Mehr Maschine als Mensch

Für eine TV-Dokumentation haben Medizintechniker zwei Jahre lang an einem bionischen Menschen gebastelt. Herausgekommen ist Rex: ein Sammelsurium aus zusammengeschraubten Hightech-Prothesen – mit einem Gesicht aus Zürich.

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Künstlicher Mensch - Wunderwerk der Technik

5:16 min, aus Puls vom 18.2.2013

Seine Arme und Beine sind Hightech-Prothesen. Sein Herz ist künstlich. Durch seine Gefässe fliesst Blut aus Nano-Partikeln. Sein Name: Rex – der weltweit erste bionische Mensch, der nur aus Prothesen besteht. Der Forscher Bertolt Meyer vom Institut für Wirtschafts- und Sozialpsychologie der Universität Zürich betreute das Projekt des «Bionic Man» auch aus ureigenem Interesse. Seit seiner Kindheit trägt er selbst einen Hightech-Ersatz für seinen Arm.

Organe und Gliedmassen im Zusammenspiel

Der Bionic Man ist ein Sammelsurium aus zusammengeschraubten Prothesen. Angeblich das Beste, was die Medizintechnik bislang hervorgebracht hat. Rex soll zeigen, was heute alles machbar ist. Fast zwei Jahre lang bauten die Forscher die Komponenten so zusammen, dass sie wie in einem echten Körper funktionieren. Doch die Experten mussten bald feststellen, dass sich die Natur nicht einfach kopieren lässt: Für sich alleine funktionierende Komponenten so zu montieren, das sie optimal miteinander arbeiten, war extrem schwierig.

Der abgebildete künstliche Mann Rex besteht aus modernen Prothesen, künstlichen Organen und hat künstliches Blut in seinen «Adern».

Bildlegende: High-Tech-Collage: Rex besteht aus modernen Prothesen, künstlichen Organen und hat künstliches Blut in seinen «Adern». Reuters

Schliesslich gelang das «Nichtmachbare»; sogar künstliche Organe wie eine Niere oder ein Herz verrichten ihre Arbeit im Kunstkörper. Besonders faszinierend für Bertolt Meyer: das künstliche Blut aus Nanopartikeln. Es wird derzeit sogar im Bioversuch in einem Labor in England getestet. Dereinst könnte es zum Einsatz kommen, wenn keine Spender mit der richtigen Blutgruppe zu Verfügung stehen.

Zudem trägt Rex eine mit Mikrochips ausgestattete Brille, die Bilder in elektrische Impulse umwandelt, mit denen sich die bionischen Prothesen steuern lassen: ein Bereich, mit dem sich auch Forscher an der ETH Zürich befassen. Hier werden unter anderem die sensorisch-motorischen Interaktionen zwischen Mensch und Maschine untersucht. Aktuelles Resultat der Arbeit am Institut für Robotik und Intelligente Systeme: eine Prothese fürs Kniegelenk, die elektrische Körperimpulse steuern.

Weit entfernt vom künstlichen Menschen

Einzelne Prothesen können also heute schon problemlos verloren gegangene Funktionen beim Menschen übernehmen. Vom täuschend menschlichen Androiden à la Star Trek ist man allerdings noch meilenweit entfernt. Zumal dem «bionischen Mann» etwas Entscheidendes fehlt: ein Gehirn. Dafür gibt es noch keinen künstlichen Ersatz.

Und so hat Roboter Rex zwar ein menschliches Gesicht – nämlich das von Forscher Meyer –, bleibt aber doch nur eine Hightech-Prothesen-Wanderausstellung für die Medizintechnik. Aktuell zu bestaunen im Londoner Science Museum.

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