Es funkt zwischen Bienen und Blüten

Die ersten Vorboten des Frühlings leuchten schon. Bald folgt die grosse Blütenvielfalt, mit der beispielsweise Blumen oder Bäume Bienen und andere Insekten anlocken, um bestäubt zu werden. Damit die Insekten wirklich kommen, nutzen die Pflanzen raffinierte Tricks – sogar Elektrizität.

Eine Biene fliegt auf eine Mandelblüte zu.

Bildlegende: Es knistert zwischen Biene und Blume: Ob die Blüte genügend Nektar hat und es sich lohnt, auf ihr zu landen, sagt sie der Biene über ihr elektrisches Feld. Keystone


Wenn Bienen Blüten besuchen, funkt's

5:10 min, aus Wissenschaftsmagazin vom 23.02.2013

Pflanzen vegetieren nicht einfach stumm vor sich hin. Gezielt setzen sie Farben, Formen und Düfte ein, um Bestäuber anzulocken. Und wie nun Biologen aus Grossbritannien herausgefunden haben, nutzen sie auch elektrische Signale, um sich den Bienen und Hummeln, Schwebefliegen und Käfern mitzuteilen. «Jede Pflanze hat von Natur aus ein schwaches elektrisches Feld», sagt Daniel Robert von der britischen Universität Bristol, «wir Menschen spüren das nicht, Bienen und Hummeln jedoch sehr wohl.»

Elektrisches Flirten

Hummeln und Bienen laden sich beim Fliegen nämlich positiv auf. Wenn sie nun ins negativ geladene Feld einer Pflanze fliegen, entsteht eine elektrische Kraft, und die nehmen die Insekten wahr. Das hat Daniel Robert in einem Experiment mit Hummeln und künstlichen, elektrisch aufladbaren Blumen erstmals nachgewiesen und in der Zeitschrift «Science» beschrieben. Wie genau die Insekten die Elektrizität wahrnehmen, ist offen, vielleicht stellen sich ihre Härchen auf. Zudem hat der aus Neuchâtel stammende Biologe beobachtet, dass Pflanzen ihre elektrischen Signale verändern: Je mehr Insekten eine Blüte besucht haben, desto schwächer werden die Signale der Pflanze.

Die Pflanze teilt ihren Bestäubern dadurch etwas mit, sagt Daniel Robert: «Sie  verrät, wieviel Nektar sie noch zu offerieren hat – ob es sich also für eine Biene lohnt, dort zu landen, oder ob bereits andere Besucher allen Nektar ausgetrunken haben.» Diese Botschaft kommt bei den Bestäuber-Insekten an, hat Robert an den Hummeln und neuerdings auch an Honigbienen beobachtet: Die fleissigen Insekten bevorzugen nämlich Pflanzen mit starken elektrischen Signalen und vermeiden solche mit schwachen Signalen. So können sie sich manche unnötige Landung ersparen.

Eine ehrliche Beziehung

Doch auch die Pflanzen profitieren. Sie haben nämlich das Problem, dass sie auch dann noch schön bunt leuchten und gut duften, wenn schon lange kein Nektar mehr in ihren Blüten ist. «Einzig mit ihren elektrischen Zusatzinformationen kann die Pflanze wirklich ehrlich zu ihren Bestäubern sein», sagt Daniel Robert. Und diese Ehrlichkeit kommt den Pflanzen zugute: «Sie vermeiden damit nämlich, dass sich Bestäuber-Insekten eine gut duftende, doch leere Blume merken – und sie in Zukunft nicht mehr besuchen».

Bilder aus dem Versuch von Daniel Robert