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Barock – mon amour Sechs Gassenhauer der Barockmusik

Sie kennen keine klassische Musik? Von wegen! Es braucht nicht unbedingt einen Konzertbesuch, um diesen sechs Hits der Barockmusik zu begegnen. Sie sind Teil unseres Alltags.

Gemälde eines Mannes, der bei Kerzenschein Flöte ab Noten spielt – um ihn herum stehen und sitzen die Zuhörer.
Legende: Flötenkonzert Friedrichs des Grossen auf Schloss Sanssouci. Wikimedia

Die barocken Gassenhauer:

  • Antonio Vivaldi: Vier Jahreszeiten

    Vier Violinkonzerte – für jede Jahreszeit eines. Aber wohl die am meisten bearbeitete klassische Musik überhaupt. Absoluter Strassenmusik-Hit. Es gibt sogar Versionen mit E-Gitarre. Vivaldi publizierte die Konzerte 1725. Das Erfolgsgeheimnis ist ihre plastische Bildhaftigkeit. So knarrt im «Winter» das Eis und knistert das Kaminfeuer, im «Frühling» raschelt das junge Grün, tirilieren die Vögel – und wir können unser Gesicht in den warmen (Musik-)wind strecken.

  • Johann Sebastian Bach: Orgel-Toccata in d-Moll

    Das berühmteste Orgelstück Europas und ebenfalls ein Strassenmusik-Hit (Akkordeon!). Zudem Protagonist in einem der allerersten Musikvideos: In Walt Disneys «Fantasia» von 1940, in der Stokowski-Orchesterfassung. Bachs Autorschaft wurde auch schon angezweifelt, aber wir können davon ausgehen, dass der junge Bach ungefähr so auf der Kirchenorgel improvisiert hat wie hier.

  • Johann Sebastian Bach: Präludium in C-Dur

    Mit diesem Stück eröffnet Bach seinen Parcours durch alle 24 Tonarten, die er in seiner Sammlung «Das Wohltemperierte Klavier» durchschreitet. Zum Hit wird das C-Dur Präludium erst viel später durch den Franzosen Charles Gounod. Er verwendete es als Bassfundament für sein «Ave Maria». Das Stück darf seither an kaum einer Hochzeit mehr fehlen.

  • Marc-Antoine Charpentier: Te Deum

    Komponiert um 1692 – so nimmt man an – als Repräsentationsmusik für den siegreichen französischen König Louis XIV in der Schlacht von Steenkerque. Die Anfangstakte des «Prélude» werden 1954 zur Eurovisionsmelodie und dringen in unzählige Fernseh-Haushalte ein. Sie werden Teil unseres Kultur-Gedächtnisses. Diese Eurovisionshymne war übrigens auch Anlass für Musiker, sich vertieft mit dem damals noch fast unbekannten Charpentier zu beschäftigen.

  • Georg Friedrich Händel: Hallelujah

    Ein Hit seit der ersten Aufführung 1742 in London. Der «Hallelujah»-Chor ist der Höhepunkt (nicht das Ende) von Händels Oratorium «The Messiah», das die Geburt Christi bis zur Himmelfahrt nacherzählt. Es ist keine eigentliche Kirchenmusik, sondern eher geistliche Unterhaltung. Die Engländer stehen übrigens beim «Hallelujah» traditionell auf, weil König George II. bei der Uraufführung fälschlicherweise meinte, das Stück sei fertig und jubelnd in die Höhe sprang.

  • Georg Friedrich Händel: Ombra mai fu («Largo»)

    Die Melodie seines berühmten «Largo» hat Händel vom Italiener Giovanni Bononcini geklaut. Händels Oper «Xerxes», an deren Anfang diese Melodie steht, war zudem ein Flop. Zum Hit wurde das «Largo», das eigentlich ein «Larghetto» ist, erst im 19. Jahrhundert – als feierliche Begräbnismusik. Dabei hat die Arie nichts mit dem Tod zu tun: Xerxes besingt darin seine Liebe zu einem Baum. Deswegen wird er in der Folgeszene der Oper auch verspottet.

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