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Natur & Umwelt Jagd auf die eigenen Rinder

Wer in der Schweiz Hirsche oder Bisons züchtet, darf sie selbst auf dem Hof schiessen und schlachten. Ein Biobauer, der für seine Rinder dasselbe Recht einforderte, erhielt vom Veterinäramt keine Bewilligung. Nun kündigt er an, dass er Rekurs einlegen wird.

Der Biobauer Nils Müller hat auf seinem Hof im Zürcher Oberland Angus-Limousine Rinder herangezüchtet. Die artgerechte Tierhaltung liegt ihm sehr am Herzen und er arbeitet daran, ein Jagdpatent zu erwerben. Deshalb möchte er die ersten Rinder in sechs Monaten, wenn sie schlachtreif sind, nicht in den Schlachthof fahren, sondern selbst auf dem Hof schiessen und schlachten.

«Das Töten auf der Weide ist ethisch besser vertretbar», sagt Müller gegenüber der «Tagesschau», «der Transport und der Schlachthof bedeuten viel mehr Stress und Leid für das Tier.» Und das habe nicht zuletzt auch Auswirkungen auf die Qualität des Fleisches.

Verbot vom Veterinäramt

Bei Bisons und Hirschen ist das Abschiessen auf der Weide und die Schlachtung auf dem Hof erlaubt, denn sie gelten als Wildtiere. Rinder sind Nutztiere: Die Hygienevorschriften bei der Schlachtung sind viel strenger. So muss beispielsweise gewährleistet sein, dass das Tier nach dem Tod rasch ausblutet. Auch aus diesem Grund hat das Veterinäramt des Kantons Zürich Müller keine Bewilligung erteilt.

Anders ist die Lage beispielsweise in Deutschland: Dort werden für Hofschlachtungen Bewilligungen erteilt. Mit einer schallgedämpften Waffe kann der Bauer das Rind schiessen und anschliessend direkt in eine mobile Schlachtbox zum Ausbluten hieven.

Der Biobauer gibt nicht auf

Was in Deutschland funktioniert, sollte auch bei uns möglich sein, sagt sich Biobauer Müller. Er holte sich Rat bei Eric Meili, der als landwirtschaftlicher Berater für das Forschungsinstitut für biologischen Landbau (Fibl) arbeitet. «Hygienische Schlachtung nach den hiesigen Normen ist auf dem Hof möglich», sagt der Fachmann, «es bedeutet weniger Leid fürs Tier. Darum werden wir mit Hilfe eines Anwalts juristisch dafür kämpfen und wenn es nötig ist, bis zur höchsten Instanz weiterziehen.»

Kontroverse unter Tierschützern

Die Tierschutzorganisation «Vier Pfoten» unterstützt die Idee und wird für den juristischen Kampf die Anwaltskosten übernehmen. Dagegen befürchtet der Schweizer Tierschutz durch den Kugelschuss auf der Wiese mehr Leid statt weniger. «Wenn Bauern auf ihre Rinder schiessen, wird es früher oder später zu Fehlschüssen kommen», sagt Geschäftsführer Hansuli Huber, «angeschossene Tiere rennen in Panik herum und leiden massiv mehr.»

Zudem betont Huber, dass sich die Situation in den Schlachthöfen massiv verbessert hat: «Das Personal ist professionell geschult, die Betäubung geschieht rasch und die Tierschutzvorschriften können überwacht werden.»

Warnung vom Bauernverband

Die Interessenvertretung der Landwirte betont, dass die Sicherheit unbedingt gewährleistet sein müsse. «Die Schweiz ist sehr kleinräumig, ein Fehlschuss könnte fatal sein», sagt Urs Schneider vom Schweizer Bauernverband, «der Schuss auf der Weide ist höchstens eine Option für spezielle Rinder, also Nischenprodukte. Die grosse Masse an Rinder, die jährlich geschlachtet wird, kann so nicht getötet werden, das wäre logistisch schlicht nicht möglich.»

Biobauer Müller und Berater Meili sind der gleichen Meinung. Deshalb verzichten sie auf politische Vorstösse, sondern möchten für sich und andere Bauern Ausnahmebewilligungen erkämpfen.

6 Kommentare

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  • Kommentar von Nin Guna, Zürich
    Wenn der gute Biobauer sämtliche Regeln, die auf dem Schlachthof gelten, bei sich zu Hause auch einhält, wäre nichts dagegen einzuwenden. Das wird er aber kaum machen. Das fängt bei der Hygiene an (auf dem Schlachthof gibts Hygieneschleusen und regelmässige bakteriologische Kontrollen), geht weiter über die tierärztliche Fleischuntersuchung (jeder Tierkörper wird auf dem Schlachthof von einem Tierarzt angeschaut) und auch die Seuchenkontrolle wird er auf seinem Hof nicht gewährleisten können.
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  • Kommentar von Martha Rupp, Zürich
    http://www.uria.de/index.php?idcat=16 Das ist der Link zur mobilen Schlachtbox, die Bauer Ernst Hermann Maier auf seinem Hof einsetzt - eine sehr sinvolle Alternative.
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  • Kommentar von E. Wagner, Zug
    Das gäbe aber sicher besseres Fleisch von nicht gestressten Tieren, als sie Stundenlang bis zum nächsten Schlachthof zutransportieren. Klar wird hier wieder, dass so der zwischen Handel seine Hände drin hat und um seinen Batzen bangt. Ein Bauer der seine Tiere pflegt wird sicher nie wild herum schiessen. Das Argument der Tierschützer ist zu unglaubwürdig. Früher gab es Störmetzger warum kann man das nicht mehr??
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    1. Antwort von S. Rindlisbacher, Belp
      Wenn es noch Störmetzger gibt, dann kommen sie um Schweine zu Schlachten und keine grossen Nutztiere. Ich bin gegen das Töten und Schlachten auf Weiden, denn in der Schweiz gibt es kein stundenlanges Fahren bis zum nächsten Schlachthof. Auch finde ich es absurd, Wildtiere zu züchten, denn für Fleischesser gibt es genug aber eben, man sieht immer zu wenig in der Kasse.
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    2. Antwort von Björn Christen, Bern
      In der kleinen Schweiz sind die Transportwege zum Schlachhof relativ kurz und noch vertretbar, aber ich finde trotzdem, dass man Bauern wie Nils Müller die Erlaubnis geben sollte, auf dem eigenen Hof zu schlachten. Für die Tiere ist diese Methode mit keinem Stress verbunden und das kommt dem Fleisch zu gute.
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    3. Antwort von Ruth Andrey, Rüti
      Wenn niemand mehr Fleisch essen würde, wäre das kein Thema :-) Ja, Störmetzger wäre sicher besser, als Schlachthöfe. Alles in allem finde ich es einfach traurig, dass das Tier zur Fabrikationsmasse geworden ist. Die Gefühle und ethischen Werte sind in den letzten Jahren, in vielen Bereichen auf der Strecke geblieben. Besonders was diese ausgenutzten Tiere erleiden müssen, ist völlig daneben.
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