Kerosin aus Sonnenlicht

Seit drei Jahren arbeiten Forscher der ETH Zürich zusammen mit Kollegen aus Deutschland und Frankreich daran, einen Treibstoff aus Solarenergie, Wasser und CO2-Gas herzustellen. Vor wenigen Tagen wurde das erste Sonnen-Kerosin produziert – ein halber Deziliter.

Ein Flugzeug fliegt vor der untergehenden Sonne.

Bildlegende: Vielleicht werden Flugzeuge dereinst mit umweltfreundlichen Kerosin aus Sonnenenergie, Wasser und CO2 am Himmel fliegen. Reuters

20'000 Liter Sonnen-Kerosin könnten dereinst täglich hergestellt werden – von einem Quadratkilometer Spiegelfläche einer Solaranlage; und mit Rohstoffen, die im Überfluss vorhanden sind. Das ist die Hoffnung der Forscher des europäischen Projekts Solar-Jet.

Zurzeit ist das noch Zukunftsmusik. Erst vor wenigen Tagen haben die Forscher erfahren, dass ihr Projekt überhaupt funktioniert. In einem Solarreaktor haben sie aus konzentriertem Sonnenlicht, Wasser und CO2 sogenanntes Synthesegas hergestellt, das aus Wasserstoff und Kohlenmonoxid besteht. 750 Liter des Gases schickten sie in einem Druckbehälter nach Amsterdam, in ein Forschungszentrum von Shell. Dort wurde aus dem Gas mit einer etablierten Methode – dem Fischer-Tropsch-Verfahren – Kerosin hergestellt.

Anwendung im grösseren Stil ist möglich

50 Milliliter Kerosin sind bei diesem ersten Durchgang entstanden. Nicht genug, um damit irgendwohin zu fliegen. Doch darum ging es auch nicht, sagt Daniel Marxer, Mitarbeiter des Projekts an der ETH Zürich: «Unser Ziel war, die Gesamtproduktionskette von Wasser, CO2 und Solarenergie zu Kerosin zu zeigen».

Dass es funktioniert, haben sie bewiesen. Nun wollen die Forscher ihre Solarreaktor-Technologie optimieren und das Potenzial für eine industrielle Anwendung ausloten.

«Aus technischer Sicht ist die Anwendung des Verfahrens in grösserem Stil durchaus möglich», sagt Daniel Marxer, «doch es ist eine Kostenfrage». Um dereinst ganze Flugzeuge mit dem neuen Treibstoff zu versorgen, wären immense Flächen nötig. Mit 20'000 Litern Kerosin, die einst pro Quadratkilometer Spiegelfläche hergestellt werden sollen, kommt ein voll beladener Airbus A330 gerade einmal 2500 Kilometer weit.

Umweltfreundliche Zukunft

Auch in Umweltfragen wird optimiert: Die Forscher wollen das notwendige CO2 über Abscheidungstechnologien – durch Separation von Luft – beispielsweise aus der Atmosphäre gewinnen. So könnte der komplette Prozess CO2-neutral werden.

Marxer hofft, dass der Sonnen-Treibstoff in 30 bis 50 Jahren die Treibstoffe auf Erdölbasis ersetzen kann. Dann sollen nicht nur Flugzeuge, sondern auch Autos mit Sprit aus Sonnenenergie fahren.