Michael Steiner: Ein Regisseur mit Kampfeswille

Michael Steiner ist erfolgreich, prominent und selbstbewusst. Er wehrt sich gegen alles Dogmatische, gegen Fremdbestimmung und die Bünzli-Schweiz. Er will lustvolle Üppigkeit und vor allem das machen, was er für richtig hält: grosses Kino.

Sein Eigenwille und Mut als Filmschaffender wurde belohnt: Michael Steiner.

Bildlegende: Sein Eigenwille und Mut als Filmschaffender wurde belohnt: Michael Steiner. Keystone

Michael Steiners Vision eines Kinos, das über helvetische Behäbigkeit hinauswächst, ist nicht umsonst zu haben: «Wer kein Kämpftertyp ist, wird nicht Filmemacher», sagt Michael Steiner. «Es gibt so viele Widerstände!» Steiners Filmproduktionsfirma heisst bezeichnenderweise Kontraproduktion.

Kontraproduktion passt auch bestens zum ersten Filmprojekt, das Michael Steiner und Pascal Walder in Angriff nahmen: «Nacht der Gaukler» – ein Action-Thriller. Kein Kurzfilm war es, sondern ein abendfüllender Kinofilm. Das Projekt wurde von der Filmförderung abgelehnt. Grössenwahn wurde den jungen Filmemachern vorgeworfen. Sie sollten zuerst einmal ein paar Kurzfilme drehen, hiess es.

Einfach machen!

Hilfe in letzter Minute gab's für den Mystery-Thriller «Sennentuntschi».

Bildlegende: Hilfe in letzter Minute gab's für den Mystery-Thriller «Sennentuntschi». SRF

«Einfach machen», war hingegen ihre Devise. Ihr Mut und Eigenwille wurde belohnt und der Film schaffte es ans Filmfestival Locarno. Die renommierte US-Filmzeitschrift «Variety» befand, «Nacht der Gaukler» habe mehr Innovationskraft und Energie als ein ganzes Jahr schweizerischer Filmproduktion.

Kampfeswille forderte dann besonders die Realisierung des Mystery-Thrillers «Sennentuntschi», eines der wichtigsten Filme Michael Steiners. Kurz nach Abschluss der Dreharbeiten klaffte ein Finanzloch in Millionenhöhe. Steiners Firma drohte der Konkurs. Ein gefundenes Fressen für die Medien, inklusive Schlammschlacht mit Vorwürfen, die auch unter die Gürtellinie gingen. Hilfe in letzter Minute kam durch Bernhard Burgener mit seiner Firma Constantin Film. Er rettete Steiners Streifen sowie dessen Firma und band den Regisseur langfristig an sich.

Unterhaltungskino mit Anspruch

2006 war Michael Steiners Erfolgsjahr: Im Januar erhielt er für «Mein Name ist Eugen» den Schweizer Filmpreis für den Besten Spielfilm. Fast 600‘000 Zuschauerinnen und Zuschauer holte der Film in die Schweizer Kinos. Damit ist er publikumsmässig der zweiterfolgreichste Schweizerfilm überhaupt. Auch Steiners Polit- und Wirtschaftsthriller «Grounding – die letzten Tage der Swissair» wurde ein grosser Erfolg und sorgte landesweit für hitzige Debatten.

Michael Steiners Ambition ist packendes Unterhaltungskino, gepaart mit dem Anspruch des Autorenkinos. Dass er das umsetzen kann, hat er mehrfach bewiesen – nicht in seinem letzten Film «Das Missen Massaker», aber vorher und hoffentlich bald wieder.

Sendeplatz

Sonntag, 11. August um 21:30 Uhr auf SRF zwei

«Sennentuntschi», Sonntag, 11. August um 22:00 Uhr auf SRF zwei

«Nacht der Gaukler», Sonntag, 11. August um 23:55 Uhr auf SRF zwei

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