Der betörendste Tänzer im Tierreich

Singen und dazu Tanzen: Was Menschen ganz selbstverständlich tun, scheint Tieren fremd zu sein. Mit einer Ausnahme: Der Leierschwanz aus Australien vollführt einen höchst elaborierten Tanz und singt dazu. Was wir davon lernen können.

Der Graurücken-Leierschwanz sorgt in seiner Heimat Australien des öftern für Verwirrung. Denn er ist ein begnadeter Imitator von Geräuschen: Alarmsirenen, klickende Kameras oder sogar Motorsägen ahmt er täuschend echt nach. 

Doch der begabte Vogel kann nicht nur singen. Mindestens so faszinierend sind seine tänzerischen Gaben. Der Graurücken-Leierschwanz sei sogar das einzig bekannte Tier der Welt, das auf so hohem Niveau singt und dazu tanzt, sagt die Biologin Anastasia Dalziell von der australischen Universität Canberra. In der Fachzeitschrift «Current Biology» hat sie mit Kollegen diesen Tanz erstmals beschrieben.

Tierischer Rockstar

Mit ihren Tänzen versuchen die Männchen paarungsbereite Weibchen zu beeindrucken. Dazu geben sie eine vierteiligen Performance zum Besten, die komplizierte vorgegebene Bewegungen mit unterschiedlichen Lauten kombiniert. Gerade wie wir Menschen zu Walzermusik Walzer tanzen oder zu Flamencogesang Flamenco, so haben auch die Leierschwänze ein ganzes Repertoire an Bewegungs- und Ton-Kombinationen. 

Ein Lyrebird im Baum.

Bildlegende: Kann mehr als 20 Vogelarten imitieren: Die Lyrebird-Männchen bezirzen nicht nur mit dem Federkleid, sondern auch durch ihren Gesang. Wikipedia

«Mal halten sie ihre Schwanzfedern über dem Kopf wie einen Schleier und bewegen sich dazu seitwärts; mal stellen sie den Schwanz in die Höhe, sodass er aussieht wie ein Irokesenhaarschnitt, hüpfen dazu und schlagen mit den Flügeln; dann wiederum stehen sie still und geben ein lautes Gekreisch von sich», beschreibt Anastasia Dalziell den Tanz der Leierschwänze.

Auch Vögel gehen in den Tanzkurs

Diese Darbietung sei in der Denkleistung und Bewegung so anspruchsvoll wie die Tänze der Menschen, findet die Biologin. Die Forscher gehen davon aus, dass die Leierschwänze ihren Balz-Tanz erlernen, zumal die Vögel nachweislich Geräusche spielend erlernen und ihre Tanzmusik zuweilen auch ohne Tanzschritte zum besten geben.

Vorläufig bleibt offen, warum im Tierreich bisher nichts Vergleichbares bekannt ist. «Vielleicht habt die Forschung bisher einfach zu wenig genau hingeschaut», vermutet Dalziell. Auf sehr viel einfacherem Niveau vollführen auch andere Tiere akustisch begleitete rhythmische Bewegungen; Störche zum Beispiel, auch manche Singvögel und Spinnen. Ihr Verhalten ist aber angeboren und simpler. Der Zweck aller Tanz-und-Klang-Performances im Tierreich hingegen ist der gleiche: Sie sichern die Fortpflanzung.

Auch wir sollten mehr Tanzen

Tanzen und singen habe damit eine wichtigere biologische Funktion als gemeinhin angenommen, sagt Anastasia Dalziell. Dass es beim Menschen gerade die Fortpflanzung sichert, möchte die Forscherin zwar nicht behaupten, doch trage Tanzen dazu bei, soziale Beziehungen aufrecht zu erhalten, sich mit anderen zu verbinden. «Wir können dem Tanz und Gesang daher ruhig etwas mehr Bedeutung beimessen, als wir das normalerweise tun», findet sie.