100 Millionen für die Suche nach intelligentem Leben im All

Die Suche nach ausserirdischen Zivilisationen bekommt eine kräftige Finanzspritze von 100 Millionen Dollar. Das verkündeten der Astrophysiker Stephen Hawking und der russische Unternehmer Juri Milner. Für das Projekt sollen Sterne der Milchstrasse und einhundert weiterer Galaxien untersucht werden.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Zwei der leistungsfähigsten Radioteleskope der Welt und ein optisches Teleskop sollen noch schwächere Signale als bisher finden
  • Abgesucht werden die Millionen erdnächste Sterne, Zentrum und Ebene der Milchstrasse und die 100 nächsten Galaxien
  • Die Daten und Software zur Analyse sind offen für Dritte
  • Das Programm soll 10 Jahre dauern und wird mit 100 Millionen Dollar gefördert

Sind wir alleine im Universum? Um eine Antwort darauf zu finden, lauschen Forscher schon seit 1960 nach Signalen von Ausserirdischen – bisher ohne Ergebnis. Nun soll die Suche intensiviert werden und dafür gibt es eine kräftige Geldspritze.

Juri Milner vor einem Mikrophon.

Bildlegende: Juri Milner auf der Pressekonferenz in London: Sein Geld bedeutet für die SETI-Forscher eine stabile Finanzierung für die nächsten zehn Jahre Screenshot

Der russische Unternehmer Juri Milner spendet 100 Millionen US-Dollar für die Initiative «Breakthrough Listen». Das verkündete er gemeinsam mit dem Astrophysiker Stephen Hawking und anderen renommierten Astronomen in der Royal Society in London.

Das Geld solle die grösste wissenschaftliche Suche nach Zeichen intelligenten Lebens unserer Erde ermöglichen, sagte Milner: «An einem einzigen Tag werden mehr Daten aus dem All gesammelt werden, als in bisherigen Projekten in einem ganzen Jahr». Die Suche soll zehn Jahre laufen und an der University of California in Berkeley angesiedelt sein.

«Es muss anderes Leben geben»

«In einem unendlichen Universum muss es anderes Leben geben», sagte Stephen Hawking, der das Projekt als Berater unterstützt, in seiner Rede. Von einem wunderbaren Meilenstein sprach Frank Drake, der Gründer des SETI-Instituts, das sich seit den 1960er-Jahren der Suche nach ausserirdischen Zivilisationen widmet: «Zum ersten Mal werden wir eine stabile Finanzierung haben. Wir können die talentiertesten Leute einstellen für die leistungsfähigste und dauerhafteste Suche, die jemals gestartet wurde».

Das Green-Bank-Teleskop

Bildlegende: Green-Bank-Teleskop: Mit einem Durchmesser von 100 Metern gehört das Radioteleskop zu den grössten und empfindlichsten weltweit. Reuters

Drake leitet das Projekt gemeinsam mit anderen Astronomen wie Geoff Marcy, dem Entdecker vieler Exoplaneten, also Planeten ausserhalb unseres Sonnensystems.

Suche mit den besten Radioteleskopen

Für die Suche stehen zwei der grössten und leistungsfähigsten Radioteleskope der Welt zur Verfügung: das Green-Bank-Teleskop im US-Staat West Virginia und das Parkes-Teleskop in Australien.

Weil die Teleskope besonders empfindlich sind, können noch schwächere Signale über eine noch grössere Bandbreite von Radiofrequenzen durchsucht werden als bisher. Signale könnten damit selbst dann empfangen werden, wenn Zivilisationen von einem der 1000 nächsten Sterne nur mit einem gewöhnlichen Flugzeug-Radar kommunizieren würden.

Ausserdem könne ein Zehnfaches des Himmels abgesucht werden als bei vorhergehenden Programmen, und das Fünffache des Radiospektrums hundertmal schneller gescannt werden. Zudem wird ein optisches Teleskop nach Laser-Signalen suchen.

Neue Planeten geben neue Hoffnung

Der Zeitpunkt für die Verkündung kommt nicht von ungefähr, denn offenbar profitiert das Projekt von frei gewordenen Beobachtungszeiten auf den Radioteleskopen. Ausserdem ist die Entdeckung neuer Exoplaneten in den letzten Jahren in den Himmel geschossen, das hat die Hoffnung auf ausserirdische Zivilisationen neu genährt. Ein wichtiger Grund ist auch, dass den Forschern heute mehr Rechenleistung zur Verfügung steht als je zuvor.

Alle können mitmachen

Das Projekt wird eine Flut an neuen Daten hervorbringen. Um sie durchsuchen und analysieren zu können, wurde «Breakthrough Listen» als Open-Source-Programm entwickelt, das heisst, alle gesammelten Daten sind öffentlich zugänglich. Leistungsstarke Software soll zur Verfügung gestellt werden, mit der jeder die Daten durchforsten kann.

Mit der Unterstützung des SETI@home-Projekts der Universität in Berkeley wurde auch gleich noch der grösste Computer der Welt mit ins Boot geholt. Er besteht aus den Rechnern von 9 Millionen Freiwilligen rund um die Welt, die SETI@home ihre Computerleistung zur Verfügung stellen, um astronomische Daten auf Signale von Ausserirdischen zu untersuchen.

«Lieber keinen Ausserirdischen begegnen»

Mit dem 100-Millionen-Projekt soll zwar die Suche nach Signalen angetrieben, aber es sollen keine Botschaften ins All gesendet werden. Seit Jahren gibt es in der SETI-Gemeinschaft einen Streit, ob es klug ist, aktiv nach ausserirdischem Leben zu suchen und sich so bemerkbar zu machen. Stephen Hawking selbst machte 2010 seine Bedenken öffentlich: «Wir müssen nur auf uns selbst schauen, um zu sehen, wie sich aus intelligentem Leben etwas entwickelt, dem wir lieber nicht begegnen möchten.»

Zu dieser Uneinigkeit gehört auch die Frage, wie eine Botschaft aussehen sollte, damit eventuelle Empfänger keinen falschen – im schlimmsten Falle bedrohlichen – Eindruck von uns bekommen. Was sind die ethischen Bedenken und in welcher Sprache sollen wir überhaupt kommunizieren?

Noch mehr Preisgeld

Um diese Frage zu beantworten, wurde ein zweites Projekt namens «Breakthrough Message» ins Leben gerufen. Es soll zu einem späteren Zeitpunkt starten. Geplant ist ein internationaler Wettbewerb, um digitale Botschaften zu entwickeln, mit der die Menschheit und der Planet Erde für extraterrestrische Zivilisationen dargestellt werden können. Die Preisgelder liegen bei einer Million US-Dollar. Ins Weltall gesendet werden soll die Gewinner-Botschaft aber nicht – zumindest noch nicht.

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Die Suche nach Ausserirdischen

SETI – Search for Extraterrestrial Intelligence – startete 1960, als der Astronom Frank Drake erstmals versuchte, interstellare Radioübertragungen einzufangen. Seitdem beschäftigen sich verschiedene wissenschaftliche Projekte mit der Suche. 1993 stellte die Nasa ihr SETI-Programm ein. SETI wird heute v.a. von privaten Geldern finanziert.

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