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Technik Dreckschleuder auf zwei Rädern

Wer einmal mit einem Fahrrad hinter einem alten Puch- oder Ciao-Moped gestanden hat, weiss: Die Stoffe, die aus dem Auspuff kommen, sind nicht gesund. In der Schweiz gibt es nicht mehr viele der alten Zweitakter-Mopeds. Das ist in vielen Städten Südeuropas, Asiens und Afrikas anders.

Legende: Video Töffli-Motoren sind buchstäblich Dreckschleudern abspielen. Laufzeit 02:16 Minuten.
Aus Tagesschau vom 13.05.2014.

In vielen Ländern sind Töffli die wichtigsten Fortbewegungsmittel: Sie sind klein, verbrauchsarm und auch im Stau kommt man damit am besten vorwärts. Doch die kleinen Zweiräder stehen auf Platz 1 der Luftverpester.

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Legende: Gesundheitsrisiko Töffli: In Bangkok sind die Zwei-Takt-Mopeds für mehr als 70 Prozent aller Abgase verantwortlich. SRF

Das zeigt eine vom Paul Scherrer Institut (PSI) veröffentlichte Studie, Link öffnet in einem neuen Fenster. Hauptverursacher für die Feinstaubbelastung sind demnach in vielen Regionen Asiens, Afrikas und Südeuropas nicht, wie vermutet, Autos und LKWs, sondern Zweitakt-Mopeds. In der thailändischen Hauptstadt Bangkok beispielsweise beträgt der Anteil der Mopeds an den verkehrsbedingten primären organischen Aerosolen rund 60 Prozent – wobei nur etwa zehn Prozent des Brennstoffverbrauchs der Acht-Millionen-Stadt auf die Zweiräder entfallen.

Moped in der Smog-Kammer

In einer speziell entwickelten Smogkammer haben die Forscher am PSI die Auspuffgase detailliert untersucht. «Was bei den Töfflis aus dem Auspuff kommt, ist gesundheitsgefährdend – Zweitaktmotoren sind wahre Dreckschleudern», resümiert André Prevot, der Leiter der Studie. Pro Liter Benzin kämen bei den Zweitakter-Töffli rund zehn bis tausend mal mehr krebserregende Gase heraus als bei allen Personenwagen.

Die Forscher machten ihre Messungen mit alten europäischen Mopeds. Sie vermuten, dass der durchschnittliche Emissionswert der Zweiräder, die in Städten wie Bangkok im Verkehr sind, sogar noch höher ist.

Die Töffli stossen grosse Mengen an organischen Aerosolen und Aromaten aus (siehe Box), die weit über den in Europa und den USA zulässigen Grenzwerten liegen. Das Problem entsteht durch die Arbeitsweise der Zweitakt-Motoren: die unvollständige Verbrennung, das hohe Verhältnis von Brennstoff zu Luft in der Treibstoffmischung oder die Notwendigkeit, das Schmieröl direkt dem Brennstoff beizumischen.

Elektro-Töffli schaffen Abhilfe

Was es bringt, die Luftverschmutzer aus dem Verkehr zu ziehen, zeigt das Beispiel der chinesischen Stadt Guangzhou. 2005 wurden die Zwei-Takt-Mopeds verboten, die Menschen fahren nun elektrisch. «Benzol oder andere krebserregende Substanzen sind seitdem um 80 Prozent gefallen», sagt André Prevot. Nur 50 Kilometer weiter, im vergleichsweise verkehrsberuhigten Dongguan, misst man heute höhere Konzentrationen als in Guangzhou.

Für die Forscher klar: Zweitakt-Motoren müssen ersetzt werden. Sie sehen die Zukunft bei den Elektro-Mopeds, denn auch die Viertakter seien nicht ganz unbedenklich.

Organische Aerosole

Die kleinen Partikel schweben in der Luft und machen einen Grossteil des Feinstaubs aus dem Verkehr aus. Aromatische Kohlenwasserstoffe, kurz Aromaten, werden als gasförmige Stoffe emittiert. Sie können sich anschliessend zu sekundären organischen Aerosolen, also Feinstaub, umwandeln. Das Aromat Benzol ist schon in gasförmiger Form krebserregend.

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