Künstliches Licht behindert natürliches Leben

Die Schweiz wird immer heller. In den vergangenen 20 Jahren haben die Lichtemissionen um 70 Prozent zugenommen. Kaum noch ein Ort, an dem vollständige Dunkelheit erlebbar wäre. Darunter leiden Mensch und Tier. Der Bund schlägt Massnahmen vor, um die sogenannte Lichtverschmutzung einzudämmen.

Lichtverschmutz im Vergleich: Grafik der Schweiz 1994 und 2009.

Bildlegende: Die Lichtverschmutzung in der Schweiz hat drastisch zugenommen: Besonders im Mittelland und den Agglomerationen der Städte wird aus auch nachts nicht mehr wirklich dunkel. Bericht des Bundesrates «Auswirkungen von künstlichem Licht auf die Artenvielfalt»

Künstliches Licht verdüstert die Zukunft der Artenvielfalt. Der Verlust der Nacht bringt Tiere und Menschen aus dem Rhythmus und natürliche Lebensgemeinschaften aus der Balance. Das gilt ganz besonders für die Schweiz, wo mit der Zersiedelung das Licht immer tiefer in die Landschaft hinausgetragen wird. Satellitenbilder der vergangenen 20 Jahre zeigen eindrücklich, wie vor allem das Schweizer Mittelland immer grossflächiger und intensiver in den Nachthimmel strahlt. Die Fläche mit natürlicher Dunkelheit hat sich zwischen 1994 und 2009 von 28 Prozent auf 18 Prozent reduziert.

Zugvögel finden den Weg nicht mehr

Besonders nachtaktive Tiere wie Vögel, Insekten oder Fledermäuse leiden unter dem künstlichen Licht. So kommen Zugvögel, die gewöhnlich in der Nacht fliegen, von ihrer Route ab. Sie orientieren sich am Licht der Sterne. Strahlt intensives Licht von der Erde in den Nachthimmel, verlieren sie die Orientierung. Die Folge: Zugvogel-Schwärme, die irrtümlich entlang beleuchteter Strassen fliegen oder im Lichtkegel von Städten kreisen und nicht mehr herausfinden.

Die Tiere erschöpfen sich und es fehlt ihnen an ausreichender Energie für den Weiterflug. Viele Vögel sterben noch in der Lichtglocke an Erschöpfung. Das gilt auch für Insekten, die stundenlang um Lampen herum schwirren. Allein an einer einzigen Leuchte können in einer Nacht 150 Falter den Tod finden. Dies sind nur einige der Phänomene der zunehmenden Lichtverschmutzung.

Generell verkürzt zu viel künstliches Licht die Nacht. Viele Arten, wie etwa Fledermäuse, fliegen dadurch tendenziell später aus und verlieren auf diese Weise wichtige Zeit zur Nahrungssuche. Das verringert ihre Fitness und gefährdet den Erfolg bei der Aufzucht der Jungen. Auch Fische sind von künstlichem Licht angezogen. Ein Grund dafür, weshalb Fischer in der Nacht ausfahren und mit einer Lampe ihren Fang ins Netz oder an die Angel locken.

Ganze Arten sind vom Aussterben bedroht

Aber nicht nur nachtaktive Tiere geraten wegen des Kunstlichts aus dem Gleichgewicht. Längere Tage und verkürzte Nächte verschieben den Schlüpfrhythmus von Insekten. Vögel im Bereich von Strassenlaternen paaren sich vorzeitig. Sind die Küken geschlüpft, fehlt es an ausreichender Nahrung. Was wiederum die Futtersuche für die Eltern anstrengend und erschöpfend macht.

Doch Kunstlicht stört nicht nur einzelne Arten, sondern die Artenvielfalt insgesamt. Es kommt zu Verschiebungen innerhalb etablierter Lebensgemeinschaften. Räuber-Beute-Beziehungen verändern sich und Nahrungsquellen gehen verloren, entweder weil die Beutetiere durch Kunstlicht dezimiert werden oder schlicht zu einer anderen Zeit aktiv sind. Insbesondere seltene Tierarten sind durch die Veränderungen in ihrem Umfeld schnell vom Aussterben bedroht.

Licht-Preis für Luzern

Licht-Preis für Luzern

Keystone

Die Entwicklung der LED-Leuchten hat zu einem Umbruch in der Beleuchtungstechnik geführt. Sie verbrauchen wenig Strom und lassen sich  präzise ausrichten. Dadurch verringert sich Streulicht. Die Stadt Luzern hat im Rahmen ihres Plan Lumière auf diese Technologie gesetzt und dafür 2010 den internationalen Preis «city.people.light.award» erhalten.

Sendung zu diesem Artikel