Addio Francesco Rosi: Der Meister des Mafia-Films ist gestorben

Er war einer der wichtigsten italienischen Regisseure und Neorealisten der Nachkriegszeit: Francesco Rosi. Sein Thema waren die Mafia und ihre Verstrickungen in Politik und Gesellschaft. Aber nicht nur: Legendär ist auch seine Opern-Verfilmung «Carmen». Er ist er 92-jährig in Rom verstorben.

Nahaufnahme von Francesco Rosi

Bildlegende: In den letzten Jahren seines Berufslebens kehrte Francesco Rosi zu seiner ersten Liebe zurück: das Theater. Reuters

Auf Wunsch seines Vaters studierte der gebürtige Napolitaner Franceso Rosi Jura. Nach dem zweiten Weltkrieg jedoch orientierte sich der 22-Jährige beruflich neu. Er arbeitete als Radiojournalist in Neapel, bis er 1946 eine Stelle als Regieassistent am Theater Quirino in Rom erhielt, an dem er später auch als Autor und Schauspieler agierte. Er schrieb sich an der Filmakademie ein und wurde noch als Student Regie-Assistent von Luchino Visconti.

Das goldene Zeitalter des Italienischen Films

Francesco Rosi stieg zu einer Zeit ins Filmgeschäft ein, als aus Italien die grossen künstlerischen Impulse der 7. Kunst kamen. Seine Generation sei geprägt gewesen von den grossen Pionieren des italienischen Neorealismus, sagte Francesco Rosi immer wieder. Lucchino Visconti, Vittorio de Sica und Roberto Rossellini prägten sein Schaffen nachhaltig.

In seiner Zeit als Regieassistent wirkte er an namhaften Filmen Viscontis mit wie «Die Erde bebt» (1948), der heute zu den bedeutenden Werken des italienischen Neorealismus gezählt wird.

Sein Thema: Realistische Mafia-Filme

Auch Francesco Rosi zählte zu den Neorealisten. Zunächst jedenfalls. Seinen ersten eigenen Spielfilm realisierte er 1958 :«Die Herausforderung». Darin beschreibt er die verbrecherischen Aktivitäten der Händler auf dem Gemüsegrossmarkt von Neapel. Den internationalen Durchbruch gelang ihm 1962, mit dem Film «Wer erschoss Salvatore G.» über einen bekannten sizilianischen Mafiosi, der 1962 an der Berlinale den Silbernen Bären für die beste Regie gewann.

Die Mafia und ihre weitreichende Verflechtungen in Politik und Wirtschaft waren sein grosses Thema. Die heute wohl bekanntesten Mafiafilme aus seiner Hand sind «Hände über der Stadt», der 1963 in Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet wurde, und «Der Fall Mattei» (1972), der in Cannes die Goldene Palme erhielt.

Stilwechsel Ende der 1970er

Ende der 1970er-Jahre jedoch wandte sich Rosi einem neuen Thema zu: dem poetischen Realismus. Er realisierte das Psychogramm «Christus kam nur bis Eboli» (1979), ein Film über Italien zur Zeit Mussolinis, nach dem gleichnamigen Roman des Autors Primo Levi.

Damit tat er es seinem grossen Vorbild Luchino Visconti gleich, der bereits 1963 den Roman «Gattopardo» von Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Giuseppe Tomasi di Lampedusa verfilmt hatte.

Unvergessliche «Carmen»

1981 befasste sich Francesco Rosi eingehend mit dem Terrorismus der 1970er-Jahre in Italien. Die Folge davon war der Film «Drei Brüder» (1981) mit Philippe Noiret, Michele Placido und Vittorio Mezzogiorno – ein Familiendrama, mit dem er für den Oscar nominiert wurde.

1984 wagte sich Franceso Rosi nochmals an ein ganz anderes Projekt und verfilmte die Oper «Carmen» (1984) mit Julia Migenes und Plácido Domingo. Mit Erfolg: Der Film gilt bis heute als Meilenstein in der Geschichte des Musikfilms.

In den folgenden Filmen kehrte Rosi zurück zum Thema Mafia, die Werke «Palermo vergessen» (1990) und «Neapolitanisches Tagebuch» konnten aber nicht mehr an die früheren Erfolge anknüpfen. Danach wurde es ruhig um den italienischen Regisseur.

Zurück zur ersten grossen Liebe: Das Theater

Seine letzte Regiearbeit schliesslich widmete Franceso Rosi noch einmal einem Werk des italienischen Autors Primo Levi. In «Die Atempause», nach dem gleichnamigen biografischen Roman des Autors, dokumentierte er 1997 die Heimreise des Auschwitz-Überlebenden nach Italien.

Ebenfalls 1997 wurde Franceso Rosi in die Jury der Filmfestspiele von Venedig berufen. 2008 erhielt er in Berlin den Goldenen Ehrenbären für sein Lebenswerk, 2012 wurde sein Lebenswerk in Cannes mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet.

In den letzten Jahren seines Berufslebens kehrte Francesco Rosi zu seiner ersten grossen Liebe zurück: Als Regisseur der neapolitanischen Theater-Kommödien von Eduardo De Filippo.

Am Morgen des 10. Januars 2015 ist er 92-jährig in einem Spital in Rom verstorben.

Sendung: SRF 4 News, Nachrichten, 10.01.2015, 16:00 Uhr.

Der Italienische Neorealismus

Der Ital. Neorealismus bezeichnet eine Epoche der Filmgeschichte und Literatur von 1943 bis 1954. Begründet wurde er von Literaten, Filmautoren und Regisseuren als Antwort auf den Faschismus. Vertreter waren u.a. Roberto Rossellini, Luigi Zampa, Luchino Visconti, Federico Fellini, Vittorio De Sica.