Alkoholfrei: Biercharme ohne Rausch und Sucht

Vom Urgebräu «Perplex» bis zu Hightech-Bieren für den Massenmarkt: Die Geschichte des alkoholfreien Biers begann hierzulande vor mehr als einem Jahrhundert. In der Schweiz noch immer ein Nischenprodukt, ist das «gesunde» Bier anderswo weitaus beliebter. 10 Fakten zum trendigen Getränk.

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      Die Ersten ohne Suchtgefahr

      Die Brauerei Haldengut in Winterthur hat bereits 1908 eine alkoholfreie Alternative zu Bier aus Malz und Hopfen hergestellt. Nach Ansicht des damaligen Brauereibesitzers war es ein «ganz annehmbares Produkt, wenn es kalt getrunken wurde» – eine scheinbar selbstkritische Äusserung. Die Konsumenten liess das Gebräu namens «Perplex» jedenfalls perplex zurück. Es verschwand nach fünf Jahren wieder vom Markt. Die Brauerei Gurten entwickelte dann in den 1930er-Jahren ein alkoholfreies Bier namens «Ex-Bier». (Quelle: Buch «Bier und wir», Matthias Wiesmann)

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      Promille-Grenze als Absatzmotor

      Mit der Einführung der Blutalkohol-Grenzwerts von 0,8 Promille in der Schweiz, kam in den 1960er-Jahren der Boom. Immer mehr Brauereien brachten ihre eigenen alkoholfreien Biere auf den Markt. Die Schweizer Brauereien waren damit weltweit Vorreiter – und ihre Produkte wurden mit Erfolg in die ganze Welt exportiert. (Quelle: «Bier und wir»)

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      Durst auf Alkoholfrei steigt – im Ausland

      Alkoholfreies Bier mausert sich heute immer stärker zum Trendgetränk. In Deutschland hat sich der Ausstoss der Brauereien in den letzten Jahren fast verdoppelt. Und in Spanien ist schon mehr als jedes zehnte verkaufte Bier ein Alkoholfreies. In der Schweiz hingegen stagniert der Marktanteil dieser Produkte mangels Zuspruch der Kundschaft seit Jahren bei rund drei Prozent.

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      Vorher oder nachher? Die Brauverfahren

      Grundsätzlich gibt es zwei Methoden, um alkoholfreies Bier herzustellen. Entweder entzieht man den Alkohol nach der Gärung durch ein Destillations- oder Filterverfahren. Oder man lässt ihn gar nicht erst entstehen beziehungsweise stoppt die Gärung frühzeitig. Dann wird das Bier bei einem Alkoholgehalt von höchstens 0,5 Volumenprozent auf 0 Grad Celsius abgekühlt und man entnimmt die Hefe, die Zucker in Alkohol und Kohlensäure spaltet.

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      Überschüssiger Alkohol – clever genutzt

      Feldschlösschen nutzt den Restalkohol, der bei der Produktion von alkoholfreiem Bier anfällt, seit 2008 zur Wärmegewinnung. Damit spart das Unternehmen nach eigenen Angaben jährlich rund 690‘000 Liter Heizöl. Andere Brauereien verkaufen den Restalkohol an die Essigindustrie oder nutzen ihn als Desinfektionsmittel für ihre Bierflaschen.

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      Alkoholfrei ist nicht immer 0,0

      Nur wenn «0,0» draufsteht, ist auch 0,0 drin: Obwohl sie «alkoholfrei» heissen, enthalten viele Biere meist noch eine geringe Menge Alkohol. Gemäss Schweizer Deklarationspflicht darf der Alkoholgehalt bis 0,5 Volumenprozent betragen. Anfang der 70er-Jahre wurde deshalb angezweifelt, ob alkoholfreie Biere aufgrund des Restalkohols für Autofahrer wirklich geeignet sind. In einem spektakulären Test wurden diese Zweifel ausgeräumt: Probanden tranken innerhalb kurzer Zeit mehrere Flaschen alkoholfreies Bier, doch im anschliessenden Bluttest war kein Alkohol feststellbar. (Quelle: «Bier und wir»)

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      Restalkohol für Mannsbilder

      Männerbild gestern und heute: Während mässiger Alkoholkonsum heute trendy ist, wollte der Marketingleiter der Brauerei Hürlimann im Jahr 1966 bei der Markteinführung ihres alkoholfreien Bieres ausdrücklich darauf hinweisen, dass ein Rest von Alkohol enthalten ist. Er wollte damit jene Männer beruhigen, die ihre Männlichkeit durch Bier ohne Alkohol bedroht sahen. (Quelle: «Bier und wir»)

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      Bis 0,5 Prozent in vielen Getränken

      Wenn zuckerhaltige Früchte vergären, entsteht Alkohol. Der Gärprozess beginnt oft schon, bevor die Früchte zu Saft gepresst werden. Deshalb gilt für alle alkoholfreien Getränke die Obergrenze von 0,5 Volumenprozent Alkohol. (Sirup darf weit mehr enthalten, da die trinkfertige Verdünnung massgebend ist.) Doch nicht nur Fruchtsäfte können Alkohol enthalten, sondern auch vergorener Tee wie Kombucha. Bei der Vergärung des zuckerhaltigen Tees mit dem Kombucha-Pilz, einer Symbiose verschiedener Hefe und Essigsäurebakterien, entsteht ebenfalls Alkohol. Auch für dieses Getränk gilt der Grenzwert von 0,5 Volumenprozent. (Quelle: «BA für Lebensmittelsicherheit»)

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      Toastbrot mit bis zu 3 Prozent Alkohol

      Die Weissbrotscheiben enthalten in frischem Zustand bis zu 1,5 Prozent Ethanol (Alkohol), der von der natürlichen Hefegärung herrührt. Einigen Produkten wird noch zusätzlich Ethanol als Konservierungsmittel zugegeben. Sie enthalten ungetoastet über 2 Prozent. Bei einem Test des Kantonalen Labors Zürich erzielte ein Produkt einen Alkoholgehalt von 2,8 Prozent – ein zulässiger Wert. Doch beim Toasten verschwindet der Alkohol fast vollständig. (Quelle: Kantonales Labor Zürich)

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      Jedermann produziert Alkohol

      Auch der menschliche Körper produziert durch Stoffwechselvorgänge Alkohol. Unser natürlicher Alkoholspiegel im Blut liegt bei rund 0,03 Promille.

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Bier zum Fussball: Geht's auch alkoholfrei?

7:09 min, aus Einstein vom 5.6.2014