Dani Levy dreht Schweizer Tatort im Narrenchaos

Im neuen Schweizer Tatort «Schmutziger Donnerstag» ermittelt Kommissar Flückiger inmitten des hektischen Narrentreibens der Luzerner Fasnacht. Für Regisseur Dani Levy und seine Filmcrew war die Produktion mitten im Fasnachtschaos eine besondere Herausforderung.

Zwei Männer in Treppenhaus

Bildlegende: Regisseur Dani Levy (links) und Schauspieler Stefan Gubser bei den Dreharbeiten. SRF

Um Punkt fünf Uhr beginnt am Schmutzigen Donnerstag in Luzern die Fasnacht mit dem «Urknall». Im Nu verwandelt sich die Stadt in einen brodelnden Hexenkessel. Dann, mitten auf dem Kapellplatz, wo die Menschenmassen auf den «Fötzeliregen» warten, geschieht – laut Drehbuch – ein Mord. Kommissar Reto Flückiger und seine Kollegin Liz Ritschard nehmen die Ermittlungen auf.

Der Tatort «Schmutziger Donnerstag» spielt in knapp 24 Stunden. Etliche Szenen mussten mitten im Getümmel gedreht werden. «Normalerweise», so Bea Minger, zweite Regieassistenz des Films, «versucht man als Filmcrew solche Massenaufläufe zu meiden. Wir aber hatten genau das Gegenteil vor, nämlich in das Chaos einzutauchen.»

Ein Regisseur, der keine Angst vor Unvorhergesehenem hat

Making off Szene aus dem Film

Bildlegende: Dani Levy (mitte) mit Schauspieler Andrea Zogg (links) und Stefan Gubser bei den Dreharbeiten. SRF

Um dieses Chaos zu meistern, brauchte es einen Regisseur, der keine Angst vor Unvorhergesehenem hat. Für das Drehbuch liess sich der in Berlin lebende Schweizer Regisseur Dani Levy begeistern.

Schnell war klar, dass er der richtige für dieses Abenteuer ist: «Dani Levy ist ein sehr erfahrener und leidenschaftlicher Regisseur. Er sucht nicht nach der bequemen, sondern stets nach der besten Lösung für den Film. Danis Offenheit gegenüber dem Unplanbaren war für uns neu, wir mussten uns erst an die Arbeitsweise gewöhnen», sagt Produzent Reto Schaerli.

Zwei bis vier Kamerateams im Einsatz

Um das immense Pensum an Szenen drehen zu können und dennoch keine massiven Kürzungen im Drehbuch vornehmen zu müssen, wurde permanent mit zwei, während der Massenszenen sogar mit vier Kamerateams gedreht. So konnte Levy effizienter und flexibler arbeiten.

Die Crew musste sich selber auch verkleiden – um sich unauffällig in der Menge zu bewegen. «Trotzdem konnten etliche Aufnahmen nicht verwendet werden, da sich ein paar heitere Fasnächtler einen Spass daraus gemacht haben, ins Set zu springen und ‹mitzuspielen›», erzählt Reto Schaerli.

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Fasnachtsgänger, die Szenen zerstört haben

0:30 min, vom 4.2.2013

Levy gewährt Schauspielern grossen Freiraum

Dani Levy verzichtete auch weitgehend auf Proben mit den Schauspielern, um eine grössere Lebendigkeit und Wildheit im Spiel zu erreichen. Für Levy hiess das, «sich aus dem Korsett und den rituellen Zwängen eines Drehablaufes zu lösen.»

Diese Arbeitsweise war für die Schauspieler ein grosser Gewinn. Trotz der unberechenbaren Situation schuf Levy für die Schauspieler, wie es Hauptdarsteller Stefan Gubser beschreibt, eine «angstfreie Zone». Er liess ihnen grossen Freiraum und strahlte dennoch grösstes Vertrauen und Selbstsicherheit aus. «Das war», schwärmt Gubser von rund 150 Filmen, in denen ich gespielt habe, «eine der besten Erfahrungen.»

Zurück bleibt ein schaurig schönes Gefühl

Doch auch die Crew blieb vor der Kamera nicht ganz unentdeckt. Beim einen oder anderen Kamera-Schwenk wurde auch mal der Regisseur eingefangen.

Für alle Beteiligten war der Dreh an der Fasnacht ein besonderes Ereignis. Zurück bleibt ein schaurig schönes Gefühl: Vor lauter Farbenpracht und Rummel dreht der Kopf noch ein wenig und erst nach einer Weile verhallt das «Schränzen» und Trommeln der Guggenmusiker. An diesen Gefühlsreigen knüpft der Tatort «Schmutziger Donnerstag an».

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