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Natur & Umwelt Tötet Armut die Elefanten?

Um die Elefanten zu schützen, sind mehr Nationalparks nicht die Lösung. Zu diesem Schluss kommt ein niederländisch-kenianisches Forscherteam. Viel wichtiger wäre es, den Menschen zu helfen. Denn: Je ärmer ein Land ist, desto weniger Elefanten leben dort.

Ein Afrikanische Elefanten mit einem Jungtier im Addo National Park in Südafrika.
Legende: Bedroht durch Wilderer: Afrikanische Elefanten. Wikipedia/Gorgo

Kaum ein Tier in Afrika ist derart gut durchgezählt, wie der Elefant. «Es existiert eine riesige Datensammlung, die »African Elephant Database«, sagt Fred de Boer von der niederländischen Universität Wageningen. Unzählige Forscher sind durch Savannen und Wälder gestreift, waren in Flugzeugen unterwegs, haben Kot-Reste ausgewertet, um herauszufinden, in welchen Gegenden wieviele Elefanten leben.

De Boer und seine Kollegen haben diese Aufzeichungen nun ausgewertet und mit Daten verglichen, die Aufschluss über das Leben der Menschen in den jeweiligen Regionen geben. Ihr Schluss: Je ärmer und korrupter ein Land ist, desto weniger Elefanten leben auf seinem Territorium. «Ich war überrascht, dass diese Faktoren viel stärker ins Gewicht fallen als das Nahrungsangebot für die Elefanten, sagt de Boer. Auch am Zustand des Bildungssystems lässt sich abschätzen, wie stark Elefanten in einem Land unter Druck sind: Je schlechter die Schulen sind, je höher die Analphabeten-Rate ist, desto weniger Elefanten streifen durch die Landschaft.

«Wir müssen rasch handeln»

De Boer vermutet, dass die Wilderei für diesen Zusammenhang verantwortlich ist. Denn diese gedeihe besonders dann, wenn Regierungen schwach und korrupt und die Menschen arm sind. Dieser Ansicht ist auch Carlos Drews vom WWF: «Korruption ist entscheidend dafür, wie leicht es für Wilderer ist, Elefanten abzuschiessen. Und Korruption geht mit niedriger Bildung und einer schwachen Regierung einher.»

Trotzdem hält der Direktor für Globalen Artenschutz beim WWF wenig davon, im Tierschutz vor allem auf Armutsbekämpfung und Anti-Korruptionsmassnahmen zu setzen, wie de Boer und seine Kollegen es vorschlagen. «Armutsbekämpfung ist eine langfristige Strategie», sagt er. «Aber wir müssen rasch handeln, sonst verlieren wir alle Elefanten Zentralafrikas.»

Jagd nach dem Weissen Gold

In den Wäldern Zentralafrikas – also in Ländern wie dem Kongo, der zentralafrikanischen Republik oder Gabun – töten Wilderer Elefanten in grossem Stil. Eine aktuelle WWF-Studie, Link öffnet in einem neuen Fenster fand, dass allein im Minkébé Nationalpark in Gabun seit 2004 über 11‘000 Elefanten wegen des Elfenbeins getötet wurden – das entspricht zwischen 44 und 77 Prozent der dortigen Population. Das Elfenbein landet vor allem in Asien, etwa in China, wo geschnitztes Elfenbein hochbegehrt ist. «Das meiste Elfenbein, das dort gehandelt wird, ist illegal», sagt Drews.

Wildschützer im Januar 2013 in Kenia mit Stosszähnen, die bei Wilderern beschlagnahmt wurden.
Legende: Einsatz für Elefanten: Wildschützer im Januar 2013 in Kenia mit Stosszähnen, die bei Wilderern beschlagnahmt wurden. Reuters

Es wird auch legal Elfenbein gehandelt, das etwa von thailändischen Elefanten stammt, die nicht bedroht sind. Doch dieser legale Handel ist laut WWF ein Problem. Denn das illegale Elfenbein aus Afrika wird im legalen Handel weiss gewaschen. Solange Elfenbein legal gehandelt werde, floriere auch die Wilderei in Afrika. Und das viele Geld, das durch die Elfenbein-Wilderei in unstabile afrikanische Länder fliesse, sei ein Problem: «Mit dem Einkommen aus dem Elfenbein finanzieren sich Rebellengruppen», sagt Carlos Drews.

Ein Teufelskreis: Eine schwache Regierung kann die Elefanten nicht vor Wilderern schützen, und je mehr Geld aus der Wilderei in ein Land fliesst, desto schwächer wird die Regierung. Im Fazit sind sich WWF-Experte Carlos Drews und Forscher Fred de Boer einig: Die Schicksale von Mensch und Elefant sind unauflöslich miteinander verknüpft. Und das Hauptproblem ist die Wilderei.

3 Kommentare

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  • Kommentar von Ludwig Log, Schweiz
    Endlich Wissenschaftler, die es gemerkt haben. Damit wir die Natur retten können, muss es dem Menschen gut gehen. Also rettet zuerst Afrika, dann die Tiere. Doch woher das Geld. Ich habs, Forbes hat eine Liste von 1200 Milliardären veröffentlicht. Da müsste man jetzt antraben. Laut der gängigen Theorie rettet der Freie Markt, die Afrikaner sowieso, tja na dann müssen wir uns also nur noch um die Tiere kümmern.
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  • Kommentar von S. Nogler, Bever
    Das Problem ist nicht nur die Wilderei, sondern vor allem auch, dass die afrikanische Elefanten gefährliche Tiere sind, welche u.a. auch das Getreide der Kleinbauern fressen können bzw. ganze Felder kahlfressen. Es versteht sich von selbst, dass Kleinbauern um ihre Existenz fürchten müssen, wenn die Elefanten ihre Felder kahlfressen. Daher wäre es wohl sinnvoll, wenn die Kleinbauern soweit unterstützt würden, dass man ihre Felder vor Elefanten schützt.
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  • Kommentar von Beppie Hermann, Bern
    Je ärmer Menschen sind,desto mehr Kinder haben Sie.Habe deshalb schon mehrmals in Bern die Idee angebracht,Frauen in Entwicklungsländern beim Start in ein Kleingewerbe finanz.,sowie bei der Fam'planung mit Rat+Pille zur Seite zu stehen und bei Einhaltung einer 2-Kindfamilie eine Altersrente in Aussicht zu stellen.Auch Männer aufzuklären und in ihrer Selbstständigkeit,zB.in einer gesunden,selbstversorgenden und unabhängigen Landwirtschaft zu unterstützen.Wohin fliessen nur die Gelder?
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