«Damals haben sie ‹mein› Quartier unsicher gemacht»

Mit «Das Fräulein» holte sich Andrea Štaka 2006 den Goldenen Leoparden in Locarno. Auch ihr neuster Film «Cure – The Life of Another» begeistert Kritik und Publikum. Dass Andrea Štaka beim Blick aus ihrem Fenster schmunzeln muss, hat mit Frühs «Hinter den sieben Gleisen» zu tun.

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Filmausschnitt «Hinter den sieben Gleisen»

6:27 min, vom 1.4.2015

Porträtbild von Andrea Štaka.

Bildlegende: Regisseurin Andrea Štaka. Goran Potkonjak

«Ich blicke in ein gewaltiges schlammiges Loch hinein. Ein Bagger fährt vorbei, und der Arbeiter winkt mir zu. Ich wohne am Güterbahnhof, wo heute eine Baugrube klafft. Bald wird hier das Zürcher Polizeigefängnis stehen, und ich schmunzle, wenn ich an die drei Clochards aus Kurt Frühs ‹Hinter den Sieben Geleisen› denke. Damals haben sie ‹mein› Quartier unsicher gemacht.

Ist es die letzte Szene des Films, an die ich mich erinnere? Die junge Frau mit dem Kind, wie sie über die Geleise stadtauswärts in eine neue Zukunft hineinspaziert. Die drei Bananenräuber blicken ihr nach. Die Geschichte mit der jungen Mutter liess sie in ganz andere Gewässer treiben, doch bald werden sie sich wieder den Bananen der Langstrasse widmen. Sehr wahrscheinlich ist die letzte Szene des Films ganz anders, aber in meiner Erinnerung prägt diese Mischung aus Melancholie und Neuanfang das letzte Bild. Und das ist schön.»