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«Flüstern in stehenden Zügen» von Clemens J. Setz

Spannungsgeladenes Monologstück. Ein alleinlebender Mann sitzt daheim. Seinen Hunger nach menschlicher Nähe versucht er zu stillen, indem er Call-Center und Abzockerfirmen anruft und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in persönliche Gespräche zu verwickeln sucht.

Kontakt hat C. eigentlich nur zu seinem Angestellten in seinem Computerreparaturgeschäft und zu wenigen Kunden. Ansonsten sitzt er daheim und telefoniert. Aber nicht mit Freunden und Verwandten, sondern mit Call-Centern und Fake-Hotlines. Sie rufen nicht ihn an - sondern er sie! Diese Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind im Hörspiel nicht zu hören - genau wie im realen Leben sitzen sie in fernen Ländern, gleichen eher Robotern als Menschen und rauben mithilfe vorgefertigter Sätze und Pläne leichtgläubige Internet- und Kreditkartennutzer aus.

C. dreht den Spiess um: zuerst rügt er sie wegen ihrer Geschäftspraktiken oder ihrer unzureichenden Deutschkenntnisse. Dann versucht er, mehr über ihre Biografien herauszufinden. Doch deren Job ist es nicht, Mensch zu sein - und so führen C.s Versuche immer wieder in Kommunikationswüsten.

Worum es der Hauptfigur C. geht, hält der Autor offen, schreibt seinem C. ein ungelöstes, nach menschlichem Vorbild unbegriffenes Dilemma ins Herz. Will er Rache? Aufmerksamkeit? Gutes tun? Rettung? Gar nichts? Einsamkeit, in welchen Schattierungen wir sie auch erleben, bietet wenig Schutz, zumal vor der Groteske. Setz hat eine solche verfasst. (Hörspielregisseur Philip Scheiner)

Das Theaterstück wurde im Frühjahr 2021 am Schauspielhaus Graz fertig geprobt, kam dann aber wegen des Corona-Lockdowns nicht zur Premiere. Philip Scheiner und Stefan Weber haben es daraufhin in gleicher Besetzung fürs Hörspiel adaptiert.

Am 6. November wird Clemens J. Setz (geb. 1982 in Graz) mit dem Georg-Büchner-Preis 2021 für sein schriftstellerisches Werk ausgezeichnet.

Mit: Raphael Muff (C.), Evamaria Salcher (Kundin) und Franz Solar (Angestellter)

Klangkomposition: Stefan Weber - Hörspielbearbeitung und Regie: Philip Scheiner - Tontechnik: Christian Michl - Mastering: Martin Leitner - Produktion: ORF 2021 - Dauer: 53'

Diese Produktion steht Ihnen für 7 Tage zum Nachhören zur Verfügung. 

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