Alpen – Faszination und Fluch

Eine naturgewaltige Macht der Bilder – mit einer Agenten-Hightech-Kamera aufgenommen: Die Doku «Die Alpen – Unsere Berge von oben» zeigt überwältigende Berge und Täler aus der Vogelperspektive.

Bergspitze von oben

Bildlegende: Ein Film für jene, die es nicht erwarten können einen Berg runterzuwedeln. Frenetic Films

Der filmische Flug über die Alpen zeigt Bekanntes: Auf breiten Pisten tummeln sich ameisengleich Skifahrer, Bergsteiger erklimmen im Gänsemarsch den Gipfel, Base-Jumper hüpfen paarweise ins Tal. Aber er zeigt auch weniger Bekanntes, wie etwa die in den Stein der Dolomiten getriebenen Schützengräben aus dem ersten Weltkrieg oder den Lauf des Rheins vom Toma- in den Bodensee.

Mithilfe des amerikanischen Militärs

Möglich geworden sind die Aufnahmen dank einer neuen, von einem US-Geheimdienst entwickelten, hochauflösenden Helikopterkamera. Die mit Agenten-Hightech eingefangenen Bilder sind in der Tat grossartig und beim Anblick der über den Bergen aufgehenden Sonne geht einem das Herz auf.

Leider, wie immer bei Filmen, die sich allein auf die Macht der Bilder verlassen, setzt schnell visuelle Übersättigung ein. Am schönsten sind die eingefangenen Bilder dann, wenn die Kamera ungewöhnliche Einstellungen findet, und eigentlich Bekanntes sich in ein abstraktes Gemälde verwandelt.

Eine Stimme kommentiert die Bilder, doch ist die Erzählung thematisch so zersiedelt wie manch Schweizer Alpental. Geologisches und historisches, ökologisches und ökonomisches Halbwissen wird routiniert von der einen Hälfte des bayerischen Tatort-Duos Udo Wachtveitl vorgelesen. Ein Alpenpotpourri in rollendem R-dur.

Kurvenreiche Alpenstrasse

Bildlegende: Der nächste Urlaub kommt bestimmt. Frenetic Films

Wenn die Berge gekitzelt werden

«Die Alpen – Unsere Berge von oben» bewegt sich zwischen Werbefilm eines österreichischen Softdrink Herstellers, Schulungsvideo der Bergwacht und dokumentarischem Heimatfilm mit mahnend erhobenem Zeigefinger.

Das kann sehr lustig sein: In einer Sequenz stürzt ein waghalsiger Skifahrer, dem keine Flügel gewachsen sind, dann wird er geborgen und ins Tal geflogen. Aus dem Off tönt Udo Wachtveitl lakonisch: «Wenn die Berge zu sehr gekitzelt werden, dann schütteln sie die Menschen ab». Da schüttelt man sich vor Lachen.

«Die Alpen – unsere Berge von oben» ist ein Film für jene, die sehnsüchtig an die sommerliche Bergwanderung zurückdenken oder es nicht erwarten können einen Berg runterzuwedeln.