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Legende: Caroline Fux, Daniele Kirchmair, Sybille Stahlberg und Bruno Wermuth srf
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Lustlosigkeit «Was tun, wenn der Partner sagt: Ich habe mit Sex abgeschlossen.»

Caroline Fux, Daniele Kirchmair, Sybille Stahlberg und Bruno Wermuth haben Ihre Fragen im «Puls»-Chat beantwortet.

Fachpersonen im «Puls»-Chat

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Caroline Fux
Psychologin und Sexologin
carolinefux.ch


Daniele Kirchmair
Therapeutin und Tantra-Lehrerin
Shima Institut


Sybille Stahlberg
Sexualtherapeutin und klinische Sexologin
sybillestahlberg.ch


Bruno Wermuth
Paarberater und Sexualberater
brunowermuth.ch

Chatprotokoll

Meine Frau hat etwa alle zwei Wochen Lust. Wenn ich Sex haben möchte, legt sie sich ins Bett, ich kann dan schauen, dass sie feucht wird. Was sagen sie dazu? Abhilfe?

Bruno Wermuth: Für den Sex in einer Paarbeziehung tragen beide beteiligten Personen Mitverantwortung. Was Sie schildern ist wortlose Kommunikation zum Zwecke der Befriedigung eines Bedürfnisses, das vielleicht auch mit Sex zu tun hat. Ich denke, Sie brauchen dringend von einer Fachperson begleitete Paargespräche, in denen es darum geht, wie man (sexuelle) Bedürfnisse kommuniziert. Alles Gute!

Ich, 50, lebe seit 28 Jahren mit meinem Mann zusammen. Wir haben 3 erwachsene Kinder. Am Anfang unserer Beziehung hatten wir viel Sex, auch noch nach den Geburten unserer Kinder. Vor ca. 10 Jahren änderte sich dieses durch verschiedene Arbeitszeiten, die Kinder, Stress, Müdigkeit. Des Weiteren hatte ich vor 8 Jahren ein Burnout mit PTBS (Missbrauch innerhalb der Verwandschaft als Teenie). Seit dem habe ich ganz selten Lust auf Sex (ca. alle 2-3 Monate 1x). Für mich ist dieses aber kein Problem, da es mich nicht einschränkt oder ich es vermisse, noch will ich es. Und je öfter ich das Thema Geschlechtsverkehr höre, blockiere ich. Drücken, schmusen und küssen tue ich allerdings gern. Allerdings ist da noch mein Mann und er hätte gern öfter Sex. Und da bin ich in der Zwickmühle. Wir haben sonst eine gute Beziehung. Ist Sex so wichtig? Wie oft wäre Sex im Alter “normal”? Was raten Sie uns/mir?

Caroline Fux: Wie wichtig Sex ist, bestimmen Sie beide. Da spielt es keine Rolle, was andere Leute denken oder was «normal» ist. Denn «normal» ist oft nichts anderes als ein Wort für ein mathematisches Mittel – und das hat dann oft wenig mit persönlicher Passung und Zufriedenheit zu tun. Die spannende Frage ist, was Ihr persönliches Ziel wäre für Ihre Paarsexualität. Da wird sie die Zwickmühle wohl weiter begleiten, aber je konkreter Sie wissen, was Sie wollen (auch in Bezug darauf, wie weit sie einander entgegenkommen wollen), desto besser. Eine Möglichkeit für eine Klärung wäre ein Beratung, allein oder zu zweit.

Hatte in den über 10 Jahren Ehe schon früh Sexunlust verspürt, trotz Kinderwunsch. Nach der Geburt der Kinder noch viel mehr. Sexuell war ich nie ganz erfüllt, weil sein Samenerguss “zu schnell” erfolgte. Langjähriges gegenseitiges “Unverständnis” füreinander sowie Schmerzen im Vaginalbereich und Scheidentrockenheit haben bei mir zu einer totalen Sexunlust geführt. Ich fühlte mich rasch bedrängt, obwohl es nur bei Versuchen von ihm blieb. Mit dem neuen Partner kann ich ohne Probleme mehrmals am Tag Sex haben und habe ausnahmslos immer Lust auf ihn, sogar wenn wir streiten (was ein Novum für mich ist). Kann das sein, dass es jetzt um die Verliebtheit der ersten Monate geht u/o ein sexuelles Nachholbedürfnis – oder gibt es eine Art “sexuelle Inkompatibilität”?

Sybille Stahlberg: Lust auf Sex hängt eng zusammen mit der Lust am Sex. So kann es sein, dass der Sex mit Ihrem Ex-mann für sie nicht lustvoll war. <Die Passung kann schon eine Rolle spielen. Es ist jedoch sinnvoll zu wissen, was Ihnen sexuell gefällt und wie sie sich das holen können (z.B über Bewegung, Atmung das Siel mit dem Muskeltonus etc). Ihnen weiterhin viel Genuss!

Nach schönem Sexleben, nehme ich aus mediz. Gründen seit 4 Jahren Aromatasehemmer (Letrozol) ein. Neben zunehmender Lustlosigkeit ist meine Vagina immer enger geworden, sodass mein Partner nicht mehr richtig eindringen kann. Er kommt jetzt rasch zum Orgasmus, was früher nicht so war und für mich ist es vorbei, wenn meine Lust erst am Anfang ist. Ich weiss, dass es andere Möglichkeiten gibt, zur sexuellen Erfüllung, doch... Bei den med. Kontrollen habe ich nie etwas gesagt, wahrscheinlich aus Scham, denn ich bin 77 Jahre alt. Dieses Thema wurde in der Sendung nicht erwähnt, da es medizinisch bedingt ist.

Caroline Fux: Schön, dass Sie sich hier anvertrauen mögen. Das ist ein erster Schritt. Die Vagina ist ein äusserst flexibler und dehnbarer Schlauch. Die Enge, die Sie spüren, kommt vermutlich daher, dass die Muskeln in Ihrem Beckenboden stark angespannt sind. Das kann nach Schmerzerfahrungen, beispielsweise durch Trockenheit, passieren. In einer Sexualberatung können Sie lernen, die Muskeln in Ihrem Becken zu entspannen und überhaupt Ihren Körper bewusst einzusetzen beim Sex. Je besser Sie Ihren Körper, seine Funktionsweisen und Reaktionen kennen, desto besser können Sie Ihn steuern und Erlebnisse bewusst geniessen. Eine Beratung könnte auch für Sie als Paar oder für Ihren Partner spannend sein. Denn frühe Ejakulationen lassen sich kontrollieren und hinauszögern.

Bin 70 Jahre alt und seit 2011 wieder in einer Beziehung, wir leben miteinander. Mein Partner, 2 Jahre älter, würde gerne mehr Sex haben, doch mir fehlt oft die Lust und ich lasse es einfach geschehen. Für mich sehr unbefriedigend. Gründe meiner Lustlosigkeit: Bei mir ist alles sehr trocken, die Geels die ich kaufe kleben oft, sind unbefriedigend. Die Berührungen von meinem Partner sind nicht mehr zärtlich, da seine Finger grob geworden und nicht mehr so beweglich sind. (Er war Maurer von Beruf). Meine Anregungen: Handbad, Massage, mehr Wärme etc., so dass die Beweglichkeit nicht noch mehr fortschreitet, da findet er kein Interesse daran, das mag er auch nicht machen. Zu Anfang unserer Bekanntschaft waren seine Hände noch viel geschmeidiger. Mit dem Alter wurden die Hände und die Finger zunehmend immer härter und unbeweglicher. Dass seine Berührungen für mich grob sind, da findet er, ich sei halt empfindlich geworden. Auch macht er eine schlechte Zahn- und Mundhygiene, dass mir die Lust aufs Küssen nimmt. Überhaupt die ganze Körperhygiene lässt sehr zu wünschen übrig. Er ist ein Naturmensch und findet, man müsse sich nicht so oft waschen. Es interessiert ihn auch nicht über Sex und Zärtlichkeit zu reden, er meint, das hätte er immer gemacht und da gäbe es auch nichts zu bereden und neu zu lernen. Und doch bin ich gerne mit diesem Mann zusammen. Im Alltag verstehen wir uns gut und haben es schön miteinander, wir haben auch viele gemeinsame Interessen. Gern erwarte ich Ihre Antwort und danke Ihnen dafür.

Danliele Kirchmair: Also bei der Sexualität scheint es mir, dass sie keinen «Kontakt» haben. So wie es ihr Mann vorgibt, für «sich» geht – so geht er nicht auf sie ein. Sie wiederrum fühlen sich nicht gut, können ihn aber mit dem was sie sagen nicht nachhaltig erreichen um etwas zu bewegen, zu verändern. Das ist eine unangenehme Situation. Hier stellt sich nicht «nur» die Frage nach der Form des sexuellen Kontaktes sondern die Frage wie sie Konflikte und Ungereimtheiten in der Beziehung klären. Was würde passieren, wenn sie wehemter oder klarer dafür einstehen, was für sie nicht passt,...? Sie müssen das nicht über sich ergehen lassen. Sie könnten ihm ggf. sagen – ja ich möchte mit dir zusammen sein, aber in der Form wie es auch für mich stimmt. Und ihm z.B. entgegenhalten dass sie nicht empfindlicher geworden sind, sondern dass sie seine Berührungen als grob empfinden. Stellt sich ihr Mann selber in Frage?

Wie komme ich an Adressen von “seriösen” Tantra-Masseur*innen?

Bruno Wermuth: Geben Sie in Ihrem Browser «Sexological Bodywork Schweiz» ein und sie werden eine Vielzahl von Menschen – Männern und Frauen finden, die seriöse Körperarbeit im Bereich Sexualität anbieten – manche von Ihnen haben auch eine Ausbildung als Tantra Masseur:innen.

Mein Freund (44 Diabetiker) und ich 35) sind seit 3 1/2 Jahren zusammen und haben pro Jahr etwa fünfmal Sex. Dieser ist auch nicht wirklich befriedigend, da er meistens dann Lust hat, wenn bei mir keine Lust vorhanden ist. Es ist meine erste Beziehung und ich möchte meine Sexualität ausleben. Ich möchte gerne diesen Zustand ändern, aber ihn auch nicht unter Druck setzen. Was raten Sie mir? Wohin können wir uns wenden? Mit meinem Freund darüber zu sprechen ist schwierig. Besten Dank.

Caroline Fux: Schön, dass Sie sich für Ihre Sexualität einsetzen möchten. Wissen Sie denn, was genau Sie erleben und ändern möchten? Denn je konkreter Sie Ihrem Freund sagen können, was Sie sich wünschen, desto einfacher wird es sein, etwas in die Tat umzusetzen. Dass Sie Ihre Wünsche äussern heisst nicht, dass Sie Druck ausüben. Es ist schlicht und einfach ein erster wichtiger Schritt, um einen gemeinsamen Lebensbereich anzupacken. Über Sex sprechen zu können ist wichtig und es kann sehr lustvoll sein. Es braucht allerdings, wie fast alles im Leben, etwas Übung. Meister fallen auch in diesem Bereich nun mal nicht vom Himmel. Wäre es eine Option für Sie beide, gemeinsam in einer Sexualberatung zu gehen? Anlaufstellen können Sie googlen, beispielsweise auch in Kombination mit ihrem Wohnort. Falls Sie unsicher sind, was Sie möchten und welcher nächste Schritt passen könnte, können Sie auch erst mal allein in eine Beratung gehen. Manchen Menschen fällt dies leichter.

Ich bin 38 Jahre alt und hatte noch nicht die Möglichkeit sexuelle Erfahrungen mit einer zweiten Person sammeln können. Bereits zweimal wurde mir gesagt, dass sie (die Männer) mir es nicht antun könnten; dass sie nicht dafür verantwortlich sein wollen, wenn ich es nachher bereuen würde. Ich weiss nicht, woher dieser Gedanke kommt: ich bin fröhlich, sehr aufgeschlossen und neugierig. Ist dieser Gedanke weit verbreitet? Müsste ich mir überlegen, die Tatsache, dass ich unerfahren bin, geheim zu halten? Ich verspüre Lust – seit eineinhalb Jahren vermehrt – kann ich diese irgendwie noch anderweitig steigern (ausser mit Training)? Ich könnte mir vorstellen, dass mein Auftreten anders wäre...

Sybille Stahlberg: Woher der Gedanke von “antun” und “bereuen” kommt kann ich nicht ganz nachvollziehen. Was würden Sie sich den wünschen von einer sexuellen Begegnung? Auf was haben Sie Lust? Das lohnt sich herauszufinden. Das geht es um die Beziehung zu ihrem Genital. Was fühlt sich gut an? Was erregend? Das hat für mich nicht so viel mit Training zu tun als vielmehr mit einer Entdeckungsreise. Dadurch kann sich ihr Auftreten durchaus verändern und ihr sex. Selbstbewustsein wachsen.

Ich, Jg. 69, voll in den Wechseljahren mit allen Schikanen, Schlafstörungen etc. hatte seit ca. 1 Jahr keinen Sex mehr. Ich habe keine Lust mehr, fühle mich nicht mehr schön. Mein Mann begehrt mich immer noch, ich kann mit diesem Druck, der sich aufgebaut hat, nicht mehr umgehen. Fühle mich sehr egoistisch, weil ich meine Unlust nicht mehr überwinde. Es fühlt sich nach Zwang an und erinnert mich zu sehr an die schlechten Erfahrungen in meiner Jugend (die ich nie angegangen bin). Ich weiss nicht mehr, wie ich aus dieser Spirale aussteigen kann. Ich möchte, aber weiss nicht mehr, wie ich wieder Lust empfinden kann bzw. wie man wieder aufeinander zugehen kann und wir/ich den Weg wieder finden kann. Danke für jeden Hinweis. Liebe Gruess

Bruno Wermuth: Die hormonellen Umstellungen während der Wechseljahre bringen es oft mit sich, dass auch alte und unverarbeitete Geschichten wieder auftauchen. Es ist, als ob der Körper und die Seele sich von angesammeltem Ballast aus der ersten Lebenshälfte befreien möchten. Es ist wichtig, dass frau diesen Zeichen folgt und die Anstrengung auf sich nimmt, sich mit den alten und möglicherweise auch schmerzhaften Erlebnissen auseinander zu setzen und damit Frieden zu schliessen. Wenn dies geschehen ist, können sich auch neue Möglichkeiten im Umgang mit dem gereiften Körper zeigen und die Lust kann neu entdeckt werden. In diesem Zusammenhang kann ich Ihnen das Buch «Wechseljahre» von Diana Richardson und Janet McGeever sehr empfehlen. Alles Gute!

Oftmals habe ich die “Lust”, ein neues sexuelles Abenteuer zu unternehmen und lasse mich (bspw. über Dating-Plattformen) auf eine Person ein. Nach 1-2 Treffen verliere ich diese Lust aber wieder, weil es mit Fortdauer der Treffen immer weniger aufregend wird, und breche den Kontakt mir der Person ab. Das führt zu vielen Sextreffen mit vielen unterschiedlichen Personen, aber kaum zu etwas Regelmässigerem. Ist das problematisch? Sollte ich mich da irgendwie selbst sexuell eingrenzen?

Daniele Kirchmair: Tja, ist es problematisch für sie? Sie sind die einzige Person, die das beantworten kann. Ansonsten scheint es wie ein Muster zu sein, dass sich wiederholt aber nicht sehr befriedigend ist. Oder? Frage – was wollen sie? Was suchen sie? Guten Sex? oder eine Beziehung? in der Form scheint mir beides nicht möglich,...

Wir sind seit 22 Jahren verheiratet und haben zwei Kinder. Wir haben aber, seit die Kinder da sind, keinen Sex mehr. Die Kinder sind nun fast erwachsen, der Sex ist nicht retour gekommen. Es macht mir auch Mühe, dass mein Mann immer dicker wird. Er zieht mich überhaupt nicht mehr an. Bin ich mit den Jahren asexuell geworden? Und mein Mann parallel auch? Ich spreche das Problem nicht an.

Bruno Wermuth: Man wird nicht über die Jahre asexuell. Jedoch kann man sich sehr wohl aus den Augen und auch aus den Händen verlieren. Was Sie beschreiben, nämlich dass der Sex geht und nicht von selber wiederkommt, höre ich tagtäglich in meiner Praxis. Wenn sie also wieder Sex haben möchten, müssen sie etwas dafür tun. Haben Sie den Sex mit sich selber? Falls nicht: Dies wäre eine geeignete Möglichkeit, um wieder mit ihrem Körper und ihrer Lust in Kontakt zu kommen. Sie schweigen ihrem Mann gegenüber, obschon Sie merken, dass seine Gewichtszunahme auch Auswirkungen hat auf Sie. Damit vergrössern Sie die sowieso schon vorhandene Distanz zwischen Ihnen beiden noch mehr. Sinnvoller wäre, die Komfortzone zu verlassen und die Dinge beim Namen zu nennen. Sie haben noch eine Menge Zeit vor sich, nun, da die Kinder bald ausfliegen – freuen Sie sich darüber und beginnen Sie damit, Ihre Tage mit neuem Leben zu füllen. Dazu gehört – nicht nur, aber auch – Sex zu haben. Alles Gute!

Ich bin 67 Jahre alt, seit 12 Jahren mit meinem Partner zusammen, jedoch seit ca. 5 Jahren ohne sexuellen Kontakt. Mein Partner versichert mir immer wieder, dass er Lust auf mich hätte, wenn ich jedoch aktiv geworden bin, blieb er total ohne Reaktion. Während des sexuellen Aktes war er immer sehr verkrampft, was dann bei mir zu Unlust führte. Allgemein bin ich eine Frau, die immer wieder neue Herausforderungen sucht, währenddem mein Partner die Routine bevorzugt. Was kann ich tun? Vielen Dank und freundliche Grüsse.

Sybille Stahlberg: Ich würde Sie ermutigen ihre Ideen von einer genussvollen Sexualität zu verbalisieren. Vielleicht auch vorerst für sich selbst. Laden Sie ein etwas Neues auszuprobieren. Ein hoher Muskeltonus führt zu einem geringeren Empfinden und kann sich leicht auf den/die Partner:in übertragen, da hilft Bewegung!

Ich 40 Jahre alt, hatte bis vor 4 Jahren sehr gerne Sex und war oft auch die Initiantin. Mein Partner und ich sind seit 8 Jahren in einer sehr harmonischen Beziehung. Vor 4 Jahren bekamen wir die Diagnose, dass mein Partner unfruchtbar ist. Seit diesem Moment bin ich lustlos!!! Mein Partner gefällt mir nach wie vor und liebe ihn nicht weniger, habe auch kein Bedürfnis und Lust auf andere Männer. Kann meine Lustlosigkeit mit dem unerfüllten Kinderwunsch zu tun haben? Danke für ihre Antwort. Freundliche Grüsse.

Caroline Fux: Offenbar scheint die «generative Kraft», also die Möglichkeit, dass aus Ihrer gemeinsamen Sexualität ein Kind hätte entstehen können, tatsächlich ein wichtiger Punkt für Sie zu sein. Wenn ich Sie richtig verstehe, ist mit der Botschaft zur Unfruchtbarkeit Ihres Partners auch einfach ein Teil Ihres Lebens- und Beziehungsplanes durchkreuzt worden. Wären Sie denn neugierig, bei diesem Thema genauer hinzuschauen? Also sich zu fragen, was Sexualität für Sie überhaupt ausmacht und bedeutet? Und ob dieser Lebensbereich vielleicht vielseitiger ist, als Sie ihn bisher erlebt haben? Mögen Sie zudem in sich reinspüren, ob Sie vielleicht noch Trauerarbeit leisten müssen? Diese und andere Fragen können spannende Themen für eine Sexualberatung sein.

45 Jahre, Single, so bald beim Sex ich ein Kondom anziehe wird mein Penis schlapp und die Lust verschwindet. Ohne hat man einfach mehr Sensibilität. Das Ganze spielt sich im Kopf ab. Danke für ein paar Inputs und Beratungen.

Daniele Kirchmair: Tja, wenn sich Sex im Kopf abspielt, dann ist auch dort die Energie,.... für eine Erektion ist es aber gut sich spürbar und fühlbar und lebendig im Körper zu sein und zu fühlen. Vielleicht schauen, dem Körper diese Lebendigkeit zuzuführen, Atemübungen, Joggen und ins Becken atmen, Tanzen, das Becken bewusst bewegen, schauen wie du als Mann in deine Kraft kommst, auf mehreren Ebenen. Sex als «Kopfkino» bleibt eine Vorstellung,...

Bin seit 21 Jahren in einer festen Beziehung. Mein Parner ist seit 2 Jahren impotent. Wirkten auch Hilfsmittel nicht. Nun haben wir die Lust verloren. Obwohl mein Partner sich viel Mühe gibt mich zu stimulieren doch ich bekomme so einfach keine Lust, wenn er kein Orgasmus bekommt. Mir fehlt der eigentliche Geschlechtsakt. Wie können wir beide wieder Lust bekommen?

Daniele Kirchmair: Vielleicht mal eine Paargruppe besuchen um neue Impulse zu bekommen, mehr Lebenbdigkeit ins Miteinander, neue Impulse in das Miteinander-Kontakt haben und so den Situationen im Alltag neue Formen zu geben,...

Ich bin 50 Jahre, habe seit vielen Jahren keine Lust auf Sex. Ich lebe seit 28 mit dem gleichen Partner. Mich stört es nicht und ich habe auch kein Verlangen bis vielleicht alle 2-3 Monate mal. Mein Mann hingegen hätte gern Sex. Ist es so wichtig Sex zu haben? Wie oft wäre denn „normal” in unserem Alter?

Sybille Stahlberg: Wichtig ist, dass Sie einen Umgang mit Ihrer Sexualität finden, die für sie beide lohnenswert ist. Normal ist das, worauf Sie sich einigen. Es gibt keine “Sexpflicht”. Was gefällt Ihnen alle 2-3 Monate und wäre es für Sie interessant, das noch angenehmer, genussvoller zu gestallten und wenn ja, wie könnte das aussehen. Kommen Sie ins Gespräch und evtl. auch ins Ausprobieren/ Erforschen.

Ich bin 54 Jahre alt, homosexuell und seit 15 Jahren in einer festen Beziehung. Vor ca. 5 Jahren hatte ich ein Burnout und ich glaube, dann hat meine Lustlosigkeit begonnen. Mein Partner macht sehr oft Avancen und das löst dann bei mir Stress aus. Ich verspanne mich und dann geht gar nichts mehr. Manchmal möchte ich einfach nur küssen oder fest und innig umarmen, aber er möchte dann mehr! Ich bin generell sensibel und schnell angespannt. Es ist uns beiden aufgefallen, dass ich in den Ferien viel mehr Lust auf Sex habe. Ich war schon beim Arzt und medizinisch scheint alles in Ordnung zu sein. Es wurde auch ein Hormontest durchgeführt und auch da ist alles im normalen Bereich. Der Arzt hat mir empfohlen, eine/n Sexualtherapeutin/en aufzusuchen. Worauf soll ich bei der Wahl achten? Spielt es eine Rolle ob Mann oder Frau? Welche Therapie würden Sie empfehlen? Besten Dank und freundliche Grüsse.

Sybille Stahlberg: Guten Abend, ich kenne das Thema bei mir in der Praxis. Sie beschreiben sehr genau, was passiert ist. Ja, Anspannung und Erwartungsdruck verstärken die Unlust. Eine Sexualtherapie ist sicher hilfreich. Wichtig ist, dass Sie sich bei der Person wohlfühlen. Ich empfehle immer den Körper mit einzubeziehen, da die Blockade ja körperlich erlebt wird.

Seit ein paar Jahren fühle ich (37) mich quasi sexuell verirrt bzw. weiss nicht mehr genau, was meine Lust anspricht. Gibt es Tricks oder Methoden seine Lust zu erforschen und herauszufinden, was mich wieder erregt?

Caroline Fux: Das klingt nach einem wunderbaren Thema für eine Sexualberatung. Dabei dürfte es weniger um bestimmte Tricks und Methoden gehen, sondern schlicht um Ihren Willen und Ihre Neugier, sich selbst in dieser unbekannten Situation neu kennenzulernen. Wenn Sie das Gefühl haben, dass Sie sich verirrt haben, könnte eine spannende Frage sein, wann Sie sich denn zuletzt auf Kurs und auf vertrautem Terrain gefühlt haben? Was ist seither passiert und anders? Gab es vielleicht nicht nur in der Sexualität, sondern generell im Leben neue Herausforderungen? Die Sexualität kann ein herrlich spannender Spiegel ganz generell für Lebensthemen sein. Schauen Sie hin. Neuland ist spannendes Land.

Ich bin weiblich und 21 Jahre alt und hatte noch nie eine Beziehung. Ich habe jedoch schon die eine oder andere sexuelle Erfahrung machen dürfen – es fiel mir meistens recht schwer, mich unverkrampft fallen zu lassen. Ich finde es schön, einem Menschen nah zu sein und ich möchte mehr intime Nähe und Vertrautheit. Bis jetzt viel es mir schwer, solche Beziehungen aufrecht zu halten und mich zu öffnen. Ist es ein Zeichen, dass ich von der Norm abweiche? Wie könnte ich vorgehen, um mich einfacher einem Menschen anzuvertrauen und loszulassen?

Daniele Kirchmair: Hallo junge Frau! Schön meldest du dich. Da wäre es vielleicht gut, wenn du rund um das Thema Weiblichkeit bei dir forschen würdest. Wie geht es dir selber mit deinem Körper? Was bringst du für Beziehungsmuster mit – wie war die Beziehung zu deiner Mutter (jene Frau, die uns am meisten prägt) wie zu deinem Vater? Wenn dein Körper «verkrampft"- vielleicht spürst du mal hin, warum macht er das, was ist die Ursache? Unsicherheit? Angst? Kontrolle? Ein Gefühl, jemand will etwas von dir? Oder du könntest etwas falsch machen? Wie gehjtb es dir mit jemanden zu vertrauen? (Vertrauen ist keine Willensgeschichte, es ist eine Erfahrungsgeschichte). Denkst du mehr als du fühlst, spürst oder erlebst? Hast du weibliche Vorbilder? Suchst du eher die Geborgenheit wenn es um Nähe geht? Vielleicht könnte dir ein Frauenseminar da helfen ein Stück weiter zu kommen. Dazu braucht es Erfahrungen mehr als deine Gedanken. Hoffe es sind ein paar Inputs für dich dabei,... toi toi toi!

Mein Mann hat schon seit 10 Jahren keine Erektion mehr (75 Jahre, er hat Diabetes.) Er befriedigt sich mit Pornos. Für mich ist das wie Fremdgehen. Wie gehe ich mit der Situation um, er möchte nicht darüber sprechen.

Bruno Wermuth: In einer solchen Situation einfach das Gespräch zu verweigern, sich vor den Computer zurückzuziehen und Pornos zu schauen, ist gelinde gesagt unfair. Sexualität ist nicht zuletzt etwas, das man als Paar teilt und wenn eine:r von beiden einfach abhaut, dann kann der:die andere nicht einfach weiterleben, wie bisher. Lade deinen Partner zu einem offenen Dialog ein und bitte ihn, mit dir zusammen nach Formen der körperlichen Begegnung zu suchen, die auch ohne Erektion möglich sind. Es braucht keinen Geschlechtsverkehr und keinen Orgasmus, um mit dem geliebten Menschen intim zu sein und einander den Hauthunger zu stillen. Alles Gute!

Mein Mann und ich hatten ein wunderbares Sexleben. Leider habe ich wegen Smallfiber, Myofasziales Schmerzsyndrom, Migräne, Hashimoto täglich (24/7) so viele Schmerzen und Medikamente, dass erstens die Lust fast weg ist und wenn, dann der Sex schmerzhaft ist und fast zur Qual wird. Wie sollen wir damit umgehen?

Caroline Fux: Wenn der Körper rebelliert und nicht mehr mitspielt, so wie wir uns das vorstellen, dann ist das in der Regel ein ziemlicher Lustkiller. Schmerzen können sich ab einem gewissen Mass zudem plötzlich wie ein Fulltime-Job anfühlen. In einem ersten Schritt könnte es darum gehen, dass Sie (vielleicht zuerst einfach ganz für sich allein) klären, welchen Raum Sie Sexualität momentan überhaupt geben möchten. Lust und Sexualität sind keine Selbstläufer. Sie verlangen nach Zeit, Aufmerksamkeit und Energie, und diese Dinge sind vermutlich im Moment rare Güter. Planen Sie kleine Schritte. Was in Sachen Sexualität und Körperlichkeit möchten Sie erleben und priorisieren? Warum sind Ihnen diese Dinge wichtig? Geht es Ihnen dabei um sich selbst? Um ihren Partner? Um die Beziehung? Um alles zusammen? Ein gutes Verständnis für diese Fragen hilft Ihnen, herauszufinden, was für kleine Projekte und Veränderungen in Ihren Alltag passen könnten.

Nicht die Lustlosigkeit, sondern das “übermässige” Verlangen nach Sexualiät und da dies in der Partnerschaft nicht möglich ist, ausagieren beim täglichen mehrfachen Onanieren, ist mein grosses Problem. In der Paarsexualität funktioniere ich oft nicht, schaffe es aber nicht die Finger von mir selber zu lassen. Leider ist immer heftigere Stimulation und grösserer Druck nötig, dass ich kommen kann und das Kommen ist immer das Ziel, richtiggehend süchtig danach bin ich. Das Ganze empfinde ich immer belastender und weiss aber nicht, wie ich mir Einhalt gebieten kann. Auch Therapie mit Medi hab ich versucht, was das aber eher noch verschlimmert hat, weil ich dann noch weniger funktioniere. Was könnt ihr mir raten?

Sybille Stahlberg: Hallo, die Art wie sie Erregung steigern (heftiger, grössere Druck etc) scheint in der Paarsexualität nicht möglich zu sein und dadurch ist es unbefriedigend. Eine dranghafte Sexualität ist oftmals wie eine Spirale, die immer enger wird. Ich empfehle Ihnen eine Sexualtherapie mit einbezug des Körpers. z.B nach Sexocorporel.

Ich lebe seit 3 Jahren in einer Partnerschaft und hatte am Anfang starke Lust auf Sex. Seit ca. 3/4 Jahre verspüre ich keine Lust mehr. Dies obwohl ich in der Beziehung sehr glücklich bin und ich starke Gefühle für diesen Mann habe. Ich habe dies auch schon in einer anderen Beziehung erlebt, die daran dann zerbrochen ist. Im Allgemeinen verspüre ich das Gefühl, dass ich Sex nicht benötige. Was kann ich ändern, damit die Lust wieder zurück kommt?

Daniele Kirchmair: Vielleicht spüren sie einmal hin in ihrer Beziehung ob sie mehr mit ihrem Fühlen und ihrer Aufmerksamkeit beim Gegenüber sind? Und weniger bei sich selber? Falls dem so ist wäre das ein Beziehungsmuster sich selber zu wenig zu spüren, und dadurch weniger die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen, die eigene Lebendigkeit. Es könnte sich dann auch die «Spannung» verlieren, die ggf. am Anfang von Beziehungen und der Sexualität da war,... Vielleicht kann die Lust zurückkommen, wenn sie sich eben selber mehr spüren, ein Bewusstsein in die eigenen Grenzen geben, den eigenen Körper spüren, im Becken, im Herz, den eigenen Atem wahrzunehmen,... Sexuelle Begennungen brauchen ein «bei sich sein» können UND ein «in Kontakt mit dem Gegenüber» sein. Vielleicht eine Sichtweise für sie?

Ich bin 23 Jahre alt, männlich und bisexuell. Bei den Männern habe ich eine Vorliebe für Typen jenseits meines Alters (so zwischen 40-60). Obwohl ich diese sexuelle Neigung auslebe und versuche, dazu zu stehen, bereitet mir das extrem viel Mühe. Ich fühle mich abnormal und höre (in anderen Zusammenhängen) oft, dass ein so grosser Altersunterschied “eklig” oder “abstossend” ist. Wie kann ich lernen, mit solchen aussergewöhnlichen Vorlieben umzugehen und zu leben – auch wenn die Gesellschaft noch nicht so weit ist? Bin ich halt einfach ein “Freak”?

Bruno Wermuth: Sie sind kein Freak sondern einfach mutig und stark genug, zu dem zu stehen, was Ihnen Spass macht und Lust bereitet! Der Begriff «normal» wird in Zusammenhang mit Sex oft verwendet. Jedoch geht dadurch vergessen, dass Sexualität so vielfältig ist, wie die Menschen, die sie leben. Was spielt denn das Alter für eine Rolle, wenn zwei erwachsene und mündige Menschen finden, dass sie zusammen körperlich Spass haben wollen? Machen Sie sich keinen Kopf und geniessen sie einfach, was ihnen Freude macht!

Bis vor meine letzte Beziehung fand ich Sexualität etwas Wunderbares, Intimes, Leidenschaftliches. Dann kam mein letzter Partner und bearbeitete mich so lange, bis ich mal an einen Swingeranlass ging und da lief alles aus dem Ruder. Alles, was er versprochen hatte, auf mich acht zu geben etc. liess er ausser acht, wollte wohl der tolle Mann sein und ging da massiv über meine Grenzen. Ich konnte nicht reagieren und realisierte verzögert bewusst den Übergriff. Von da an konnte ich mit diesem Mann keinen Sex mehr haben, mein Körper reagierte extrem, wenn er mich nur berühren wollte. In Gesprächen sah er mein Leiden/Problem nicht. Es kam zur Trennung von meiner Seite her. Ich hab das Vertrauen verloren, die Sexualität hat das intime verloren und ist nun irgendwie schmutzig … ich möchte aber wieder wie früher empfinden. Das ist nun 2 Jahre her … Was für eine Therapie empfehlen Sie? Bei meinem Psychologen bin ich noch nicht weit gekommen, ausser dass ich weiss, ich bin nicht schuld und ich kann es benennen, ohne mich zu schämen. Eine spezialisierte Therapie wäre wohl sinnvoll. Danke für einen Hinweis. Sonnige Grüsse

Sybille Stahlberg: Guten Abend, ich würde Ihnen eine sexologische Begleitung empfehlen. es geht darum ihr sexuelles Selbstwertgefühl wieder zu finden. Der Körper speichert so Erfahrungen und beeinflusst eine genussvolle Sexualität. Es geht darum neue Köpererfahrungen (erstmal mit sich selbst) zu machen.

Ich bin seit 10 Jahren mit meinem Partner zusammen, anfänglich war der Sex sehr schön, dann hatte ich häufig Schmerzen und der Sex war nicht mehr möglich. Dann war kein Sex mehr vorhanden ,wie kann man sich wieder annähern?

Caroline Fux: Ich rate Ihnen zu einer körperzentrierten Sexualberatung, beispielsweise nach dem Ansatz «Sexocorporel». Dieser Ansatz ist sehr umfassend und ganzheitlich. Eine Besonderheit ist, dass in den entsprechenden Beratungen sorgfältig geklärt wird, wie eine Person überhaupt Sexualität lebt. Also in welchem Zusammenspiel Körper, Geist, Selbstwahrnehmung und Soziales ganz konkret stehen. So ist Sexualität nicht mehr nur eine Art Blackbox, sondern Sie decken auf, was wie zusammenhängt. Weiter lernen Sie, wie sie eine «körperfreundliche» Sexualität leben können, um Schmerzen zu vermeiden. Sie können mit der Fachperson in der Beratung schauen, welche Schritte, vielleicht auch erst mal ganz kleine, für Sie persönlich passen, um zur Sexualität zurück zu finden.

Was tun, wenn der Partner einfach sagt, ich habe mit Sex abgeschlossen. Es hat mir nie wirklich was bedeutet. Das nach 2 Jahren. Wir sind beide 53 Jahre. Ich als Frau fühle mich nicht begehrt, weiblich. Ich bin tief verletzt.

Bruno Wermuth: Dass Sie sich nicht begehrt fühlen von ihrem Partner ist auf dem Hintergrund Ihrer Schilderung sehr verständlich. Wichtig scheint mir aber, dass Sie sich diesem Entschluss von ihm nicht einfach unterziehen. Denn dass er keinen Sex mehr will, bedeutet ja nicht, dass Sie keinen Sex mehr haben dürfen! In der Paarberatung erlebe ich immer wieder, dass sich hinter solchen Aussagen – gerade von Männern – auch Unsicherheiten und Ängste in Zusammenhang mit dem eigenen älter werden verbergen. (Stichwort: Erektionsprobleme). Es scheint mir daher sinnvoll, wenn Sie ihm aufzeigen, welche Konsequenzen sein Entscheid für Sie hat und ihn bitten, Ihnen seine Gründe etwas vertiefter auszuführen. Vielleicht möchten Sie ihn aber auch in eine Paarberatung einladen. Ich denke, dass von einer Fachperson moderierte Gespräche hier unterstützend sein könnten! Alles Gute.

Sybille Stahlberg: Die Verletzung ist nachvollziehbar, jedoch begeben Sie sich so in eine Abhängigkeit von Ihrem Partner. Finden Sie heraus, was Ihnen Sex bedeutet, Was Sie sich wünschen und was Ihnen begehrenswert erscheint. Teilen sich sich mit. Landen Sie ein. Starten Sie das Projekt die erotische Frau in Ihnen zu wecken. Vielleicht holen sie sich dazu sexologische Unterstützung evtl. auch eine Gruppe.

Wir sind seit 25 Jahren verheiratet und wir lieben uns. Seit 4 Jahren habe ich keine Lust nach Sex. Vor allem seit einer problematischen Inkontinenz-Operation. Am liebsten mag ich mich gaaar nicht berühren. Ich habe nicht das Gefühl..etwas zu vermissen..mein Mann aber schon. Er ist sehr geduldig und drängt nicht...jedenfalls nicht offensichtlich. Dem Frieden zuliebe nehm ich das ab und an in Angriff und spiele die Lust vor. Wie komm ich aus diesem Kreis hinaus? Danke für ihre Hilfe

Daniele Kirchmair: Ja – vielleicht gibt es da mehrere Wege! So eine Operation, so einen Eingriff kann man auch «verarbeiten» Es wäre möglich, wenn sie das wollen, dass sie selber sich dann auch gerne wieder berühren (das muss nicht sexuell sein, sonder in der Form dass es ein wichtiger Körperteil ist der zu ihnen gehört), sich im Becken und auch im Genitalbereich einfach spüren,... und vielleicht einfach Sinnlichkeit mit ihrem Mann leben und austauschen. Oder auch ihren Mann mit den Händen verwöhnen,... etwas vorspielen ist ein Teufelskreis, da geht es ihnen nicht gut, und ggf. ihrem Mann auch nicht. Vielleicht einmal versuchen darüber zu sprechen ,.... eine Beziehung, die Herausforderungen überwindet bekommt an Reife dazu. Die herausforderungen für Paare ist einen Weg zu finden wozu beide in gewissem Mass ja sagen können. Und da werden nicht zu 100% die Bedürfnisse erfüllt, aber man kann so versuchen einen guten Kontakt ztu finden und in eine gemeinsame Lösung hineinzuleben.

Ich bin sehr an Adressen interessiert, wo ich mich in meiner Umgebung (4574) hinwenden kann. Als Kind und auch in späteren Jahren musste ich sexuelle Übergriffe über mich ergehen lassen. Ich denke, dass ich dadurch „Störungen” habe. Ich kenne meinen Körper nicht und auch einen Orgasmus beim Sex nicht. Herzlichen Dank

Caroline Fux: Unter psychologie.ch können Sie nach Angeboten in Ihrer Region suchen. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg beim Anpacken Ihres Projektes.

Ich leide an seit Jahren anhaltender post-SSRI Anhedonie. Die Orgasmus-Fähigkeit selbst kam zwar (nach dem Absetzen) bald zurück, der Höhepunkt ist aber nicht mehr Befriedigend. Bereits beim Aufbauen der sexuellen Spannung bleiben die körperlichen Reaktionen (beschleunigte Atmung, Greifen nach Dingen, Verkrampfen von Muskeln, ...) weitgehend aus und der eigentliche Orgasmus ist nur noch ein Entspannen (wie beim Wasserlassen oder seufzenden Ausatmen), aber kein Feuerwerk mehr. Somit fehlt mir dann auch der Spass an der Sache, und – in Folge dessen! – inzwischen auch zunehmend die Lust. Was kann ich gegen die Anhedonie unternehmen? Welche Stelle(n)/Kliniken/... haben Erfahrung in der Therapie von post-SSRI sexueller Dysfunktion?

Caroline Fux: Es kann ein immenser Schlag sein, eine bisher bekannte und geschätzte Facette der eigenen Sexualität zu verlieren. Sie haben ein Feuerwerk gekannt und vermissen dieses heute. Dieser Verlust darf Sie schmerzen und Sie dürfen ihn betrauern. Die Frage ist, ob Sie sich dem Abenteuer stellen wollen, herauszufinden, wer Sie mit der Sexualität sind, wie Sie sich Ihnen heute bietet. Und zwar ganz bewusst jenseits der Diagnose «Post-SSRI Anhedonie». Denn so lange Sie an dieser Diagnose kleben und das Jetzt mit dem Früher vergleichen, wird es schwierig sein, in der aktuellen Realität präsent zu sein. Aber Präsenz ist für Lust und Genuss extrem wichtig. Feuerwerk, das klingt nach Wollust. Seufzend Ausatmen, das könnte Wohllust sein. Fänden Sie es spannend, diese Wohllust zu entdecken und auszuweiten? Ich empfehle Ihnen eine Beratung nach dem Ansatz «Sexocorporel». Dieser ist sehr umfassend, explizit aber auch körperzentriert. Wenn Sie gerne Ihren Körper und seine Reaktionen beobachten (Atmung, Muskelspannung, usw.) dann könnten Sie sich mit dem Ansatz «Sexocorporel» wohlfühlen, da dieser ganz gezielt mit diesen Dingen arbeitet.

Was macht man, wenn der Partner mit 32-jährig Parkinson bekommt und starke Medikamente nehmen muss? Das war bei mir, als ich 28jährig war… heute bin ich 15 Jahre Witfrau und 69-jährig. Ich vermisste lange, dass mein Mann kein Sex mehr wollte, doch heute bin ich eine glückliche und dankbare Frau.

Daniele Kirchmair: Also der letzte Satz ist eigentlich ein ganz wesentlicher! So schön, können sie heute, nach diesen Herausforderungen mit der Krankheit ihres Mannes glücklich und dankbar sein. Es gibt viele Menschen die längerfristig etwas schmerzhaft vermissen, aber wenn man es dann schafft in die Zufriedenheit,....wunderbar! Wünsche ihnen noch viele glückliche Jahre,....

Während dem Sex wird der Penis schlaff..öfters..müsste man das abklären?

Sybille Stahlberg: Guten Abend, es ist sicher gut zu verstehen, warum der Penis schlaff wird. Sie können das medizinisch abklären auch um somatische Ursachen auszuschliessen. Oftmals hat es andere Ursachen. Das gibt es viele Möglichkeiten um zu reagieren.

“Stumpft” durch regelmässigen Vibrator-Gebrauch die Klitoris ab und ist im normalen Sex mit dem Partner dadurch weniger orgasmusfähig?

Sybille Stahlberg: Das kann passieren. Durch die starken Impulse gewöhnt sich die Klitoris an die Vibration, welche ein Finger, Penis etc. nicht erzeugen kann. Allerdings ist es möglich die Klitoris wieder auf andere Reize zu sensibilisieren, auch wenn es dazu etwas Geduld braucht.

Ich bin seit 24 Jahren verheiratet. Meine Frau 55 hat in den letzten 10 Jahren immer mehr Gewicht zugelegt. So kommt es vor, dass ich keine visuellen Reize mehr verspüre und wir uns immer mehr vom Sex verabschiedet haben. Ich kann ja auch nicht offen sagen, dass mir ihre Gewichtszunahme in dieser Hinsicht zu schaffen macht. Wie kann ich meine visuellen Reize trotzdem stimulieren?

Bruno Wermuth: Der visuelle Reiz beim Sex ist wichtig – aber nicht alles! Vielleicht wäre es ja auch eine Möglichkeit, den Sehsinn einmal ganz auszuschalten und sich nur auf die verbleibenden Sinne zu konzentrieren. Sex im Dunkeln – wichtig ist, dass es wirklich ganz dunkel ist! – ermöglicht, völlig neue sexuelle Erfahrungen. Es ist viel einfacher, sich ganz gehen zu lassen, wenn man sich sicher sein kann, dass die sogenannten «Problemzonen» gänzlich unsichtbar bleiben. Diese Mischung aus optischem Schutz und reduzierter sinnlicher Wahrnehmung, kann sehr lustvoll sein. Viel Spass beim Ausprobieren!

Ich habe seit ca. 8 Monaten absolut keine Lust mehr auf Sex. Von 200 Aktivität auf unter Null. Ich startete noch einen letzten Versuch im September. Ich hatte so massive Schmerzen, dass wir alles abbrechen mussten. Seither ist mir die Lust komplett vergangen. Ich habe meine Wechseljahre hinter mir. Bin 62. Habe einen attraktiven Partner. Ihm war und ist Sex nicht so wichtig. Wenn er stattfindet ist ok. Wenn nicht ist auch ok. Haben sie mir einen guten Rat? Ich bin nicht bereit irgendwelche Hormone zu schlucken. Auch keine Vaginal Zäpfchen etc. Lg

Caroline Fux: Es wäre spannend und wichtig zu wissen, was genau in den letzten Monaten passiert ist, dass Sie von so viel erlebter Lust komplett in die Unlust gekippt sind. Zwar lassen sich auf diesen Spurensuchen nicht immer eindeutige und klare Antworten finden, oft aber dennoch Ideen, wo man ansetzen könnte. Wenn Schmerzen beim Sex ein Thema sind, braucht es oft eine andere Sexualität, als die bisher bekannte. Dabei geht es nicht um eine einzige, alles verändernde Intervention, sondern um viele kleine Mosaiksteine, die schlussendlich das Gesamtbild verändern. Wichtige Bausteinchen könnten sein: Sich mehr Zeit nehmen. Die eigenen Erregungszeichen besser kennenlernen. Diese Erregungszeichen sorgfältiger und neu kultivieren und aufblühen lassen. Mit sanften Bewegungen arbeiten. Mit Gleitgel und Ölen arbeiten. Die Beziehungssituation durchleuchten. Sich fragen, ob das Thema «Den Partner aufnehmen» aktuell überhaupt passt. Einen Blick über den Tellerrand von Sexualität und Beziehung hinauswerfen, also sich fragen, wie man sonst gerade im Leben steht. Sie sehen: Es gibt viel zu erkunden. Sexualberater*innen können Reiseleiter auf solchen Erkundungstouren sein.

Können Sie mir ein Fachbuch/einen Ratgeber empfehlen, um mich noch genauer über die Lustlosigkeit, “Techniken” für mehr Lust informieren kann? Vielen Dank im Voraus!

Sybille Stahlberg: “Coming soon” (für Frauen ) von Dania Schiftan oder “Klappt`s” vom Leistungsstress zum Liebesspiel (für Männer) von Michael Sztenc

Nachdem ich (71) seit 10 Jahren verwitwet bin, habe ich absolut keine Lust mehr. Ich finde das normal, brauche ich jetzt eine Therapie?? Ich finde, ab einem gewissen Alter ist es einfach lächerlich, einen Senior zu suchen für Sex.

Daniele Kirchmair: Warum in Frage stellen, wenn sie sich wohl fühlen? Es gibt Menschen die sind mit 70plus sexuell (gerne und gut) aktiv und es gibt jene die sind es nicht mehr. Und es fragt sich in jedem Alter für sich mit einem Gegenüber die richtige Form zu finden. Schön finde ich es auch mit über 70 einen guten Bezug zu sich selber zu haben, sich im Körper zu spüren, sich zu bewegen, ... vielleicht ist es auch mehr die Sinnlichkeit die für sie stimmig ist. ....Und es gibt im älter werden einfach schöne Begegnungen und vielleicht entwickelt sich dort etwas stimmiges, vielleicht aber auch nicht. Finde beides ok!

Ich bin 26 Jahre alt und hatte im Frühling 2021 eine Eileiterschwangerschaft. Zudem habe ich im Herbst 2019 die Diagnose Lichen Sclerosus erhalten. Seit einiger Zeit habe ich sehr selten Lust auf Sex. Oft haben wir lediglich um den Eisprung herum Sex, wegen Kinderwunsch. Ich hätte gerne wieder mehr Lust und mehr Freude am Sex. Was kann ich tun? Auch komme ich lediglich mit einem Vibrator zum Orgasmus. Kann ich hierzu etwas ändern, dass ich auch ohne Vibrator zum Orgasmus komme?

Caroline Fux: Sie und Ihr Körper mussten in den letzten Jahren das eine oder andere Abenteuer meistern. Das kann der Sexualität definitiv einen Dämpfer verpassen. Eine Sexualberatung könnte ein guter Weg sein, damit Sie wieder einen etwas unbeschwerteren, lustvolleren Zugang zu Ihrem Körper finden können. Lichen Sclerosus ist nicht heilbar, aber behandelbar. Allfällige Beschwerden beim Sex können gelindert werden, wenn man die eigenen Erregungszeichen gut kennt und weiss, wie man eine besonders «körperfreundliche» Sexualität leben kann. Eine körperzentrierte Sexualberatung kann dazu viel spannendes Wissen vermitteln. Ein Thema in so einer Beratung kann auch sein, welche Methoden zur Erregungssteigerung jenseits des Vibrators für Sie klappen könnten. Sie dürfen aber auch einfach geniessen, dass Sie Orgasmen kennen und Sie mit Hilfe eines Toys erreichen können. Sexueller Genuss lebt nämlich oft von Erweiterungen. Also davon, dass man Neues dazulernt und weniger, dass man bereits Funktionierendes streichen möchte.

Bei meiner Lustlosigkeit kommt es dazu, dass ich nicht weiss, wie Orgasmuss sich anfüllt. Habe das Gefühl, dass ich schon komme, jedoch finde ich das jetzt nicht so bewegend. Finde es jetzt nicht so doll. Weiss nicht, wie dass es sich gut anfühlen kann. So habe ich auch nicht das Bedürfnis. Ist das normal? Bin seit 13 Jahren mit mein Mann zusammen und haben einmal die Woche Sex...

Sybille Stahlberg: Guten Abend, wenn es sich nicht so doll anfühlt, ist es auch normal, dass das Bedürfnis nicht besonders gross ist. Ich würde Sie ermutigen herauszufinden was Ihnen gefällt. Welche Berührungen sind angenehm? Was macht Lust auf mehr? Wo ist Berührung angenehm? Wenn Intimität lustvoll erlebt wird kann auch die Lust auf Sex zunehmen…es geht um eine Sexualität, die es wert ist gewollt und gelebt zu werden. Wie können Sie ihre wöchentliche Sexualität mit Ihren Mann so zu gestallten, dass es für Sie angenehmer wird. Dabei hilft Bewegung

Ich bin 39 Jahre und seit 20 Jahren in einer Beziehung. Wir haben 2 Kinder. Aufgrund des Alltagsstress hat meine Frau kaum Lust auf Sex. Ich habe zunehmend mehr Mühe mit dieser Lustlosigkeit umzugehen, da ich selber sehr lustvoll bin. Eine Beziehung ohne Sex ist für mich nicht vorstellbar. Fremdgehen ist keine Option für mich. Wie weiter?

Bruno Wermuth: Ich habe häufig Paare, die mit einer ähnlichen Fragestellung in die Paarberatung kommen. Es stellt sich meist schon im ersten Gespräch heraus, dass es nicht so sehr um Lustlosigkeit geht als vielmehr um einen Mangel an Zeit, um überhaupt mit der eigenen Lust in Kontakt zu kommen! Gerade Frauen sind oft derart überlastet in ihrem Alltag, dass sie keine Zeit mehr haben für sich. Oft schildern sie, dass aber genau dieser Raum für sich selber die Grundvoraussetzung ist, um sich soweit zu entspannen, dass Sex und Intimität überhaupt ein Thema werden können. Es dürfte also sehr wichtig sein, dass deine Frau Entlastung erfährt! Zudem solltet ihr euch Zeitinseln schaffen, die nur für euch als Paar reserviert sind – also Kinder zu den Grosseltern für ein Wochenende und ab in ein tolles Hotel mit Wellness-Bereich! Aber auch ein Abend pro Woche mit gegenseitiger Massage kann Wunder wirken. Alles Gute!

Guten Abend. Mein Partner und ich sind beide asexuell. Er hat kein Problem damit. Ich schäme mich riesig dafür. Fühle mich abnormal und gehöre irgendwie nicht richtig dazu. Obwohl es niemand weiss, ist der Druck der Gesellschaft riesig. Es wird irgendwie einfach stillschweigend erwartet, dass man Sex miteinander hat. Ich hoffe einfach, dass das niemand herausfindet. Was raten Sie mir? Danke.

Daniele Kirchmair: Es gibt so viele verschiedene Formen eine zufriedene Beziehung zu führen. Wenn sie und ihr Partner sich einig sind und zufrieden, warum das nicht in dieser Form zu geniessen und zu leben? Wenn wir über das Mass Vorstellungen oder Glaubenssätze haben zu gewissen Themen wie z.B. wenn ich so und so bin, dann gehöre ich nicht dazu» und im gleichen Atemzug habe ich es eigentlich gut mit dem Partner ist die Frage woher kommen diese Vorstellungen und diese Gedanken? Wer ist «die» Gesellschaft? Wer in welcher Form macht den diesen Druck? In Gesprächen? Oder, vielleicht wirklich überprüfen ob es einfach so sein darf, sich in dem Fall für sich selber entscheiden, für den Partenr und einfach einen guten Weg finden. Es ist etwas anderes, wenn z.B. beide Partner den Weg gehen wollen Sinnlichkeit und Sexualität zu erlernen und zu erfahren. Dann vielleicht einfach Unterstützung bei Fachleuten suchen, ....

Ich bin ein sportlicher Mann, 52, beruflich recht erfolgreich. Es fehlt mir grundsätzlich nicht an der Gelegenheit Frauen kennenzulernen (über dating Plattformen). Wenn es konkret wird, blocke ich aber reale Treffen ab: Ganz nervös werde ich, wenn sich die Frage stellt intim zu werden. Auf ein reales Treffen kommen 4-5 Absagen bei mir. Das war nicht immer so. Ich halte mich für sexuell sehr interessiert und offen. Ich bewege mich schon recht lang im Bereich der Swingerszene (doch eine aktive Teilnahme verwehre ich mir selbst). Welche Massnahmen könnten sinnvoll sein, sich hier wieder zu öffnen?

Bruno Wermuth: Wichtig scheint mir, herauszufinden was hinter der Nervosität steht, die auftaucht, wenn es um gelebte Intimität geht. Gab es in der Vergangenheit Erlebnisse beim Sex, die noch nachklingen und die vielleicht genauer angeschaut werden sollten? Wurden Sie beschämt? Oder erlebten Sie sich nicht in Ihrer Kraft? Waren Sie nicht so «erfolgreich», wie Sie dies gerne gewesen wären? Wichtig ist auch, zu schauen, wann Sie sich auf Intimität einlassen können, denn so können Sie erkennen, welche Umstände herbeigeführt werden müssen, damit körperliche Begegnung möglich ist. Wahrscheinlich würde fachliche Begleitung in diesem Prozess Sinn machen – beispielsweise bei einem Sexualberater bzw. einer Sexualberaterin.

Meine Frage hat weniger damit zu tun, wie man Unlust überwinden kann, sondern viel mehr, wie man sie erlangen kann. Ich bin seit Monaten unbefriedigt und wünsche mir ein wenig mehr Unlust. Lange keine Partner gehabt und deshalb nur selbst Hand angelegt. Was kann ich gegen dieses “untervögelt”-Gefühl machen?

Caroline Fux: Die unbequeme Wahrheit lautet: Unerfüllte Wünsche und Bedürfnisse gehören zum Leben dazu. Solche Situationen mögen nerven, sie bieten aber auch immer die Möglichkeit, sich selbst besser kennenzulernen und nicht zuletzt aus Unzufriedenheit heraus zu entwickeln. Viele Menschen sind stark auf die Paarsexualität fixiert, wenn es ums Thema Sex geht. Solosex, als Selbstbefriedigung, wird als Sexualität zweiter Klasse ins Abseits gestellt. Gerade in dieser Solosexualität steckt aber ein immenses Potenzial. Die meisten Menschen pflegen dort Routine. Sie investieren nicht besonders viel, sind dann aber überrascht, wenn der sexuelle Bär nicht steppt und die Befriedigung mässig bleibt. Könnten Sie sich vorstellen, zum Beispiel in einer Sexualberatung an Ihrer Solosexualität zu arbeiten und diese aufzuwerten? Also sie besser kennenzulernen und zu erweitern? So könnten Sie komplett unabhängig von andern ein sexuelles Wachstumsprojekt starten. Das wäre vermutlich ein lustvolleres Ziel und eine befriedigendere Reise, als auf Unlust zu warten und erotische Energie abzuklemmen.

Seit fast 40 Jahren verheiratet... früher hatten wir recht guten Sex... die Trockenheit der Schleimhäute meiner Frau verhindert, dass wir noch Sex haben… meiner Frau macht Sex deshalb weh und weh tun möchte ich ihr auf keinen Fall.

Daniele Kirchmair: Toll seid ihr 40 Jahre verheiratet und habt nach wie vor den Wunsch euch sinnlich und sexuell zu begegnen,.... Ja, und diese Trockenheit gibt, und je nachdem gibt es gute Gleitmittel, Öle um zu sehen ob es dann mit dem Schmerz besser wird oder er weg geht? Und vielleicht, sollte das nicht mehr gehen, sich trotzdem (nackt) zusammenlegen, sich Zeit lassen, zu atmen und zu spüren, die Haut spüren, die Nähe da sein lassen, Küssen, mit den Händen sich gegenseitig erfreuen, da ist ganz viel möglich, gut über diese Situationen sprechen, schauen ob es möglich ist vor allem einen guten Kontakt miteinander zu erleben,....

Ich bin 68-jährig und habe seit meiner Menopause enorme Probleme mit trockenen Schleimhäuten. An Geschlechtsverkehr ist wegen Schmerzen trotz Gleitmittel nicht mehr zu denken. Zur Pflege nutze ich täglich regenerierendes Pflege-Öl von WELEDA. Auch habe ich die Lust an Sex ziemlich total verloren. Haben Sie mir evtl. einen Rat? Vielen Dank im Voraus.

Sybille Stahlberg: Guten Abend, leider ist es zu einem grossen Teil normal, dass im Alter die Schleimhaut dünner und damit sensibler wird. Super, dass Sie in Pflege investieren. Allenfalls können sie auch mit (naturidentischen) Hormonen “pflegen” (z.B. mit dem Vaginalzäpfchen infa rosa) Erkundigen sie sich da bei ihrer Ärzt:in. Ausserdem ist Bewegung hilfreich. Wie bewegt sich ihr Genial gerne? “Tanzen” Sie mit Ihren Becken. Finden Sie heraus, was ihr gefällt.

Meine Frau und ich hatten eigentlich immer ein sehr schönes und erfüllendes Sex-Leben. Vor ein paar Monaten wollten wir miteinander schlafen, jedoch konnte ich nicht “steif” werden. Nach ca. einer Stunde haben wir aufgehört und es war ein sehr schlimmes Gefühl für uns beide. Ich fühle mich seitdem sehr verunsichert und habe jedes Mal Angst intim zu werden, da ich möglicherweise wieder “versagen” könnte. So finde ich mich momentan in einem Teufelskreis wieder, in dem ich aus Versagensangst – nicht performen können und sich schlecht fühlen – einfach nicht rauskomme. Früher machte Sex Spass, heute ist es für mich eher ein Muss. Wie komme ich wieder mehr aus meinem Kopf raus und wie kann ich mich mehr entspannen, dass alles “funktioniert”, wie es gedacht ist bzw. wie es sollte. Vielen herzlichen Dank für die Hilfe!

Bruno Wermuth: Ihre Verunsicherung ist verständlich. Ich erlebe in meiner Praxis oft Männer, die sich im gleichen Teufelskreis befinden, wie Sie. Manche verabschieden sich in einer solchen Situation von der gelebten Sexualität, was überhaupt nicht Sinn macht, denn es gibt heute wirkungsvolle therapeutische Massnahmen bei Erektionsstörungen. Wichtig ist, dass Sie sich bei Ihrem Hausarzt melden und einem Checkup unterziehen. So wird schnell klar, ob es körperliche Gründe sind, die dazu geführt haben. Ich wünsche Ihnen alles Gute!

Meine Frage betrifft die Lustlosigkeit im Zusammenhang mit psychischer Gesundheit (Bsp. Libidoverlust bei Depression, Chronic Fatigue, PTSD) sowie der grossen Anzahl Medikamente, die Libidoverlust als Nebenwirkung haben. Warum ist dies nicht Teil unserer Sexualkunde? Warum wird dies im medizinischen Kontext so wenig thematisiert? Vielen herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit – ich bin gespannt auf den Chat.

Caroline Fux: Sexuelles Wohlbefinden galt lange als Luxusthema und für viele ist das immer noch so. Sex hat als «natürlichste Sache der Welt» von allein zu passieren. Im Alltag ist es aber oft nicht so einfach. Es zeigen sich Hindernisse und für deren Überwindung fehlen dann tatsächlich Bildung und Kompetenzen. Zum Glück realisieren immer mehr Menschen, dass Bildung rund um sexuelles Wohlbefinden etwas Nützliches und Kostbares ist. Lust darf mehr und mehr ein Thema sein. Es tut sich also etwas. Sexualität neben einer belasteten psychischen Gesundheit zu leben, ist eine grosse Herausforderung. Ein bisschen, wie im Winter einen Blumengarten zu hegen und zu pflegen. Schön ist, wenn man sich kleine Inseln der Sinnlichkeit schaffen kann, beispielsweise durch Berührungen und Nähe. Hilfreich ist auch, wenn man sich fragt, wie man eine Solosexualität kultivieren kann. Sexuelle Autonomie ist etwas unglaublich Wichtiges und sie hat grosses Potenzial.

Tötet die Krankheit Diabetes die Lustfähigkeit ab? Verliert man ab 65-70 Jahren die Lustfähigkeit? Ist dieses Problem im Alter bei Männern und Frauen unterschiedlich? Danke für erklärende Antworten.

Bruno Wermuth: Die Fähigkeit, Lust zu empfinden, ist in der Regel unabhängig von einer körperlichen Erkrankung, da Lust eine Emotion – im Volksmund würde man wohl sagen: ein Gefühl – ist. Der Körper dient dazu, die Lust zu erleben und zum Ausdruck zu bringen. Diese Fähigkeit kann durch Diabetes beeinträchtigt werden. Es ist deshalb wichtig, dass Sie sich von Ihrem Hausarzt bzw. Ihrer Hausärztin begleiten lassen!

Ich bin 50, zweifache Mutter, Kinder im Mittelstufenalter. Mein Mann und ich lieben uns mit jedem Jahr ein bisschen mehr, da unser gemeinsames Leben jedes Jahr enger zusammenwächst auf der emotionalen Ebene. Wir leben als Paar und nicht als WG-Freunde. Meine Lust auf Sexualität ist schon seit vielen Jahren eher verhalten bis ganz abwesend. Allem voran, weil die Veränderungen in meinem Körper mich dazu zwingen, eine “neue” Sexualität zu entdecken (grosse Gewichtszunahme durch Schwangerschaft einige Jahre danach noch gehalten, Inkontinenz wegen Schwangerschaft, dünnere Hautschicht in Scheide macht Sex unangenehm, Zwischenblutungen bei bzw. nach Eisprung oder mehr Schmerzen bei Menstruation bzw. bei Eisprung). Meine Sexualität habe ich meistens offen, spontan, neugierig und ohne viel Vorspiel ausgelebt. Was nicht mehr geht aufgrund der körperlichen Veränderungen. Mein Frage an Sie: wie finde ich wieder zurück zu der Sexualität, die ich mag? Es muss nicht gleich sein wie früher, heute aber ist es kompliziert und frustrierend, weil meistens etwas schmerzt oder ich nicht genau weiss, wie ich mich entspannen soll. An Geduld und Wohlwollen fehlt es nicht. Yoga, Klänge, Düfte & Co. passen nicht zu meinem Charakter. Ich bin auf der Suche nach einem “Universalrezept”. Oder leiden alle Frauen weltweit ab einem gewissen Alter für sich still dahin, weil es unumgänglich ist, dass Frauen irgendwann sich lustlos fühlen?

Sybille Stahlberg: Guten Abend, ihre Neugier und Offenheit sind eine gute Voraussetzung für Ihr Projekt einer lustvollen Sexualität. Investieren Sie in die Beziehung zu Ihrer Vulva und Vagina, indem Sie mit den Fingern Erkundungsreisen machen. Welche Berührungen sind angenehm? neutral? Vermeiden Sie unangenehmes. Begleitend empfehle ich das Buch “Coming soon” von Dania Schiftan.

Ich bin 28 Jahre alt, seit viereinhalb Jahren in einer Beziehung mit meinem Freund. Seit zwei Jahren hat meine Lust auf Intimität stark abgenommen. Dies ist/war für meinen Partner sehr schwer, zu Beginn hat er teilweise auf mein “Nein” sehr verletzt reagiert und wir hatten oft Streit nachher. Jetzt ist es seit ca. 5 Monaten keine Unlust mehr, die ich verspüre, sondern eine Abwehr. Aufgrund dessen sind wir seit drei Monaten nicht mehr intim. Ich empfinde Berührungen, welche mit Intimität zu tun haben als sehr unangenehm. Aktuell mache bin ich aufgrund von meiner Kindheit in Psychotherapie. Kann meine Unlust mit der Therapie und meinem Stress bei der Arbeit zusammenhängen? Macht ein Besuch bei einer Sexologin mehr Sinn als beim Hausarzt? Da meine Schilddrüsenwerte i. O. sind, vermutliche ich auf keine Hilfe beim Hausarzt. Und wie kann mein Partner damit umgehen, dass er mir diesen Raum aktuell geben muss?

Daniele Kirchmair: Aus meiner Erfahrung heraus ist es gut in so einer Situation über den Körper zu arbeiten. Da gibt es meines Erachtens gute Möglichkeit so einer Situation auf den Grund zu gehen. Es ist häufig so, dass das erst nach einer gewissen Zeit in der Beziehung auftaucht. Der Körper hat Erfahrungen gespeichert und die sitzen tiefer. Ja, ich würde da Therapie über den Körper empfehlen, da braucht es mehr als «nur» das Gespräch, auch diese Situation ernst nehmen und schauen, wogegen sich der Körper wehrt, wozu er nein sagt? Wann ggf. es Situationen gegeben hat, wo einem jemand (als Kind oder danach) unangenehm zu nahe gekommen ist. Auch unter welcher Bewertung in der Familie z.B. Intimität oder Nähe gestanden hat. Auch das Thema Weiblichkeit uind Frau sein würde ich durchleuchten. Unser Körper ist grundsätzlich mit der Grundenergie der Lebendigkeit ausgestattet und wenn wir uns entwickeln, uns unsere Lebensthemen anschauen können wir wieder verloren gegangene Lebendigkeit aktivieren. Sinnlichkeit und Sexualität ist auch angelegt und es wäre möglich diese lustvoll zu erleben sich aber auch abzugrenzen, ja und nein zu sagen, darüber zu sprechen,... Und ja so eine Situation tangiert die Paarbeziehung und es gilt zu schauen, was gehört zum einen und wie reagiert der andere. Es gibt da für mich keine Pauschalantwort, das ist ein Paarweg zu sehen, wie geht ihr beide damit um, wie könnt ihr einen Kontakt haben auch in der schwierigen Situation und euch trotzdem miteinander und jeder für sich weiterentwickeln.

An welche Fachperson (Psychologin, Paartherapeutin, Sexologin) wende ich mich am besten, wenn ich stets eine Blockade verspüre vor dem Sex? Schaffe ich es diese zu überwinden, ist der Akt lustvoll, ansonsten nicht. Danke für Ihre Hilfe!

Bruno Wermuth: Vielleicht haben Sie bereits eine Ahnung oder wissen sogar, womit die Blockade in Zusammenhang steht? Je nach dem, haben Sie so bereits einen Anhaltspunkt. Geht es um Ihre Beziehung, also ihre:n Partner:in, wäre wohl eine gemeinsame Paartherapie angezeigt. Handelt es sich eher um etwas, das Ihre Biografie oder akute psychische Belastungen betrifft, wäre es ein:e Psychlog:in. Und geht es eher um Ihren Körper und dessen sexuelle Funktionen, liegt Sexologie nahe. So genau kann man das aber letztlich nicht sagen und Sie werden überall hilfreiche Inputs erhalten.

Haben Sie eine Buchempfehlung zum Thema Lustlosigkeit? Sowohl für die Frau als auch für den Mann? Oder einen Podcast? Oder einen Film?

Caroline Fux: Inspirationsquellen sind etwas sehr Persönliches. Deshalb gibt es nicht das Buch, den Film oder den Podcast. Lust folgt auch nicht einfach einer fixen Anleitung oder einem X-Punkteplan. Manche Menschen fühlen sich durch Fachinputs inspiriert, andere mögen Theoretisches genau nicht. Die eine Person wird von Kunst inspiriert, andere von Bewegung, wieder andere durchs Essen. Schaffen Sie einen Alltag, in dem Ihre Sinne stimuliert werden. Und vor allem: Nehmen Sie sich Zeit. Lust und Sinnlichkeit gibts nicht auf Knopfdruck.

Ist es in der Natur der Sache, dass beim Mann die Erektionsfähigkeit im Alter ab 50 stark abnimmt? Zugleich auch der Sexualtrieb wie fehlt? Es verunsichert, wenn Aussagen gemacht werden, 70-Jährige haben zum Teil ein aktiveres Sexualleben als 40-Jährige. Herzlichen Dank für ein Feedback.

Sybille Stahlberg: Das Testosteron nimmt mit dem Alter ab und somit ist die Erektion weniger stark und braucht auch mehr Zeit um sich zu erholen. Mir ist wichtig zu betonen, dass ein aktives Sexleben nicht von einer prallen Erektion abhängt. Erektionsquellen und Erektionssteigerung können erweitert werden.

Chat-Admin: Der Live-Chat ist beendet. Mehr Infos zum Thema finden Sie in untenstehender Sendung.

Video
Weniger Frust mit der Lust
Aus Puls vom 14.02.2022.
abspielen. Laufzeit 34 Minuten 19 Sekunden.

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