Wofür braucht es Schaltsekunden?

86'400 Sekunden hat ein Tag – aber nicht immer. Der 30. Juni dieses Jahres wird 86'401 Sekunden lang sein, denn es wird eine sogenannte Schaltsekunde eingeschoben. Doch warum braucht es die Extra-Sekunde?

Eins vor zwölf und 59 Sekunden zeigen die Uhrzeiger auf dem Hintergrund der Erdkugel (Kollage).

Bildlegende: Bald 23:59 Uhr und zwei Mal 59 Sekunden: Alle paar Jahre wird eine Sekunde eingefügt, um die menschengemachte Zeit an die Erdrotation anzupassen. Imago, Colourbox

Die Erde ist eine wundervolle Tänzerin. Sie tanzt im Kreis um die Sonne herum – und macht dabei auch noch Pirouetten. Eine Pirouette gibt einen Tag. So beschert sie uns die Tageszeiten. Doch ganz präzise vollführt die Erde ihre Pirouetten nicht. Mal bebt sie ein bisschen. Mal schmilzt ein Gletscher weg, was ihre Drehung beeinflusst. Und dann wird sie auch noch vom Mond gebremst, denn durch die Gezeitenkräfte wird das Wasser auf der Erde hin und her geschoben.

Grelle Sonne um Mitternacht

All diese Unregelmässigkeiten führen dazu, dass die Tage auf der Erde immer ein bisschen länger werden. Das ist ein Problem, denn wir messen die Zeit auf der Erde mit Uhren, in denen Atome schwingen – und zwar immer gleich schnell. Diese Uhren werden im Gegensatz zur Erdrotation nicht langsamer, weshalb Atomzeit und die astronomische Zeit auseinander laufen. Würde man das nicht korrigieren, stünde die Sonne dereinst um Mitternacht hoch am Himmel.

Darum braucht es immer mal wieder eine Korrektur, die Schaltsekunde. So auch dieses Jahr. Am 30. Juni um 01:59 Uhr und 59 Sekunden UTC wird eine Sekunde eingefügt. Bis Mitternacht gibt es dann zwei Sekunden.

Probleme mit der doppelten Sekunde

Das passt alllerdings nicht allen, denn die zusätzliche Sekunde kann Computer aus dem Takt bringen – eine grosse Gefahr in unserer hochvernetzten und synchronisierten Welt. Wegen Schaltsekunden sind schon Websites abgestürzt und Satelliten fast unlenkbar geworden. 2012 blockierten gar die Computer der Fluggesellschaft Quantas ; rund 50 Flugzeuge mussten am Boden bleiben.

Deshalb fordern verschiedene Länder schon lange, die Schaltsekunde abzuschaffen und zum Beispiel alle 100 Jaher eine Schaltminute oder sogar nur alle paar Jahrhunderte eine Schaltsstunde einzulegen. Dann allerdings würde die astronomische Zeit zu stark von unseren Atomuhren abweichen. Das wäre zum Beispiel für Astronomen ein Problem, die mithilfe der Atomzeit ihre Teleskope ausrichten.

An der Weltkonferenz der Internationalen Fernmeldeunion in Genf wird diesen Herbst wieder über die Schaltsekunde gestritten. Die Tänzerin Erde lässt das unberührt. Sie dreht weiter ihre Runden, wenn auch immer ein bisschen langsamer.

26 Schaltsekunden bis heute

Erstmals wurde 1972 eine Schaltsekunde eingeführt – damals lagen astronomische Zeit und Atomzeit bereits zehn Sekunden auseinander. Bis heute gab es insgesamt 26 Schaltsekunden. Sie wurden immer am 30. Juni oder 31. Dezember eingefügt. Die Extra-Sekunden werden vom Internationalen Dienst für Erdrotation und Referenzsysteme IERS festgelegt.

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