«Big Game»: Von Männern und Memmen

Ein Teenager schleust den amerikanischen Präsidenten durch Finnlands Dickicht und rettet ihn vor fiesen Terroristen. Mit Pfeil und Bogen. Was sich nach einem 0815-Action-Kracher anhört, ist ironisches Popcornkino, in dem der mächtigste Mann der Welt ein Weichei und kein Volksheld ist.

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Keine 3 Minuten: «Big Game»

3:05 min, vom 18.6.2015

Filmplakat

Bildlegende: «Big Game» Filmplakat Ascot Elite

Wer das Plakat von «Big Game» sieht, erwartet vielleicht die übliche Hollywood- Action-Kiste mit den üblichen platten Dialogen und den üblichen aufwändigen Effekten. Ganz falsch läge man mit dieser Vermutung zwar nicht, trotzdem spürt man in «Big Game» eine gewisse Selbstironie, die eher untypisch für das amerikanische Actionkino ist.

Das liegt daran, dass der mit Hollywood-Stars besetzte Film eine Gemeinschaftsproduktion aus Finnland, Deutschland und Grossbritannien ist, also kein Produkt aus dem amerikanischen Unterhaltungs-Universum.

Das heisst nicht, dass es in dem Film weniger knallt. Ganz im Gegenteil. Gleich zu Beginn kracht der abgeschossene Präsidenten-Flieger «Air Force One» in die finnischen Wälder. Der amerikanische Staatschef entkommt dem Anschlag in einer Rettungskapsel. Allein in der Wildnis, wird er von einem einheimischen Waldburschen gefunden, der ihn aus der rauen Natur und vor fiesen Terroristen retten muss.

    • Präsident im Flugzeug

      Bildlegende: «Das Leben ist zu kurz, um auf einen Keks zu verzichten.» Ascot Elite

      Das beste Zitat

      Der Bodyguard erinnert den Präsidenten an die bevorstehende Landung in Finnland im Wissen, dass die Maschine kurz vorher attackiert wird. Denn der Bodyguard gehört zu den Bösewichten. In der Suite entdeckt er beim Präsidenten einen Teller Kekse: «Sie werden es doch nicht der First Lady sagen, oder?» «Mr. President, eine Sache habe ich gelernt. Das Leben ist einfach zu kurz um auf einen Keks zu verzichten, wenn man Lust darauf hat.»

    • Regisseur Jalmari Helander

      Bildlegende: Regisseur Jalmari Helander auf dem Locarno Filmfest 2010. Keystone

      Der Regisseur

      Der finnische Drehbuchautor und Regisseur Jalmari Helander durfte mit «Big Game» den teuersten finnischen Film aller Zeiten umsetzen. Und das, obwohl dies erst sein zweiter Kinofilm ist. Vor fünf Jahren brachte er die Weihnachtsgeschichte «Rare Exports» heraus, die teilweise mit den selben finnischen Schauspielern wie in «Big Game» besetzt ist. Drehbuch und seine Regiearbeit müssen Produzenten wie Hollywoodstars überzeugt haben, denn die Besetzung in «Big Game» kann sich sehen lassen. Neben Samuel L. Jackson («Pulp Fiction») kommen auch noch andere bekannte Gesichter aus Hollywood vor, wie Jim Broadbent («Gangs of New York»), Felicity Huffman («Desperate Housewives») und Victor Garber («Titanic»).

    • Junge mit Mann auf einem Hügel

      Bildlegende: Die Schauspieler Samuel L. Jackson mit finnischem Newcomer Onni Tommila. Ascot Elite

      Fakten, die man wissen sollte

      Der Film beginnt mit epischen Luftaufnahmen der Bergmassive Finnlands. Moment mal. Hohe Berge in Finnland? Der höchste dort heisst Haltitunturi und ist gerade mal 1328 Meter hoch. Diesen Fels sieht man auf den alpinen Bergaufnahmen aber auch nicht. Das liegt daran, dass der Film nicht in Finnland, sondern komplett in Bayern entstand. Gedreht wurde auf der Zugspitze und in den Bavaria Filmstudios. «Sochn gibt’s», würde wohl ein Bayer dazu sagen.

    • Schauspieler stehen vor einem Bildschirm

      Bildlegende: Bekannte Gesichter. Die Schauspieler Victor Garber, Felicity Huffman und Jim Broadbent (v.l.n.r.) Ascot Elite

      Das Urteil

      Ein Naturbursche rettet den mächtigsten Mann der Welt aus den Klauen von bösen Terroristen. Das hört sich nach einer Mischung aus überdrehter Teenagerkomödie und 80er-Jahre Action an. Regisseur Jalmari Helander wollte keinen bierernsten Film auf die Leinwand bringen. Denn «Big Game» hat ganz klar parodistische Züge. Nicht nur was die überspitzte Action angeht, sondern auch in der Darstellung von «Mister President». Statt als amerikanischer Volksheld, wird der Staatschef als unbeholfener Bürohengst dargestellt, dem seine Macht - ausgeübt mit Hilfe des Telefons - in der Wildnis nichts nutzt, weil er weder die US-Armee, noch den Pizzaboten anrufen kann. Gags wie diese machen aus der Actionkomödie zwar keinen grossen Film, aber Popcorn-Kino mit viel Charme.

Kinostart: 18.06.2015

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