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Erika Spillmann leitet seit 1996 das Kinderheim «Hogar Bambi» in Caracas.
SRF
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Erika Spillmann gründete das heute grösste Kinderheim von Caracas

Wer von Venezuela spricht, redet auch von Wirtschaftskrise, hoher Kriminalität und Armut. Erika Spillmann bekommt die schwierige Situation Venezuelas direkt zu spüren: Sie nimmt Kinder von Eltern auf, die ihre Kinder nicht mehr ernähren können.

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Wer mit Erika Spillmann (52) einen Termin vereinbaren will, braucht Glück: Sie ist fast 24 Stunden beschäftigt. Ihr Kinderheim ist in den letzten 26 Jahren gewachsen. Sie musste sogar neue Wohnungen erwerben, um die heute rund 100 Kinder unterzubrigen. Es ist heute das grössste Kinderheim von Caracas.

Mit zehn Jahren nach Venezuela gekommen

Erika Spillmann ist gebürtige Thunerin. Ihr Vater, Schweizer, hat seine zukünftige Frau, eine Venezolanerin, im Studium an der Sorbonne Universität in Paris kennengelernt.

Als sie zehn Jahre alt war, wollte Erika Spillmann nach Venezuela. Sie ging dort weiter zur Schule und später studierte sie. Da ihr Vater bereits ein Kinderheim in Kolumbien betrieben hatte, wollte sie nach dem selben Muster ein eigenes Heim in Venezuela gründen. «Das ging dann alles sehr schnell» sagt sie. Da gleichzeitig ein anderes Kinderheim den Betrieb einstellte, konnte Erika Spillmann rund 40 Kinder übernehmen. «Ich wurde ins kalte Wasser geschmissen­­­­.» 

Seit 1996 existiert nun das «Hogar Bambi­», so der Name. Mittlerweile schauen 120 Angestellte zu den Kindern.

Oft werden Kinder abgegeben, die noch kein Jahr alt sind. «Kleinkinder kosten den Eltern am meisten Geld» sagt Erika Spillmann. Bei einem Monatseinkommen von umgerechnet 50 Franken erkennen viele Eltern, dass sie ihr Kind gar nicht ernähren können.

Bereits über 4000 Kindern geholfen

Die Kinder leiden oft an Unterernährung. Hinzu kommt die fehlende Bildung: Die meisten Kinder gehen gar nicht zur Schule. Und das Problem hat isch in den letzten Jahren noch verstärkt. 

Da in den letzten Jahren über fünf Millionen Menschen aus dem Land geflüchtet sind, liessen viele ihre Kinder in Venezuela bei den Grosseltern oder Nachbarn zurück, in der Hoffnung, im Ausland irgendwie an Geld zu kommen. Oft bleibt es bei der Hoffnung, und die Grosseltern oder Nachbarn müssen über längere Zeit zu den Kindern schauen. In vielen Fällen reicht das Geld nicht mehr und sie sind gezwungen, die Kinder ins Kinderheim bringen. 

Seit der Gründung konnte Erika Spillmann bereits über 4000 Kindern helfen.

Das Problem mit der Stille

Erika Spillmann kennt die Welt in Venezuela. Sie kennt sie aber auch am Thunersee. «Ich gehe etwa drei Mal im Jahr in die Schweiz an den Thunersee um durchzuatmen und herunterzukommen». Caracas ist eine lärmige Stadt. In der Schweiz wird genau das zum Problem, sagt sie. «In der Nacht kann ich kaum schlafen, es ist einfach immer so still und ruhig draussen.­»

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