Schweizer Autobahnbrücken am Limit

Über ein Drittel der Brücken im Schweizer Strassennetz wurden nach Berechnungen und Normen der 1950er-Jahre gebaut. Doch die sind längst überholt. Die Brücken haben den starken Belastungen bisher standhalten können. Damit das so bleibt, werden sie regelmässig kontrolliert.

Die Autobahnbrücke der A9 über die Rhone in Sion von unten gesehen.

Bildlegende: Stabiles Bauwerk: Doch jede Autobrücke hat eine Lebensdauer. Um die möglichst hoch zu halten, werden sie engmaschig kontrolliert. Keystone

Die Schweiz ist ein Brückenland. 3400 gibt es allein im Nationalstrassennetz – rund zwei pro Kilometer. Die Lebensdauer der meisten Brücken ist auf hundert Jahre angelegt; viele sind nun in ihrer zweiten Lebenshälfte angelangt. Gleichzeitig hat sich der Verkehr in den letzten 50 Jahren gut verfünffacht. Bis 2030 ist mit einer Zunahme von weiteren 15 bis 30 Prozent zu rechen. Das bringt eine ganze Brückengeneration an ihre Grenzen.

«Wir werden Lösungen finden», sagt David Wetter, Planungsverantwortlicher beim Astra, «es wird nicht passieren, dass man plötzlich zum Schluss kommt, dass alle alten Brücken zu schwach sind und neu gebaut werden müssen. Aber wir müssen immer engmaschiger kontrollieren und die Brücken noch vermehrt verstärken.»

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Gefährdete Strassenbrücken

9:31 min, aus Einstein vom 10.4.2014

Kostspielige Brückensanierungen

Ein Quadratmeter Brücke zu sanieren, ist rund 20 Mal teurer als einen Quadratmeter normale Strasse. Hunderte Millionen Franken verschlingen Sanierung und Unterhalt von Brücken jährlich – bis zu einem Drittel der gesamten Aufwendungen von 1,2 Milliarden für den Unterhalt des Nationalstrassennetzes.

Die Überwachung der Brücken ist nicht nur vom Sicherheitsaspekt her wichtig, sondern hilft auch Kosten zu sparen. Wenn beispielsweise Chlorid vom Streusalz in den Beton eindringt, korrodieren die Stahlverstärkungen im Innern der Brücke schneller. Wird der Schaden nicht rasch behoben, nimmt er exponentiell zu. Die Kosten explodieren.

Die Brücken der Nationalstrassen werden deshalb zweistufig überwacht. Zuerst durch die regelmässige Sichtkontrolle mindestens ein Mal pro Jahr, bei der Fachleute die Brücken auf offensichtliche Schäden kontrollieren. Dazu kommt alle fünf Jahre eine Hauptinspektion. Bei Anzeichen von Korrosion beispielsweise geben Bohrungen im Beton und elektrische Widerstandsmessung Aufschluss über den Zustand der Brücke.

Panzereinsatz für Brückensicherheit

In speziellen Fällen kommt es auch zu Sonderinspektionen. Eine der spektakulärsten Messungen war 2007 die Deformations-Untersuchung des Felsenau-Viaduktes der A1 zwischen Bern-Neufeld und Wankdorf. Im Auftrag des Astra rollten 57 Tonnen schwere Panzer über die Brücke. Die Messungen gaben Aufschluss darüber, was nötig ist, um das bald 40-jährige Bauwerk für die nächsten 60 bis 70 Jahre funktionstüchtig zu erhalten.

So wurden bei der Gesamterneuerung der Stadttangente Bern Nord 21 Sensoren im Felsenau-Viadukt installiert, welche die Brücke seither rund um die Uhr überwachen. Denn rein rechnerisch hat das Viadukt seine Kapazitätsgrenze bereits erreicht. Dank der permanenten Überwachung ist eine sicher Nutzung aber trotz des Mehrverkehrs über weitere Jahrzehnte möglich.

Kontrollen Schritt für Schritt

Das Astra saniert und verstärkt die Brücken möglichst innerhalb der nationalen Unterhaltsplanung. Es definiert dazu 15 Kilometer lange «Erhaltungsprojekte». Diese werden nochmals in je 3 Bauetappen unterteilt. Keine Baustelle darf länger sein als 5 Kilometer. Und die Distanz zwischen den einzelnen Baustellen muss mindestens 30 Kilometer betragen.

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