«Hightech muss keine Blackbox sein»

Mit dem 3-D-Drucker neue Schachfiguren herstellen oder selbst ein Ladegerät fürs iPhone fabrizieren: Wie das geht, erfährt man in «FabLabs». Diese Zentren für digitales Werken bringen Hightechwissen unters Volk – seit kurzem auch in Zürich.

Im FabLab in Zürich sind Tüftlerinnen und Bastler unter sich.

Bildlegende: Tüftlerinnen und Bastler unter sich: Im FabLab in Zürich arbeiten Gleichgesinnte an technologischen Ideen und Lösungen. Christoph Laib

FabLab heisst so viel wie «Fabrikations-Labor». Hier darf ausprobiert und produziert werden – mit Geräten, die bisher nur die Profis kannten: Computergesteuerte Fräsen, Laser-Cutter oder 3-D-Drucker gehören zur Standardausrüstung eines FabLabs. Mit solchen Hightechmaschinen können nun auch Laien erstaunliche Dinge herstellen – einen dreidimensional ausgefrästen Holztannenbaum zum Beispiel oder bunte Vasen, Spielfiguren und feinste Zahnräder aus Plastic.

Die Maschinen der Zukunft nutzen

Das Knowhow zu den Maschinen liefern die FabLabs gleich mit – mit Kursen und Workshops vor Ort. «Hightech muss keine Blackbox sein», sagt Wolfgang Szabó vom FabLab Zürich, «das wollen wir den Leuten beweisen und sie animieren, mit den digitalen Maschinen kreativ zu werden». Szabó ist einer von elf Männern und einer Frau, die seit Dezember das FabLab Zürich als gemeinnützigen Verein betreiben. Mit eigenen Geldbeiträgen haben sie den Betrieb in einem alten Gewerbebau etwas abseits des Stadtzentrums auf die Beine gestellt. Sponsoren und die FabLab-Benutzer und -Benutzerinnen sollen mit der Zeit die Kosten decken.

FabLab-Mitbegründer Wolfgang Szabó arbeitet am Computer.

Bildlegende: Ein wenig Knowhow ist nötig: FabLab-Mitbegründer Wolfgang Szabó am Computer. Christoph Laib

Gegen eine Jahresgebühr und stundenweise Maschinenmiete kann, wer will, Neues ausprobieren: zum Beispiel den 3-D-Drucker. Mit flüssigem Kunststoff baut diese Maschine dreidimensionale Gegenstände auf; Schicht für Schicht wächst so zum Beispiel eine Figur in die Höhe. Welche Form sie hat, lässt sich am Computer bestimmen. Anfänger laden dazu aus dem Internet einen Bauplan herunter, Fortgeschrittene erstellen den Bauplan selbst, als digitales Modell am Computer.

Praktischer Zusatz für das iPhone

Auch einen neuen Umgang mit altbekannten Geräten zeigt das FabLab auf. Mit Zangen und Lötkolben hat eine Workshop-Gruppe kürzlich ein batteriegespiesenes tragbares Aufladegerät fürs iPhone gebastelt. Das sei praktisch für Leute mit schon älteren iPhones, die nicht gleich ein neues Gerät kaufen wollen, nur weil der Akku sich nicht auswechseln lässt, erklärt Wolfgang Szabó. Ein solcher Workshop bietet also über rein technische Kenntnisse auch eine gewisse Befriedigung für Menschen, die sich über das Wegwerfdiktat der kommerziellen Grossanbieter nerven.

Im FabLab entstehen nützliche Dinge wie eine tragbares Ladegerät für das iPhone.

Bildlegende: Ärgerlich für Apple: Ein Self-Made-Ladegerät für das iPhone. Christoph Laib

Überhaupt wollen FabLabs mehr sein als blosse Vermittlungsstellen für digitales Wissen und Werken. Aus dem einstigen Pionier-FabLab des kalifornischen Physikers Neil Gershenfeld vom Massachusetts Institute of Technology (MIT), ist heute, zehn Jahre später, eine Bewegung mit über 150 FabLabs weltweit geworden. Dazu zählen, nebst dem FabLab Zürich, auch die älteren Schweizer FabLabs in Luzern und Neuenburg.

Bastler und Tüftlerinnen vernetzen sich

Das Ziel dieser Bewegung sei es, «gemeinsam etwas zu produzieren statt zu konsumieren», erklärt Christoph Laib vom FabLab Zürich. Oder wie es die FabLabs in einer gemeinsamen Charta festhalten: Sie wollen den Erfindergeist fördern. Sie bieten dazu gemäss Charta «eine Grundausstattung von Basisfunktionen, die es erlauben, (beinahe) alles herzustellen». Und sie fordern: Das Wissen, das zu einer Erfindung führt, soll nach dem Open-Source-Prinzip frei zugänglich sein. Eine Erfindung darf also geschützt und verkauft werden. Doch für nicht-kommerzielle Zwecke sollen die Entwürfe und Verfahren einsehbar bleiben, damit andere findige Köpfe rund um den Globus sie weiterentwickeln können. So werden mit der Zeit immer mehr nützliche Dinge für immer mehr Leute zugänglich, lautet die Philosophie.

Schicht für Schicht entstehen nach digitalen Vorlagen dreidimensionale Gegenstände.

Bildlegende: 3-D-Drucker im Einsatz: Schicht für Schicht entstehen nach digitalen Vorlagen die gewünschten Objekte. Christoph Laib

Noch ist es nicht ganz soweit. Der 3-D-Drucker im FabLab im Zürcher Kreis 4 benötigt gut und gern eine halbe Stunde, um eine Spielfigur herzustellen. Und um raffinierte, selbst designte Gegenstände computergesteuert zu produzieren, braucht es ein gewisses Flair für Technik. Doch die Hightechmaschinen werden rasant besser und benutzerfreundlicher. Und die FabLab-Bewegung wächst weiter – ebenso wie die Palette ihrer Produkte, die auf Internet-Plattformen wie Thingiverse zum kostenlosen Download und zum Weiterentwickeln zur Verfügung stehen. Gemeinsames Basteln und Tüfteln mit digitalen Maschinen – was daraus in Zukunft entstehen wird, ist noch offen. Doch mit ihrem Angebot treffen die FabLabs offensichtlich den Zeitgeist.

So geht's

Die SRF Digital-Redaktion hat mit einem 3D-Drucker einen Gegenstand ausgedruckt: Hier ihre Erfahrungen.

Und auch den Schritt, wie ein reales Objekt in ein 3D-Modell umgewandelt wird - um es später wieder ausdrucken, gewissermassen kopieren zu können: