Das Origami-Mikroskop

Amerikanische Forscher haben einen Bastelbogen entwickelt, aus dem sich innert Kürze ein Mikroskop aus Karton falten lässt. Das soll die Diagnose von Krankheiten in abgelegenen Gebieten von Entwicklungsländern revolutionieren.

Eine Schere, Klebeband, vorgefertigte Pappkomponenten und weiteres Zubehör für das Origami-Mikroskop, das sich in kurzer Zeit selbst herstellen lässt.

Bildlegende: Wir basteln uns ein Mikroskop: Mit dem abgebildeten Zubehör lässt sich das optische Origami-Gerät in kurzer Zeit herstellen. James S. Cybulski, James Clements, Manu Prakash / PLOS ONE

Viele Krankheitserreger wie Würmer, Bakterien oder auch der Malariaerreger lassen sich nur unter dem Mikroskop dingfest machen. Für eine Krankheitsdiagnose ist das unerlässlich. Doch für den Einsatz in abgelegenen Gebieten von Entwicklungsländern sei ein herkömmliches Mikroskop zu schwer und zu unhandlich, findet der Biologe Manu Prakash von der Stanford University in den USA, und es koste vor allem viel zu viel.

Ein Kind hält das Origami-Mikroskop zum Selberbasteln vor die Augen.

Bildlegende: Handlich und simpel: Die Bedienung des Instruments können offenbar auch Kinder lernen. James S. Cybulski, James Clements, Manu Prakash / PLOS ONE

Ein Mikroskop für einen Franken

Prakash hat deshalb ein Mikroskop entwickelt, das sich aus einem Kartonbastelbogen herauslösen und zusammenfalten lässt – angelehnt an die alte japanische Faltkunst «Origami». Zusätzlich zum Karton braucht es nur eine mitgelieferte – übrigens in der Schweiz hergestellte – Linse, ein LED-Lämpchen mit Knopfbatterie und ein wenig Klebeband. Alles zusammen kostet nicht mal einen Franken.

Das Origami-Mikroskop wiegt nur wenige Gramm und ist extrem robust. Man kann es fallen lassen oder darauf herumtrampeln, ohne dass es kaputt geht. Es sieht denn auch nicht wie ein herkömmliches Mikroskop aus, sondern eher wie eine Kartonbrille.

Die Verwendung ist ebenso simpel wie das Gerät selbst: Man muss das Mikroskop direkt vor das Auge halten, und die Sehschärfe stellt man mit leichtem Druck beider Daumen ein.

«Innovativer Ansatz, aber…»

Das Origami-Mokroskop sei ein sehr innovatives Instrument, findet die Biologin Jennifer Keiser vom Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut in Basel. Sie forscht selbst oft an abgelegenen Orten an neuen Medikamenten gegen tropische Wurmkrankheiten.

Doch sie sieht auch einige Probleme. Einerseits müsse das Karton-Mikroskop erst einmal zeigen, dass es vergleichbare Resultate wie ein herkömmliches Mikroskop liefern könne. Zudem eigne es sich nicht für längeres Arbeiten, da man es mit beiden Händen halten müsse und so keine Hand mehr frei habe – für wichtige Tätigkeiten wie das Zählen von Erregern oder, um Befunden zu notieren.

Nützlich für Einsatz in Notfällen

Auch die tiefen Kosten relativiert Keiser: Ein herkömmliches Mikroskop koste zwar viel mehr, halte dafür aber auch viel länger. Doch für schnelle Diagnosen von lebensbedrohlichen Krankheiten wie Malaria könnte das Faltkarton-Mikroskop durchaus sehr hilfreich sein, glaubt Jennifer Keiser.

Kaufen kann man das Origami-Mikroskop noch nicht. Es ist aber bereits patentiert und befindet sich zurzeit in der Testphase. Sobald sie erfolgreich abgeschlossen ist, soll das Gerät in Serienproduktion gehen.

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Origami-Mikroskop: Bastel-Anleitung im Film (PLOS ONE)

2:26 min, vom 24.6.2014