Eine «Burka Rächerin» kämpft für das Gute und erzürnt Kritiker

Eine pakistanische Superheldin bewegt die Welt: In der Serie «Burka Avenger» kämpfte sie kürzlich erstmals auf pakistanischen Bildschirmen. Die taffe Rächerin hat die Landesgrenzen aber längst gesprengt und ist Thema auf Twitter, in Blogs und auf YouTube.

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«Burka Avenger» (Trailer)

1:58 min, vom 7.8.2013

Jiya ist Superheldin, pakistanische Superheldin. Normalerweise ist sie Lehrerin an einer Mädchenschule – wenn sie aber in ihren Umhang schlüpft, kämpft sie gegen die Taliban und korrupte Politiker.

Was die Gemüter in dem muslimischen Land dabei erhitzt, ist Jiyas Outfit: eine schwarze Burka, die sie von Kopf bis Fuss verhüllt. Seit kurzem läuft die Serie «Burka Avenger» («Burka-Rächerin») sonntags im grössten TV-Kanal des Landes.

Die Burka als positives Symbol?

«Was sollen Frauen mit Bildung? Frauen sollten zu Hause in der Küche bleiben», sagt ein böser Magier in der Serie. Die Burka Rächerin Jiya sieht das anders und stülpt ihr schwarzes Gewand über, ihr Kopf gleicht der einer Ninja-Kämpferin.

Im echten Leben wirft ihr Gewand bei einigen Fragen auf: Ist es richtig, der Burka Coolness zu verleihen, und Mädchen beizubringen, dass das Gewand Kräfte verleihe?

Der Produzent der Serie Haroon Rashid, gleichzeitig ein Popstar in Pakistan, sieht darin kein Problem: Sie trage die Burka ja nicht die ganze Zeit, auch nicht bei der Arbeit oder auf der Strasse. Die Burka diene nur dazu ihre Identität zu verstecken.

Die Burka Rächerin kämpft für Bildung und Freiheit

In den insgesamt 13 Episoden der animierten Serie kämpft Jiya gegen alle, die die Bildung von Kindern bedrohen. Sie wirft Stifte und Bücher gegen ihre Gegner, kann Karate und gleitet mit wehender Burka über Pakistan wie Batman über Gotham City. Alles sehr aufwändig produziert.

Für den Produzenten Haroon Rashid liegt der Fokus der Serie jedoch auf ihrer Moral. Jede Episode habe eine klare Aussage, die die Heldin am Ende nochmal zusammenfasse. Es sind soziale Themen, die der Produzent für wichtig hält, beispielsweise Kinderarbeit, Aberglaube, Diskriminierung oder Analphabetismus.

Parallelen zur Aktivistin Malala Yousafzai

Die Figur Jiya und die Ideale, für die sie kämpft, erinnern an Malala Yousafzai. Die pakistanische Jugendliche wurde weltbekannt, als sie 2012 von Taliban-Kämpfern in den Kopf geschossen wurde und überlebte. Grund dafür soll ihr Einsatz für schulische Bildung der weiblichen Bevölkerung in Pakistan sein.

Malala Yousafzai spricht vor den Vereinten Nationen.

Bildlegende: Kämpfte für mehr Bildungsrechte, überlebte ein Attentat der Taliban nur knapp: Malala Yousafzai. Keystone

Das Mädchen hatte sich trotz Drohungen der Extremisten seit Jahren um Bildung für Mädchen bemüht und bereits 2011 dafür ersten Friedenspreis der pakistanischen Regierung für ihren Einsatz für das Recht der Mädchen auf Bildung bekommen.

Der Produzent Rashid sagt dazu, dass Malala Yousafzai eine wahre Heldin sei. Und bestreitet gleichzeitig, dass seine Figur von Malala, die noch vor wenigen Wochen vor den Vereinten Nationen gesprochen hat, inspiriert sei.

Die Leute zum Lachen bringen

Sie hätten parallel zu den Ereignissen um Malala Yousafzai an einer Figur gearbeitet, die sich für Bildung von Mädchen einsetzt. Für die Macher sei es so gewesen, als habe die Realität ihre Arbeit am Bildschirm kopiert.

Die Geschichte um Jiya ist nah dran am pakistanischen Alltag. Taliban greifen in dem Land regelmässig Schulen an und zerstören sie. Viele Mädchen werden gezwungen, den Unterricht zu verlassen.

Die Burka-Rächerin kämpft dagegen auf dem Bildschirm – und auf unterhaltsame Weise. «Das Hauptziel ist es, Leute zum Lachen zu bringen, sie zu unterhalten und starke, soziale Botschaften auszusenden», so Haroon Rashid.

Kritiker: Gute Absicht, falsches Gewand

Die Serie spaltet das Land trotz der prominenten Assoziation. Kritik gibt es sowohl von Konservativen als auch von Liberalen. «Die Burka ist ein Symbol der Unterdrückung in Pakistan. Frauen tragen sie nicht freiwillig, sondern weil sie ihnen aufgebürdet werden», argumentiert Menschenrechtlerin Tahira Abdullah. Die Idee hinter «Burka Avenger» sei zwar grundsätzlich gut, die Ausführung aber falsch.

«Burka Avenger» beschützt eine Gruppe Kinder, während im Hintergrund Bösewichte lauern.

Bildlegende: Aller Kritik zum Trotz: Von Kindern wird «Burka Avenger» heiss geliebt. PR

Auch die tief religiösen Pakistaner sind von der Show nicht begeistert: Burkas seien islamische Verpflichtung, erklärt Kuser Firdaus von der fundamentalistischen Jamaat-e-Islami Partei. «Sie für Charaktere in Comics zu benutzen, ist eine Beleidigung für eine Religion und ihre Symbole.»

Die Burka Rächerin bald auch auf Deutsch?

Eine Gruppe interessiert sich dagegen gar nicht um das Für und Wider im pakistanischen Burka-Streit: die Kinder. Hunderttausende fiebern Woche für Woche den Folgen von «Burka Avenger» entgegen.

Die Urdu sprechende Burka-Rächerin könnte demnächst weltweit zu sehen sein. Eine europäische Produktionsfirma habe Pläne, die Serie in 18 Sprachen zu übersetzen und in 60 Ländern auszustrahlen, sagte Produzent Rashid.