Jagd auf die eigenen Rinder

Wer in der Schweiz Hirsche oder Bisons züchtet, darf sie selbst auf dem Hof schiessen und schlachten. Ein Biobauer, der für seine Rinder dasselbe Recht einforderte, erhielt vom Veterinäramt keine Bewilligung. Nun kündigt er an, dass er Rekurs einlegen wird.

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0:00 min, vom 23.11.2017

Der Biobauer Nils Müller hat auf seinem Hof im Zürcher Oberland Angus-Limousine Rinder herangezüchtet. Die artgerechte Tierhaltung liegt ihm sehr am Herzen und er arbeitet daran, ein Jagdpatent zu erwerben. Deshalb möchte er die ersten Rinder in sechs Monaten, wenn sie schlachtreif sind, nicht in den Schlachthof fahren, sondern selbst auf dem Hof schiessen und schlachten.

«Das Töten auf der Weide ist ethisch besser vertretbar», sagt Müller gegenüber der «Tagesschau», «der Transport und der Schlachthof bedeuten viel mehr Stress und Leid für das Tier.» Und das habe nicht zuletzt auch Auswirkungen auf die Qualität des Fleisches.

Verbot vom Veterinäramt

Bei Bisons und Hirschen ist das Abschiessen auf der Weide und die Schlachtung auf dem Hof erlaubt, denn sie gelten als Wildtiere. Rinder sind Nutztiere: Die Hygienevorschriften bei der Schlachtung sind viel strenger. So muss beispielsweise gewährleistet sein, dass das Tier nach dem Tod rasch ausblutet. Auch aus diesem Grund hat das Veterinäramt des Kantons Zürich Müller keine Bewilligung erteilt.

Anders ist die Lage beispielsweise in Deutschland: Dort werden für Hofschlachtungen Bewilligungen erteilt. Mit einer schallgedämpften Waffe kann der Bauer das Rind schiessen und anschliessend direkt in eine mobile Schlachtbox zum Ausbluten hieven.

Der Biobauer gibt nicht auf

Was in Deutschland funktioniert, sollte auch bei uns möglich sein, sagt sich Biobauer Müller. Er holte sich Rat bei Eric Meili, der als landwirtschaftlicher Berater für das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (Fibl) arbeitet. «Hygienische Schlachtung nach den hiesigen Normen ist auf dem Hof möglich», sagt der Fachmann, «es bedeutet weniger Leid fürs Tier. Darum werden wir mit Hilfe eines Anwalts juristisch dafür kämpfen und wenn es nötig ist, bis zur höchsten Instanz weiterziehen.»

Kontroverse unter Tierschützern

Die Tierschutzorganisation «Vier Pfoten» unterstützt die Idee und wird für den juristischen Kampf die Anwaltskosten übernehmen. Dagegen befürchtet der Schweizer Tierschutz durch den Kugelschuss auf der Wiese mehr Leid statt weniger. «Wenn Bauern auf ihre Rinder schiessen, wird es früher oder später zu Fehlschüssen kommen», sagt Geschäftsführer Hansuli Huber, «angeschossene Tiere rennen in Panik herum und leiden massiv mehr.»

Zudem betont Huber, dass sich die Situation in den Schlachthöfen massiv verbessert hat: «Das Personal ist professionell geschult, die Betäubung geschieht rasch und die Tierschutzvorschriften können überwacht werden.»

Warnung vom Bauernverband

Die Interessenvertretung der Landwirte betont, dass die Sicherheit unbedingt gewährleistet sein müsse. «Die Schweiz ist sehr kleinräumig, ein Fehlschuss könnte fatal sein», sagt Urs Schneider vom Schweizer Bauernverband, «der Schuss auf der Weide ist höchstens eine Option für spezielle Rinder, also Nischenprodukte. Die grosse Masse an Rinder, die jährlich geschlachtet wird, kann so nicht getötet werden, das wäre logistisch schlicht nicht möglich.»

Biobauer Müller und Berater Meili sind der gleichen Meinung. Deshalb verzichten sie auf politische Vorstösse, sondern möchten für sich und andere Bauern Ausnahmebewilligungen erkämpfen.