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Natur & Umwelt Freiheit für die Honigbienen

Die ehemals wilden Honigbienen wurden vom Menschen über Jahrhunderte domestiziert, gepflegt und gezüchtet. Das wird heute zum Problem: Die Bienen sind überzüchtet und anfällig für Krankheiten. Um das zu ändern, wollen die Imker des Vereins «Free the Bees» wieder wilde Honigbienen ansiedeln.

Legende: Video Wilde Honigbienen abspielen. Laufzeit 5:14 Minuten.
Aus 10vor10 vom 01.05.2014.

Wer ist Schuld am Bienensterben? Eine Antwort darauf wird seit Jahren fieberhaft gesucht. Bienen sind weltweit Gefahren und Bedrohungen ausgesetzt – durch die Varoa-Milbe, Chemie in der Landwirtschaft, Nahrungsmangel.

Bienen retten durch Auswildern

Bienen seien völlig überzüchtet und darum für Parasiten so anfällig, meinen die Vertreter des radikalen Schweizer Imker-Vereins «Free the bees». Statt die Bienen immer weiter zu züchten, möchten sie die Tiere auswildern. Ihr Ziel: Möglichst viele Honigbienen verwildern lassen – und so ihr Überleben sichern.

Doch dafür müssen Lebensräume für die Bienen geschaffen werden, denn «den Tieren fehlt der Nistplatz, um sich in der Natur ansiedeln zu können», sagt André Wermelinger, Gründer von «Free the bees», gegenüber «10 vor10». Dafür hat der Verein sogenannte Zeidler aus Polen eingeladen – Wildimker, die den Schweizern nun zeigen, wie man Nisthölen in alte Baumstämme schlägt, in denen sich schon bald die Bienenpopulationen ansiedeln sollen.

Traditionelle Imker sind skeptisch

Traditionellen Imker sind wenig überzeugt von der Auswilderung. Viele finden es schlicht fahrlässig, die Bienen sich selbst zu überlassen. Sie sind skeptisch, dass die Bienen ohne ihren Schutz überleben könnten: Die Imker behandeln die Tiere gegen Parasiten und Krankheiten – auch damit sich Seuchen sich nicht auf andere Populationen übertragen.

Die Wildimker hingegen sind sich sicher: Wenn man gesunde und resistente Bienen wolle, müsse man jetzt der Natur eine Chance geben – denn der Mensch habe versagt.

Wildimkerei durch Zeidler

Die Zeidler haben im Mittelalter gewerbsmässig den Honig wilder oder halbwilder Bienenvölker eingesammelt. Dafür schlugen sie Kerben in alte Bäume, um so künstliche Höhlen für die Tiere zu schaffen. Die Waldbienenzucht ist jedoch Ende des 19. Jahrhunderts weitgehend aus Europa verschwunden; nur in Polen und im Ural hat das alte Handwerk überlebt.

10 Kommentare

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  • Kommentar von Markus Horlacher, Aranno
    Traditionelle Imker in der CH behandeln ihre Völker fast ausschliesslich mit „natürlichen“ Mitteln wie Ameisensäure. Die Rückstände dieser "bio"- Mittel sind für den Menschen nicht schädlich, doch sie sind ein potentes Insektizid, das Verätzungen an den jungen Bienen (der sog. Brut) verursacht, und auch den Verlust der Königin bewirken kann.
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  • Kommentar von Daniel Dörig, Winterthur
    André Wermelinger gewann 1995 zusammen mit seinem Partner Andreas Sägesser am Technikum Winterthur den prestige-trächtigsten Preis der sechs Elektrotechnik-Abschlussklassen. Ich erinnere mich sehr gerne an seine angenehme Art und seinen trockenen Humor und wünsche ihm viel Erfolg für diese meiner Ansicht nach wichtige Arbeit!
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  • Kommentar von Viktor Siegrist, Herisau
    Dieser Beitrag hat einige Fehler. Hier die Kommentare eines Imkers: "überzüchtet und anfällig für Krankheiten" Diese Aussage stimmt absolut nicht. Nur ca. 5% der Imker "züchten" Königinnen. Hauptziel ist eine bessere Vitalität und Krankheitsresistenz "Bienenschwarm 2012 hat wild überlebt" Herr Wermelinger beweist nicht, dass das immer noch die gleichen Bienen wie 2012 sind. Meistens stirbt das Volk im Winter und im Mai (Schwarmzeit) zieht ein neues Volk ein. Weitere Infos www.igbiene.ch
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    1. Antwort von André Wermelinger, Montévraz
      Kennen Sie einen Imker, der im Mai nicht widernatürlich einen Honigraum aufsetzt? Wissen Sie, dass dies die natürliche Schwarmteilung verzögert? Und wieviele Imker kennen Sie, die nur über den Schwarmtrieb vermehren und keine künstlichen Ableger bilden? Mit Fütterungen, Behandlungen, Schwarmtriebbeeinflussungen, etc. selektioniert der Imker stetig nach seinem Gusto. Nennen Sie es, wie sie wollen, aber das sind züchterische Massnahmen, welche die natürliche Selektion übersteuern!
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