. Diese dienten dem bedrohten Vogel einerseits als Nahrungsquelle, andererseits als Schutz vor den Hauskatzen, die auch Mitschuld am Rückgang der Spatzen haben.

Vogelleben immer noch erstaunlich vielfältig

Obwohl es für viele Vögel schwieriger geworden ist, in der Stadt zu überleben, sind es immer noch rund 100 verschiedene Arten, die in Zürich zuhause sind. Darunter auch viele Wasser- und Greifvögel wie der Turm- oder der Wanderfalke. Die Dohle hier anzusiedeln, gelingt dagegen nur schwer.

Ein Vogel vermehrt sich ganz besonders prächtig in der Stadt: die Taube. Die Bestände der «Ratten der Lüfte» müssen gar dezimiert werden. In Zürich dürfen nicht mehr als 50 Stück von ihnen auf einem Platz vorkommen, sonst geht es ihnen an den Kragen. Der Wildhüter kontrolliert den Taubenbestand regelmässig – notfalls muss er eingreifen und einige Tiere töten.

Es ist ein Kampf gegen Windmühlen, denn Stadtbewohner füttern die Tauben regelmässig. Und auch sonst ist das Nahrungsangebot für sie in der Stadt riesig. Halbe Sandwichs, heruntergefallene Pommes Frites, süsse Kekse – die Tauben fressen alles.

Je naturnaher der Lebensraum belassen ist, desto ausgeglichener ist jedenfalls auch der Vogelbestand. Arbeit hat der städtische Vogelwildhüter This Schenkel deswegen auch in Zukunft mehr als genug.